Arzneimittel und Therapie

Neuer intravenöser Calciumantagonist in USA zugelassen

Clevidipin ist ein Calciumantagonist vom Dihydropyridin-Typ, der in der Seitenkette eine Esterkonformation besitzt, die im Organismus sehr schnell gespalten wird: Die Halbwertszeit von weniger als einer Minute ist extrem kurz. In Studien konnte der Blutdruck der Patienten in den meisten Fällen innerhalb von zehn Minuten unter Kontrolle gebracht werden.

Clevidipin (CleviprexTM) ist seit zehn Jahren das erste neue intravenöse Antihypertensivum, das die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA zugelassen hat. Als große Vorteile gegenüber den bisher verfügbaren Präparaten werden die leichte Titrierbarkeit und die kurze Halbwertszeit hervorgehoben. Clevidipin wird sehr schnell im Körper verteilt und verstoffwechselt. Seine Esterstruktur wird durch Esterase im Blut und im extravasalen Gewebe sehr schnell gespalten, so dass auch eine bestehende Leber- oder Nierendysfunktion keinen Einfluss auf die Elimination hat.

Vorteil: leichte Titrierbarkeit und kurze Halbwertszeit

In einer offenen Multicenterstudie konnte bei Notfallpatienten mit schwerer akuter Hypertonie der systolische Aufnahmeblutdruck von durchschnittlich 203 mmHg unter der Infusion von Clevidipin rasch gesenkt werden – um 22 mmHg nach drei Minuten, um 34 mmHg nach 15 Minuten und um 45 mmHg nach 30 Minuten. 89% der behandelten Patienten erreichten innerhalb einer halben Stunde ihren Zielblutdruck. Nach 18 Stunden war der Ausgangsblutdruck um 27% gesunken. Es wurden weder hypotensive Episoden noch Vorhofflimmern beobachtet, sondern lediglich eine anfängliche Erhöhung der Herzfrequenz, aber keine exzessive Tachykardie.

In einer randomisierten, doppelblind placebokontrollierten Studie wurde die Wirksamkeit und Effektivität von Clevidipin bei Patienten mit schwerer akuter Hypertonie untersucht. Insgesamt 110 Patienten mit einem systolischen Blutdruck über 140 mmHg nach einer Operation erhielten 30 bis 60 Minuten entweder eine Clevidipin- oder eine Placebo-Infusion. Als Anfangsdosis wurde 1 bis 2 mg Clevidipin/ Stunde infundiert, bei guter Verträglichkeit wurde die Dosis alle 90 Sekunden auftitriert, bis zu einer Infusionsrate von 16 mg /Stunde. Das primäre Ziel war die Absenkung des systolischen Blutdrucks um 15% oder mehr unter den Ausgangswert. Dieses Ziel wurde in 92% der Fälle erreicht. Die mediane Zeitspanne, in der der Zielblutdruck erreicht wurde, lag unter Clevidipin bei 5,3 Minuten. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren Kopfschmerzen, Hypotension, Übelkeit, Tachykardie und Schwindel.

Selektive Blockade der Calciumkanäle vom L-Typ

Calciumkanäle zählen zu den spannungsgesteuerten Ionenkanälen. Es werden sechs Typen unterschieden: L-, T-, N-, P-, Q- und R-Typ. Die N-, P/Q- und R-Typen kommen hauptsächlich in Neuronen vor. T- und L-Typ befinden sich vorwiegend in der Herzmuskulatur und unterscheiden sich aufgrund der Dichte ihres Vorkommens. Der depolarisierende Calciumstrom durch den L-Typ-Calciumkanal ist entscheidend für die kardiale Erregbarkeit: Der sogenannte langsame spannungsabhängige L-Typ-Calciumkanal sorgt in den kardialen Schrittmacherzellen für ein rasches Fortschreiten der Depolarisation und in den restlichen kardialen Myozyten für den zur Erhaltung der Plateauphase notwendigen Einstrom von Calciumionen. Zu den Calciumantagonisten, die selektiv den spannungsabhängigen Einstrom von Calcium durch den L-Typ-Calciumkanal blockieren und andere Calciumkanäle nicht beeinflussen, gehören die Dihydropyridine (Leitsubstanz Nifedipin), die Benzothiazepine (Leitsubstanz Diltiazem) und die Phenyalkylamine (Leitsubstanz Verapamil). Sie werden zur Behandlung der Hypertonie und der Angina pectoris verwendet.

Quelle

Singla, N.; et al. for the ESCAPE-2 Study Group: Treatment of Acute Postoperative Hypertension in Cardiac Surgery Patients: An Efficacy Study of Clevidipine Assessing Its Postoperative Antihypertensive Effect in Cardiac Surgery-2 (ESCAPE-2). Anesth Analg 2008; 107: 59 – 67. doi: 10.1213/ ane.0b013e3181732e53

 


ck

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