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Neuer Anlauf

Thomas Müller-Bohn

Um das Qualitätsmanagement in Apotheken war es etwas ruhig geworden. Doch kürzlich ist wieder neues Leben in die Apotheken-QMS-Landschaft eingekehrt, zunächst mit dem Pflicht-QMS in Westfalen-Lippe und dann mit dem BAK-Beschluss für ein bundeseinheitliches Apotheken-QMS. Dies war eigentlich schon im Februar beschlossen worden. Daraufhin hatten die Länderkammern Gelegenheit zu prüfen, welche Anpassungen bei ihnen jeweils nötig sind. So dürften dem erneuten Beschluss nun wohl Taten folgen. Im Mittelpunkt des Systems stehen die Leitlinien der BAK und damit die pharmazeutischen Inhalte. Mit dem bundeseinheitlichen Vorgehen wird das QMS nicht neu erfunden, kein zertifizierter Apotheker muss sein Handbuch neu erstellen, aber in einigen Ländern wird es bei der nächsten Rezertifizierung zusätzliche Anforderungen geben. Auch die Zuständigkeit der Länderkammern und die landesspezifischen Wege zum Zertifikat bleiben erhalten, die Bundeseinheitlichkeit wird durch verbindliche Mindestanforderungen gewahrt. Die Freude der Beteiligten über die sicher schwierige und letztlich erfolgreiche Koordination der Kammern mit ihren vielen Einzelmeinungen ist sicher berechtigt. Die neue Vorgehensweise darf aber nicht als Überlegenheit gegenüber dem bisherigen föderalistischen Konzept missverstanden werden. Denn ohne die jahrelange mühsame Arbeit auf Landesebene gäbe es heute nichts, was unter einem gemeinsamen Dach zu verbinden wäre. Außerdem wird die praktische Arbeit mit dem System weiterhin Ländersache bleiben.

Ändern wird sich dagegen die Vermarktung der Kammerzertifizierungen. Wie gut ein solches bundeseinheitliches Vorgehen ankommt, hat sich schon am Tag nach der öffentlichen Ankündigung der ABDA gezeigt, als etliche Zeitungen das Thema aufgriffen und über ein neues Qualitätssiegel der Apotheker berichteten. Das zeigt wieder einmal, was das Vorgehen auf Bundesebene und die richtige Kommunikation bewirken können. Mancher Leser mag dabei leider denken, die Apotheker würden sich erst jetzt um Qualität bemühen, wohlmöglich als Reaktion auf die Stiftung Warentest. Wer die Geschichte des QMS in Apotheken kennt, kann dabei schon etwas traurig werden. Denn die intensive Arbeit auf Länderebene ist kaum je in den Publikumsmedien gewürdigt worden. Sogar bei den Krankenkassen musste immer wieder erläutert werden, für welche Inhalte das System steht. Auch ohne die pharmazeutisch inhaltsleeren, aber von Fachfremden immer wieder gerne zitierten ISO-Normen sind die Kammerzertifikate dort zwar stets akzeptiert worden, aber eben oft erst nach Erläuterung. Nun sollen die Kammerzertifikate mit dem neuen BAK-Siegel zu einer bekannten Marke werden. Dabei sollen auch die Apothekerverbände mithelfen, die bisher wenig dazu beigetragen haben, das QMS-Logo der Apotheken bei ihren Vertragspartnern auf Krankenkassenebene bekannt zu machen. Auch hier soll die Bundeseinheitlichkeit zum Schlüssel für den Erfolg werden.

Im Interesse aller Apotheker ist diesem Vorhaben Erfolg zu wünschen, doch dazu gehört auch der Einsatz der Apotheker selbst. Viele haben das Qualitätsmanagement bereits als Weg zur Optimierung der Organisation und zur Sicherung der pharmazeutischen Ergebnisqualität erkannt, manche halten es leider immer noch für reine Bürokratie und übersehen die strukturellen Änderungen für jeden Arbeitsablauf. Doch das größte Hindernis dürften die wirtschaftlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen sein. Wer stündlich gegen Rabattvertrags-Irrsinn kämpft, kann leicht die Kraft für zukunftsweisende Veränderungen verlieren. Und in einer Gesellschaft, die ihr Gesundheitswesen mit Blick auf Centbeträge optimiert, muss auch die Frage erlaubt sein, ob das Bemühen um Qualität ernsthaft gewollt ist und vielleicht sogar honoriert wird. In einem solchen Umfeld vergrößern Pflichtregelungen den Frust, aber wohl kaum die Einsicht in die Vorteile eines QMS. Gleichwohl sind die neuen Anläufe für das Apotheken-QMS nicht nur pharmazeutisch, sondern auch politisch klug. Denn nach diversen Regelungen für Krankenhäuser und Ärzte ist das gesetzliche Pflicht-QMS für Apotheken ohnehin nur eine Frage der Zeit. Vielleicht ist das Apotheken-QMS bis dahin eine Selbstverständlichkeit und es tritt ein, was sich die BAK vom QMS verspricht: dass nachprüfbare Qualität jeden Tag und in allen Apotheken stattfindet und die Stiftung Warentest beim nächsten Anlauf keinen Stoff für negative Schlagzeilen über Apotheken mehr finden kann.


Thomas Müller-Bohn

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