Arzneimittel und Therapie

Benefit durch Dexamethason?

Die zusätzliche parenterale Gabe von Dexamethason zur Standardtherapie einer Migräneattacke hat zwar keinen unmittelbaren schmerzsenkenden Einfluss, kann aber das erneute Auftreten der Kopfschmerzen verhindern; so das Fazit einer kanadischen Metaanalyse.

Beim Zustandekommen einer Migräneattacke sind inflammatorische Vorgänge beteiligt. Daher werden zur Therapie auch nicht-steroidale Antiphlogistika sowie Corticoide eingesetzt. Für die Wirksamkeit letzterer scheint die Datenlage spärlich zu sein, und die intravenöse Applikation von Dexamethason zur Abschwächung eines Migräneanfalls wird nur sporadisch praktiziert. Daher wurde mit Hilfe einer Metaanalyse untersucht, ob Dexamethason einen Einfluss auf den akuten Kopfschmerz und auf das erneute Auftreten der Migräne hat. Eine Datenbankrecherche führte zu 666 Studien, von denen für die konkrete Fragestellung sieben randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 738 Probanden auswertbar waren. Verglichen wurde jeweils

  • eine Standardtherapie plus eine einmalige intravenöse Gabe von Dexamethason (zwischen 10 und 24 mg) mit
  • einer Standardtherapie und einem intravenös applizierten Placebo.

Studienendpunkte waren die Abnahme der akuten Kopfschmerzen und die Häufigkeit eines erneuten Auftretens der Kopfschmerzen innerhalb von 72 Stunden sowie Art und Häufigkeit unerwünschter Wirkungen.

Migränetherapie

Was war bislang bekannt?

  • Nach einer Migräneattacke treten häufig innerhalb der nächsten 24 bis 72 Stunden erneut Kopfschmerzen auf.
  • Bei der Pathogenese der Migräne spielen Entzündungen eine Rolle. Sie können durch Corticoide abgeschwächt werden und so möglicherweise ein erneutes Auftreten der Kopfschmerzen verhindern.
Was ist neu?

  • Dexamethason reduziert die Rate eines erneut auftretenden Kopfschmerzes.
  • Auf die unmittelbare Schmerzlinderung scheint Dexamethason keinen Einfluss zu haben.

Weniger erneute Kopfschmerzen

Die zusätzliche Gabe von Dexamethason hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Abnahme der akuten Kopfschmerzen, und die Schmerzreduktion war unter der Corticoid- und Placebogabe vergleichbar. Die günstige Auswirkung von Dexamethason zeigte sich erst bei der Reduktion der Rückfallquote: Im Vergleich zur Placeboinjektion betrug das relative Risiko nach einer Dexamethasongabe 0,74 (95% Konfidenzintervall 0,60 bis 0,90), die Rückfallquote konnte also um 26% gesenkt werden. Die NNT (Number needed to treat) lag bei 9, das heißt neun Patienten müssen behandelt werden, um bei einem das erneute Auftreten der Migräne innerhalb von 72 Stunden zu verhindern. Die unerwünschten Wirkungen waren in Verum- und Vergleichsgruppe ähnlich.

Die Studienautoren und ein Kommentator ziehen ein ähnliches Resümee: Der akute Kopfschmerz wird durch das Corticoid nicht beeinflusst, wohl aber der erneut auftretende Kopfschmerz, der bei akuten schweren Migräne-Attacken häufig innerhalb von 24 bis 72 Stunden wiederkehrt. Bei einer einmaligen Anwendung von Dexamethason ist in der Regel mit keinen gravierenden Nebenwirkungen zu rechnen, Vorsicht ist allerdings bei wiederholter Anwendung (Erhöhung des Osteoporoserisikos) und bei Diabetikern geboten. Ob eine orale Gabe den gleichen Effekt aufweist wie die intravenöse Applikation bleibt zu klären. Da die Studiendaten vorwiegend aus Notfallpraxen oder Kopfschmerzeinrichtungen stammen, bleibt offen, ob in Allgemeinpraxen oder bei der Erstversorgung ähnliche Ergebnisse erzielt werden.


Quelle

Colman I., et al.: Parenteral dexamethasone for acute severe migraine headache: meta-analysis of randomised controlled trials for preventing recurrence. BMJ 2008; 336, 1359 –1361.

Evans, R.: Treating migraine in the emergency department. BMJ 2008; 336, 1320.


Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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