Arzneimittel und Therapie

Todesfälle unter Methadonbehandlung

Schon vor gut einem Jahr warnte die FDA vor lebensbedrohlichen Nebenwirkungen und Todesfällen einer Schmerztherapie mit Methadon. Eine soeben veröffentlichte Fall-Kontroll-Studie legt den Verdacht nahe, dass schon bei therapeutischen Konzentrationen das Risiko für plötzliche Todesfälle steigt.

Folgt man der Leitlinie Medikamentöse Schmerztherapie der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie, dann stellt L-Methadon eine Alternative zu Morphin in der Tumorschmerztherapie dar und ist unter Umständen vorteilhaft zur Behandlung neuropathischer Schmerzen. Als Besonderheit wird auf eine individuelle Kinetik von Methadon mit der Gefahr der Kumulation verwiesen und eine sorgfältige Titration empfohlen. Bei der Umstellung von Morphin auf Methadon wird empfohlen, mit einer Einzeldosis von 10% der oralen Morphin-Tagesdosis zu beginnen, die jedoch unter 6 mg liegen soll und bei Bedarf alle drei Stunden wiederholt werden darf. Nach zwei bis drei Tagen soll die tatsächlich benötigte Tagesdosis auf zwei bis drei Einzeldosen aufgeteilt werden, wobei zur Reduzierung der Kumulationsgefahr bei verzögertem Erreichen eines stabilen Serumspiegels gegebenenfalls die Dosis um 30% zu reduzieren ist.

Die Kumulationsgefahr im Rahmen einer Schmerztherapie wird damit erklärt, dass die Eliminationshalbwertszeit von Methadon mit acht bis 59 Stunden deutlich länger sein kann als die analgetische Wirkung, die in der Regel nur vier bis acht Stunden anhält. Erreicht der Methadonspiegel toxische Werte, kann sich die QT-Zeit verlängern und Kammerflimmern als Folge von Torsade-de Points-Reaktionen auftreten. Immer wieder wird über Todesfälle unter einer Schmerztherapie mit Methadon berichtet.

Das hat eine Forschergruppe der Oregon Health and Science University von Portland veranlasst, über einen Zeitraum von vier Jahren alle Fälle von plötzlichem Herztod in Portland genauer zu untersuchen. Insgesamt fanden sie in 22 Fällen von plötzlichem Herztod therapeutische Methadonspiegel. In 106 Fällen waren die Patienten nicht mit Methadon behandelt worden. Bei Patienten der Methadongruppe lagen deutlich seltener kardiale, einen plötzlichen Herztod begünstigende Anomalien (23%) vor als bei Patienten der Vergleichsgruppe (60%). Diese Tatsache interpretieren die Autoren dahingehend, dass Methadon schon in therapeutischen Konzentrationen das Risiko für einen plötzlichen Herztod erhöhen kann. Nach Ansicht der Autoren ist nicht auszuschließen, dass die Todesfälle durch Methadon-induzierte Herzrhythmusstörungen oder Atemdepression verursacht worden sind. Daher empfehlen sie, vor Beginn einer Methadontherapie ein EKG anzufertigen und abzuklären, ob eine Gefahr für Atemdepressionen vorliegt. Zudem fordern sie weitere prospektive Studien zur Klärung der Frage, ob schon bei therapeutischen Methadonspiegeln mit einem erhöhten Risiko für einen plötzlichen Herztod zu rechnen ist.

 

Quelle

Chugh, S. S.; et al.: A Community-Based Evaluation of Sudden Death Associated with Therapeutic Levels of Methadon. Amer J Med 2008; 121, 66-71.

FDA-Alert: Methadone Hydrochloride - Death, Narcotic Overdose, and Serious Cardiac Arrhythmias 11/2006.

 


 

du

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