DPhG-Jahrestagung

Herpes, Cytomegalie, Hepatitis: Neue Therapieansätze

Über die Epidemiologie und therapeutische Ansätze zur Behandlung von Infektionen mit Herpes-, Cytomegalie- und Hepatitis-B-Viren berichtete Dr. Holger Zimmermann anhand der Ausarbeitung der angekündigten, aber kurzfristig erkrankten Referentin Prof. Dr. Helga Rübsamen-Waigmann. Beide sind bei der AiCuris GmbH & Co KG in Wuppertal beschäftigt.
Holger Zimmermann

Obwohl beide Herpes-Virus-Typen (HSV-1 und HSV-2) sowohl oral als auch genital vorkommen, wird oraler Herpes meistens durch HSV-1 hervorgerufen, genitaler Herpes meistens durch HSV-2.

HSV-1 ist weltweit sehr häufig verbreitet. In Industrieländern liegt die Prävalenz bei 60% der Erwachsenen. Während sich Infektionen bei Erwachsenen "lediglich" durch Fieberbläschen im Mund und Gesicht bemerkbar machen, können sie bei Neugeborenen lebensbedrohend sein.

Genitaler Herpes ist eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten mit einer Seroprävalenz von 30 bis 50% weltweit bzw. von 15 bis 25% in den westlichen Industrieländern. Derzeit werden bei Teenagern und Erwachsenen dramatische Zuwächse verzeichnet. Zwar können die Symptome bekämpft werden, aber die Infektion selbst ist nicht heilbar. Behandelt werden die Patienten mit Polymerasehemmern wie Aciclovir, Famciclovir, Penciclovir und Foscarnet.

Als Innovation in der Herpestherapie führte Zimmermann drei nicht-nucleosidische Inhibitoren an (AIC-HPI, ASP-2151 und BILS-179 BS), die den UL5/UL52-Helicase/Primase Komplex als Target adressieren. Die Vorteile dieser Helicase/Primase-Inhibitoren (HPI) liegen in dem hochkonservierten Enzymkomplex, in der Fähigkeit, mit einer hohen Viruslast fertig zu werden, sowie in der niedrigen Resistenzrate. Nach den bisherigen Ergebnissen sind HPI potenter als alle zugelassenen Chemotherapeutika, auch hinsichtlich der Verhinderung der Besiedlung der Ganglien. Bei akuten Herpes-genitalis-Infektionen reduzieren sie die Rekurrenz signifikant und wirken auch bei spätem Behandlungsbeginn noch gut.

Das humane Cytomegalievirus (hCMV) hat in allen geographischen Regionen eine ähnlich hohe Prävalenz, was zwar bei Gesunden kein Risiko impliziert, wohl aber bei immungeschwächten Personen, wie Transplantierten, AIDS- und Krebspatienten. Bei diesen treten schwerwiegende Folgen ein, deren Ausprägung von der Ursache der Immunschwäche abhängt. Bei Kindern sind hCMV-Infektionen die häufigsten kongenitalen Infektionen. Sie führen zu Gehirnschädigungen und zum Verlust des Gehörs. In Europa wird von 30.000 bis 40.000 infizierten Neugeborenen pro Jahr ausgegangen. Als Therapeutika dienen Polymerasehemmer wie Ganciclovir, Valaciclovir, Valganciclovir, Cidofovir und Foscarnet.

Die neue Substanzklasse der Benzimidazolriboside, die über den Mechanismus der Terminasehemmung wirken, repräsentiert der Wirkstoff Maribavir. Er befindet sich derzeit als Prophylaktikum gegen hCMV-Infektionen bei Stammzelltransplantierten in Phase III der klinischen Prüfung. Nach den bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um einen potenten, selektiven antiviralen Arzneistoff, der allerdings bei hohen Viruslasten nicht wirksam zu sein scheint.

Die Verbreitung von Hepatitis-B-Viren (HBV) ist wegen der mangelnden Immunisierung in Entwicklungsländern immer noch sehr groß. Es wird von mehr als 350 Mio. lebenslangen Infektionen mit hohem Todesrisiko durch Leberzirrhose oder Leberkrebs und mehr als 1 Mio. Todesfällen pro Jahr ausgegangen. Auch hier stellen Polymerasehemmer (u. a. Lamivudin, Telbivudin, Clevudin, Entecavir, Tenofovir) den Therapiestandard dar, mit zahlreichen Nachteilen und Einschränkungen, wie etwa hohen Rückfallraten nach Absetzen der Therapie, mangelnder Virus-Eradikation sowie hohen Resistenzraten und Kreuzresistenzen.

Einen neuen Ansatzpunkt für die gezielte antivirale Therapie bildet das HBV-Core-Protein. Hier greifen nicht-nucleosidische Inhibitoren an, die zur Klasse der Heteroarylpyrimidine (HAP) zählen. In einem hochspezifischen Wirkmechanismus blockieren sie die Kapsidbildung, erniedrigen damit die Stabilität des Core-Proteins und hemmen die Vermehrung der Viren.

Zimmermann resümierte, dass in allen drei Indikation nicht-nucleosidische Inhibitoren in der Entwicklung sind, die erhebliche Vorteile hinsichtlich der Wirksamkeit und Verträglichkeit erwarten lassen. Wegen der hochspezifischen Replikationsmechanismen der Viren ist ein Breitband-Virustatikum allerdings nach wie vor nicht in Sicht.

hb

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.