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Psychische Störungen auf dem Vormarsch

BERLIN (ks). Die Akutkrankenhäuser verzeichneten im vergangenen Jahr erstmals mehr Behandlungstage unter der Diagnose "psychische Störung" als für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das geht aus dem "Report akut-stationäre Versorgung 2008" der Gmünder Ersatzkasse (GEK) hervor. Der vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) erstellte Report wurde am 14. Juli in Berlin vorgestellt. Schwerpunkt der Studie ist die Versorgung von Kindern.

Der Bericht wertet die Routine-Daten der GEK-Versicherten nach Verteilung der Behandlungsanlässe, Fallzahlen und Verweildauer aller Krankenhauspatienten aus. Erfasst sind damit 1,9 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung, so dass von einer Repräsentativität auszugehen ist. So bestätigt der aktuelle Report auch bundesweit zu beobachtende Trends: Während die Verweildauer in Krankenhäusern immer kürzer wird, steigen die Fallzahlen. Dauerte der durchschnittliche Aufenthalt in einer Klinik 1992 noch 13 Tage, waren es 2007 nur noch 8,8 Tage. Die Zahl der Krankenhausfälle stieg dagegen 2007 auf 179 Krankenhausfällen je 1000 Versicherte (2006: 175).

Gleichzeitig stellt der Report fest, dass psychische Erkrankungen zunehmend in den Vordergrund rücken. Für beide Geschlechter finden sich mehr Behandlungstage unter der Hauptdiagnose von psychischen Störungen als unter Diagnosen von Krankheiten des Kreislaufsystems. Männer blieben wegen einer solchen Diagnose durchschnittlich 19,7 Tage im Krankenhaus, Frauen 24,7 Tage. Bei allen anderen Diagnosen lag die durchschnittliche Verweildauer bei weniger als zehn Tagen. Die Fallzahlen sind allerdings nach wie vor bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen am höchsten, gefolgt von Krankenhausaufenthalten im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt.

Kinder: Immer öfter Magen-Darm-Infekte

Seinen Schwerpunkt legt der diesjährige GEK-Report auf die Routineversorgung von Kindern. Zu den drei häufigsten Anlässen für einen Klinikaufenthalt von Kindern im Alter zwischen einem und 14 Jahren zählten Verletzungen, Magen-Darm-Infektionen und chronische Mandelentzündungen. Auf diese drei Diagnosen entfallen ein Drittel aller Krankenhausaufenthalte von Kindern. Auffällig ist jedoch, dass die Fallzahlen von Kindern mit Verletzungen in den letzten 18 Jahren stabil geblieben sind (zwischen 108 und 124 Behandlungsfälle pro 10.000 Kinder), sich die Krankenhausaufenthalte von Kindern mit Magen-Darm-Infekten jedoch versechsfacht haben (von 14 auf 90 Fälle pro 10.000 Kinder). ISEG-Autorin Dr. Eva-Maria Bitzer geht von einer Überversorgung aus: "Der Anstieg ist auch deshalb bedenklich, weil Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern in den allerwenigsten Fällen tatsächlich eine stationäre Krankenhausbehandlung erfordern." Gründe für den starken Anstieg der Fallzahlen könnten Bitzer zufolge ambulante Defizite und Vergütungsunterschiede sein.

Eltern fühlen sich schlecht informiert

Trotz einer letztlich guten Versorgungsqualität für die Kinder, fühlen sich Eltern in den Klinken oftmals nur mangelhaft informiert und in die Entscheidungsprozesse eingebunden. Dies zeigte eine Eltern-Befragung im Rahmen des Reports. Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Schwartz, ebenfalls ISEG-Autor, vermutet den hohen wirtschaftlichen Druck der Krankenhäuser als Grund hierfür. Durch ihn würden möglicherweise "die kommunikativen und ethisch-rechtlichen Aspekte der Arzt-Patient-Eltern-Beziehung zu Gunsten einer technischen, allein an der medizinischen Qualität ausgerichteten Vorgehensweise" vernachlässigt.

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