Arzneimittel und Therapie

Vitamin D schützt

Vitamin D könnte eine protektive Wirkung gegen die Entwicklung von Darm- und Knochenkrebs haben, wie sich in einigen Studien gezeigt hat. Vitamin-D-Rezeptoren sind auf normalem sowie auf malignem Brustgewebe zu finden.

Cholecalciferol, Vitamin D3 ist das physiologisch im Menschen vorkommende Vitamin D. Da es im Körper mithilfe von ultraviolettem Licht (UV-B) in der Haut aus Cholesterol gebildet werden kann, ist der historische Begriff Vitamin nicht korrekt. Die meisten Wirbeltiere, einschließlich des Menschen, decken nämlich einen Großteil ihres Vitamin-D-Bedarfes durch Sonnenbestrahlung ihrer Haut. Insgesamt wird die Photosynthese des Vitamin D in der Evolution seit über 750 Millionen Jahren von Organismen genutzt und kommt schon bei bestimmten Planktonarten vor. Der tägliche Bedarf eines Erwachsenen beträgt 5 bis 12,5 µg. In der Nahrung kommt es im Wesentlichen in Fettfischen vor oder wird den Lebensmitteln als Nahrungsergänzungsmittel zugefügt. Vitamin D spielt eine wesentliche Rolle bei der Regulierung des Calciumspiegels im Blut und dem Knochenaufbau. Ein Vitamin-D-Mangel führt mittelfristig bei Kindern zu Rachitis und bei Erwachsenen zu Osteomalazie.

Zahlreiche Funktionen

Seit den 1990er-Jahren wurde zudem gezeigt, dass das Vitamin-D-System darüber hinaus in verschiedensten anderen Geweben im Wesentlichen autokrine Funktionen hat, welche die Zelldifferenzierung, die Hemmung der Zellproliferation, die Apoptose, die Immunmodulation und die Kontrolle anderer hormonaler Systeme umfasst.

Verminderte Bildung im Winter

Je höher der Sonnenstand, desto kürzer ist der Weg des Sonnenlichtes durch die Atmosphäre. Das kürzerwellige UVB-Licht wird durch die Atmosphäre wesentlich stärker absorbiert. Deshalb ist die Höhe des Sonnenstandes ein entscheidender Faktor für die Vitamin-D3 -Bildung in der Haut. Im Winter wird sie bei sonst guten Lichtbedingungen ganztägig oft so unterschritten, dass kein Vitamin D3 mehr in der Haut gebildet werden kann.

Zivilisationskrankheit Vitamin-D3 -Mangel

Je nach Jahreszeit, geographischer Breite, Nahrungsgewohnheiten, Bevölkerungsgruppe und Lebensstil fällt der Vitamin-D3 -Spiegel in Bereiche, bei denen man von einem Vitamin-D3 -Mangel ausgehen muss. Niedrige Vitamin-D3 -Spiegel sind ein unabhängiger und langfristiger Risikofaktor für eine Reihe von Krankheiten (Krebserkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Infektanfälligkeit, brüchigere Knochen).

Vitamin D3 ist kein gewöhnlicher Nahrungsbestandteil, denn die natürliche Zufuhr entspräche der Bestrahlung mit UVB-Licht, das unsere afrikanischen Vorfahren während Jahrtausenden ganzjährig großzügig zur Verfügung hatten. Evolutionär nicht angepasst sind wir an vergleichsweise sehr moderne Lebensumstände: Weitgehendes Leben in geschlossenen Räumen, unter Glas, bei künstlichem Licht, unter einer UVB-Licht-filternden Smogglocke, konsequente Benutzung von Sonnencreme (die teilweise gezielt UVB-Licht filtert) oder weitgehend vollständige Bedeckung der Haut mit Kleidern unter freiem Himmel. Erst in den letzten zehn Jahren wird zunehmend erkannt, mit welchen Zivilisationskrankheiten der endemische Lichtmangel der modernen Gesellschaften einhergeht.

Vitamin D3 in Nahrungsmitteln

Unter nicht immer und überall gegebenen optimalen Bedingung kann die Haut eines jungen erwachsenen Menschen 10.000 bis 20.000 I.E. (also 250 bis 500 µg) Vitamin D3 täglich bilden. Dagegen enthalten nur wenige Nahrungsmittel Vitamin D3 in vergleichbaren Mengen. Es findet sich vor allem in Fettfischen.


Der Vitamin-D3-Gehalt einiger ausgewählter Lebensmittel zeigt die meistens geringe Rolle der Nahrung für die Vitamin-D-Versorgung (1 µg entspricht 40 IE)
Nahrungsmittel
µg/100 g
Lebertran
330
Dorschleberöl
210
Hering
31
Hühnerei
3,5
Kuhmilch
0,08
industriell hergestellte Säuglingsmilch in Deutschland
1 bis 2 µg/
100 kcal
Muttermilch
0,01 bis 0,12

Vitamin D bei Brustkrebs

Eine Forschergruppe um P. Goodwin, Toronto, bestimmte zwischen 1989 und 1995 mithilfe von Radioimmunoassay in Blutproben von 512 neu auf Brustkrebs diagnostizierten Frauen die Konzentrationen von 25-Hydroxyvitamin D. Eventuelle Zusammenhänge zwischen Vitamin-D-Spiegeln und der Häufigkeit der Metastasenbildung und dem Gesamtüberleben wurden untersucht. Die Frauen wurden bis 2006 nachbeobacht et, das mediane Follow-up betrug 11,6 Jahre.

Nur 24% der Patientinnen hatten zum Zeitpunkt der Diagnose adäquate Vitamin-D-Spiegel aufgewiesen. Frauen mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel (weniger als 50 nmol/l) wiesen öfter aggressivere und höhergradige Formen von Brustkrebs auf (p = 0,03).

Höhere Vitamin-D-Spiegel sind besser

Nach zehn Jahren waren noch 83% der Frauen mit adäquaten Vitamin-D-Spiegeln (> 72 nmol/l) frei von Metastasen, und 85% lebten noch. Im Vergleich dazu lebten in der Gruppe mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel nur noch 74% und nur 69% waren noch frei von Metastasen. Die meisten Todesfälle waren auf die Krebserkrankung zurückzuführen. Falls diese Beobachtungen durch eine zweite, ähnliche Untersuchung, die bereits angelaufen ist, bestätigt werden könnten, empfahl Goodwin, eine klinische Studie durchzuführen, in der eine Vitamin-D-Substitution bei Frauen mit Brustkrebs im Hinblick auf Zielparameter wie progressionsfreies Überleben und Gesamtüberleben untersucht werden solle.


Quelle

Goodwin, J.; et al.: Frequency of vitamin D deficiency at breast cancer diagnosis and association with risk of distant recurrence and death in a prospective cohort study of T1-3, N0-1, M0 BC. Proceed Am Soc Clin Oncol 2008, abstr. 511.


Apothekerin Dr. Annette Junker

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