Arzneimittel und Therapie

Von SGLT-2-Inhibitoren und Glucokinase-Aktivatoren

Auf der diesjährigen Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Diabetologie in Rom wurde eine Palette innovativer Wirkprinzipien vorgestellt, die die Situation für Diabetiker langfristig verbessern könnten. Manche stehen bereits kurz vor der Zulassung, bei anderen kann es noch Jahre dauern, wenn sie die Hürde großer klinischer Studien überhaupt schaffen. Hier ein Überblick:

SGLT-2-Inhibitoren: SGLT-2-Inhibitoren hemmen den renalen, natriumabhängigen Gucosetransporter Typ-2 (Sodium-dependent Glucose (co-) Transporter). Wirkstoffe wie Dapagliflozin fördern über diesen Mechanismus konzentrationsabhängig die Ausscheidung von Glucose über den Harn. In einer placebokontrollierten Studie mit 389 Typ-2-Diabetikern wurden verschiedene Dosen Dapagliflozin mit Metformin über zwölf Wochen verglichen. In allen Dosen konnte Dapagliflozin den HbA1c -Wert signifikant stärker senken als Placebo. Im Vergleich mit Metformin gab es keine signifikanten Unterschiede. Auch die Hypoglykämierate war vergleichbar.

Glucokinase-Aktivatoren: Die Aktivierung der Glucokinase, die die Phosphorylierung von Glucose in den pankreatischen Betazellen und den Hepatozyten vorantreibt, ist ein weiterer Ansatzpunkt. Mit dem Glucokinase-Aktivator RO4389620 ließen sich Nüchtern- und postprandiale Blutzuckerspiegel bei Typ-2-Diabetikern verbessern.

CPT1-Inhibitoren: Eine Reduktion der gesteigerten hepatischen Gluconeogenese wird mit Hemmstoffen der Carnitin-Palitoyl-Transferase 1 angestrebt. Teglicar hemmt die hepatische CPT1 reversibel und selektiv. Bislang konnte gezeigt werden, dass der CPT-1-Inhibitor die Insulinresistenz verbessert und den Nüchternblutzucker zumindest tendenziell senkt.

Interleukin-1β-Blockade: Seit bekannt ist, dass Interleukin 1β in die Glucose-induzierte Betazellapoptose und Betazelldysfunktion involviert ist, wird nach Biologicals für Typ-2-Diabetiker geforscht. Mit der Gabe von Interleukin-1β-Antikörpern verspricht man sich die Betazellfunktion aufrecht zu erhalten. Für XOMA 052 konnten erste Studien die Unbedenklichkeit belegen.

Flavonoide gegen Zucker: Auch aus der Pflanzenwelt kommen neue Hoffnungsträger. Im Fokus stehen hier schon seit Längerem die im Traubenkernextrakt enthaltenen antiinflammatorisch wirksamen Flavonoide. 32 Typ-2-Diabetiker erhielten in einer doppelblinden, randomisierten Cross-over-Studie zusätzlich zu diätetischen Maßnahmen oder oralen Antidiabetika über vier Wochen Traubenkernextrakt. Entzündungsmarker wie hsCRP, aber auch metabolische Parameter, allen voran das Lipidprofil, besserte sich.


Quelle

Veranstaltungen auf der 44. Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Diabetologie (EASD), Rom, 8. bis 11. September 2008.


Apothekerin Dr. Beate Fessler

Kommt doch noch eine Alternative zu oralem Insulin?

Obwohl inhalatives Insulin gescheitert ist, werden weitere Anstrengungen unternommen, andere Applikationsformen als die subkutane Gabe für das Hormon zu entwickeln. Eine Variante ist mikroverkapseltes rekombinantes Humaninsulin (Capsulin® ; 150 U/Kapsel), das bei Typ-2-Diabetikern zweimal täglich appliziert werden soll. Die Bioverfügbarkeit liegt im Vergleich mit subkutanem Insulin bei gerade einmal 10%. Freigesetzt und resorbiert wird das Hormon im Jejunum und im oberen Dünndarmbereich. Hilfsstoffe sollten die Resorption durch die Darmwand verbessern. In einer Phase-II-Studie mit 16 Diabetikern wurde Capsulin® über zehn Tage eingenommen und gut vertragen. Hypoglykämien traten nicht auf, der HbA1c , Gewicht und Trglyzeride wurden gesenkt.

Eine Variante zur Senkung postprandialer Blutzuckerspiegel ist pegyliertes Insulin (IN-105). Die Pegylierung soll das Hormon vor dem Abbau schützen. Das pegylierte Insulin In-105 erreicht eine Bioverfügbarkeit von 5 bis 10%. 10 bis 20 Minuten vor der Mahlzeit eingenommen, führt es dosisabhängig zu einer Suppression der postprandialen Glucosespiegel und wirkt damit ähnlich wie kurzwirksames Insulin.

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