Aus Kammern und Verbänden

"Wir sind gegen Wildwuchs"

Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg e. V. sieht seine Mitglieder auch in Zeiten zunehmenden Wettbewerbs in einer starken Position. "Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt", sagte Präsident Fritz Becker auf der jährlichen Mitgliederversammlung am 9. Juli in Stuttgart. Die neuen Wettbewerber im Versandhandel seien bislang keine ernsthafte Konkurrenz. Die Diskussion um die Liberalisierung des Arzneimittelmarktes gebe jedoch weiterhin Anlass zur Besorgnis.

Steigende Arzneimittelausgaben bescherten den Apotheken im Jahr 2007 ein Umsatzwachstum. Dies, so Becker, hat auch damit zu tun, dass die Ärzte im vergangenen Jahr mehr verordnet hatten. Für rund die Hälfte der Rezepte wurden keine Zuzahlungen geleistet, was bei den Kassen in Baden-Württemberg zu Mindereinnahmen von rund 37 Millionen Euro führte. Eine soziale Abfederung sei zwar durchaus erwünscht, erklärte Becker in diesem Zusammenhang, sie sei aber mittlerweile sehr großzügig bemessen: "Viele Kunden sind überrascht, wenn sie für ihr Medikament in der Apotheke nichts zuzahlen müssen."

Die um 8,1 Prozent gestiegenen Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel sind insbesondere auf vermehrte Impfungen und auf die Erhöhung der Mehrwertsteuer zurückzuführen. Becker kritisierte, dass der Staat durch die Mehrwertsteueranhebung erstmals einen höheren Wertschöpfungsanteil an der Teuerungsrate hatte als die Apotheke. Die große Unbekannte in der Rechnung seien für die Apotheken noch immer die Einsparungen der Kassen aufgrund der mit den Herstellern geschlossenen Rabattverträge. Derzeit gelten Rabattverträge für rund 24.000 Arzneimittel.

Becker sprach sich gegen eine zu liberale Auslegung des dm-Urteils aus: "Wir sind klar gegen den Wildwuchs von Rezeptsammelstellen. Wo es rechtlich zulässig ist, werden wir auch in Zukunft unsere Meinung kundtun." Aber auch die Mitglieder dürften die Hände nicht in den Schoß legen und müssten an ihre Landtags- und Bundestagsabgeordneten herantreten, um für die gemeinsamen Ziele zu kämpfen.

Potenzial für die Apotheke sieht Becker im OTC-Markt, vor allem in der Selbstmedikation. Der anhaltende Wellness- und Gesundheitstrend in der Gesellschaft gebe Anlass zur Hoffnung und müsse von den Apotheken aktiv gestaltet werden.

Ausgeglichener Haushalt

Über die Finanzen des Verbandes und seiner Töchter informierte Schatzmeister Wolf Kümmel. Gemeinsam mit Geschäftsführerin Ina Hofferberth gab er einen Überblick über die Aufgaben der einzelnen Abteilungen, Einnahmen und Ausgaben der Geschäftsstelle. So bestimmt beispielsweise eine rasant ansteigende Zahl von Einsprüchen gegen Retaxationen den Arbeitsalltag in den Abteilungen "Recht" sowie "Taxation und Krankenkasse". Personal und Ressourcen müssen diesem Arbeitsaufwand angepasst werden. Die Mitgliederversammlung erteilte dem Schatzmeister Entlastung für das zurückliegende Haushaltsjahr und genehmigte einstimmig den Haushalt für 2008.

Mehr zertifizierte Qualität

Die Partner der Apotheken im Gesundheitssystem legen immer mehr Wert auf zertifizierte Qualität. Deshalb helfen Verband und Kammer den Apotheken bei der Einführung eines Qualitätsmanagementsystems und der Zertifizierung. Becker forderte seine Kolleginnen und Kollegen auf: "Lassen Sie in Ihrer Qualität nicht nach und animieren Sie ihr Team!"

Abschließend bedankte Becker sich bei Christoph Gulde, der sich seit 1991 als Vorsitzender der Region Stuttgart und von 1996 bis 2007 als Vorstandsmitglied des Verbands engagiert hatte. Sein Nachfolger im Vorstand ist der Laupheimer Apotheker Andreas Buck.

Der Vorstand in seiner Gesamtheit wurde von der Mitgliederversammlung entlastet.


Quelle: LAV Baden-Württemberg

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