Arzneimittel und Therapie

Neuer Standard in der Blutzuckerkontrolle

Die langfristige Kontrolle des Blutzuckers ist ein wichtiges Ziel der Diabetestherapie. Allerdings können die Messergebnisse – je nach Methode und Labor – unterschiedlich sein. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat sich nun internationalen Empfehlungen zur Standardisierung des Verfahrens angeschlossen und empfiehlt, die Ergebnisse einer HbA1c -Bestimmung zukünftig in Millimol pro mol (mmol/mol) anzugeben.

Zur Kontrolle der Blutzuckereinstellung über einen längeren Zeitraum gilt bisher der HbA1c -Wert als Goldstandard, da er den mittleren Blutglucosewert widerspiegelt. Der HbA1c -Wert beschreibt die Menge des glykosylierten Hämoglobinanteils: Hämoglobin wird in einer nicht-enzymatischen Reaktion glykosyliert, die abhängig ist von der vorhandenen Menge an Glucose im Blut. Diese Reaktion ist nicht reversibel, sondern bleibt über die Lebensdauer der Erythrozyten (etwa acht bis zwölf Wochen) bestehen. Im Rahmen einer Diabetestherapie wird etwa alle drei Monate der HbA1c -Wert im Labor bestimmt. Ein HbA1c -Wert von 10 entspricht z. B. einem mittleren Blutglucosewert von 230 mg/dl, bedeutet also eine schlechte Blutzuckereinstellung. Ein Wert von 8 entspricht einer mittleren Blutglucose von 170 mg/dl und gilt als tolerabel. Die Leitlinien der DDG empfehlen einen Langzeitwert von unter 6,5% HbA1c am gesamten Hämoglobin, um das Risiko von Spätschäden an den kleinen und großen Blutgefäßen zu verringern. Seit vielen Jahren wird diskutiert, dass HbA1c -Ergebnisse, die durch unterschiedliche Methoden und Laboratorien erstellt werden, nicht vergleichbar sind. Deshalb ist zur Standardisierung ein einheitliches Referenz- beziehungsweise Bezugssystem wichtig: Die meisten Labors nutzen ein von der American Association of Clinical Chemistry entwickeltes Verfahren, das den HbA1c -Wert als Prozentsatz des Gesamthämoglobins angibt. Ein neues Verfahren der International Federation of Clinical Chemistry gilt nun als internationaler Bezugspunkt und gibt das Ergebnis in der internationalen Maßeinheit Millimol pro mol (mmol/mol) an. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft hat sich diesem internationalen Konsens angeschlossen, ob und wann dieser Standard in Deutschland verbindlich eingeführt werden soll, wird diskutiert. Um Verwirrungen zu vermeiden, bleiben die Angaben der HbA1c -Werte bei der Prozentangabe und die internationale Referenz bei mmol/mol. Die tägliche Praxis und die Bedeutung des HbA1c -Wertes bleiben dadurch unverändert, der Patient erhält nur zusätzlich eine Angabe in mmol/ml. In der zurzeit noch laufenden ADAG-Studie (A1c Derived Average Glucose) wird versucht, einen Bezug zwischen dem HbA1c -Wert und der Glucosekonzentration im Blut herzustellen. Es wird dort untersucht, welche durchschnittlichen Blutzuckerwerte den HbA1c -Werten entsprechen. Dieser durchschnittliche Blutzucker wird in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) angezeigt, eine Angabe, die den Patienten aus ihren täglichen Blutzuckerbestimmungen vertraut ist.

 

Quelle

Pressemitteilung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft vom 14. August 2008.

Consensus Statement on the Worldwide Standardization of the Hemoglobin A1C Measurement. Diabetes Care, 30: 9; 2309 – 2400 (2007).

 


ck

Das könnte Sie auch interessieren

Mit HbA1c statt mit Blutzucker?

Diagnose des Diabetes

Wenn der Säure-Basen-Haushalt aus den Fugen gerät

Ein jugendlicher Diabetiker

Senkung der Glykämie durch Steigerung der renalen Glucose-Ausscheidung möglich

Neue Hoffnung für Diabetiker

Blutabnahme für Lipidprofil kann auch nach dem Frühstück erfolgen

Nicht mehr nüchtern

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.