Arzneimittel und Therapie

Cannabisrauchen schädigt das Zahnfleisch

Bekannt ist, dass Tabakkonsum das Risiko für Zahnfleischerkrankungen erhöht. In einer kürzlich veröffentlichten neuseeländischen Studie fand man auch bei jungen Erwachsenen, die gelegentlich oder regelmäßig Cannabis rauchen, eine erhöhte Inzidenz und Prävalenz von Parodontitis.

Zahnfleischerkrankungen wie Parodontitis sind in den Industrieländern nach Karies die zweithäufigste Ursache für Zahnverlust. Bisher vertraten Experten die Ansicht, dass Parodontitis in den meisten Fällen erst im mittleren Erwachsenenalter – also etwa beginnend mit dem 35. Lebensjahr – auftritt, obwohl es keine epidemiologischen Studien zu dieser Problematik gab.

Neue Studiendaten zur Parodontitis-Inzidenz

Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass Zahnfleischerkrankungen zunehmend auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen verbreitet sind. Als Risikofaktoren identifizierte man in diesen Studien vor allem ungesunde Ernährung, Fettsucht, einen gestörten Glucosestoffwechsel und Tabakrauchen. Entgegen früheren Vermutungen konnte man dagegen keinen Zusammenhang zwischen vermehrtem Zahnbelag und der Parodontitis-Inzidenz finden.

Studie in Neuseeland

Eine kürzlich veröffentlichte Studie lieferte zusätzlich Hinweise darauf, dass auch gelegentliches und vor allem regelmäßiges Cannabisrauchen das Risiko für Zahnfleischerkrankungen erhöht. Für diese Kohortenstudie waren die Geburtsjahrgänge 1972/73 einer Klinik in Dunedin, Neuseeland (insgesamt 1015 Teilnehmer) rekrutiert worden, wobei die Daten von 903 Teilnehmern (89%) für die Auswertung verwendet werden konnten. Die Familien stammten aus allen sozialen Schichten; über 90% von ihnen waren europäischer Herkunft. Die Studienteilnehmer wurden im Alter von 18, 21, 26 und 32 Jahren zu ihrem Tabak- und Cannabiskonsum befragt. Außerdem führte man im 26. und 32. Lebensjahr eine gründliche zahnärztliche Untersuchung durch. Dabei konzentrierte man sich vor allem darauf, wieviel Zahnbelag die Teilnehmer hatten und wie der Zustand ihres Zahnfleisches war. Man verwendete dafür eine in der Zahnmedizin übliche standardisierte Messmethode, nämlich die Bestimmung des klinischen Attachmentniveaus (combined attachment loss, CAL), bei der an ausgewählten Zähnen der Zahnfleischschwund in Millimetern ermittelt wird.

Hohe Inzidenz bei häufigem Cannabisrauchen

Die Studienteilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt: Teilnehmer, die kein Cannabis konsumierten (n = 293, 32%), Personen, die gelegentlich (das heißt zwischen ein- und 40-mal pro Jahr) einen Joint rauchten (n = 428, 47%), sowie Personen mit regelmäßigem Konsum (mehr als 41 Joints pro Jahr, n = 182, 20%).

Im Alter von 32 Jahren hatten 265 Studienteilnehmer (29%) mindestens an einer Zahnseite einen Zahnfleischschwund von mindestens 4 mm, bei 111 Teilnehmern (12%) betrug dieser mindestens 5 mm. Es fand sich ein enger Zusammenhang zwischen der Parodontitis-Inzidenz und -Prävalenz und dem Cannabiskonsum (siehe Tabelle), das Geschlecht und der sozioökonomische Status waren ohne Einfluss. Zwar waren die Teilnehmer mit dem höchsten Cannabis-Konsum auch häufiger Raucher als Nichtraucher, dennoch war dies ein unabhängiger Risikofaktor. Die Autoren der Studie sahen es als besonderen Vorteil für die Verlässlichkeit ihrer Daten an, dass in Neuseeland bei der Herstellung von Joints üblicherweise kein Tabak beigemischt wird.


Abhängigkeit der Parodontitis-Inzidenz und -Prävalenz vom Cannabiskonsum
Cannabisrauchen
Prävalenz in % (im Alter von 32 Jahren)*
Inzidenz in % (zwischen 26. und 35. Lebensjahr)*
mindestens eine Zahnseite mit ≥ 4 mm Zahnfleischschwund
mindestens eine Zahnseite mit ≥ 5 mm Zahnfleischschwund
Neuauftreten von mindestens einer Zahnseite mit ≥ 3 mm Zahnfleischschwund
nie
17,7
3,8
6,5
gelegentlich1
28,0
12,1
11,2
regelmäßig2
51,1
26,4
23,6

* p < 0,05 bzw. 0,001
1 1 bis 40 Joints pro Jahr
2 mehr als 41 Joints pro Jahr

 

Mechanismen sind noch ungeklärt

Welche Faktoren für das höhere Parodontitis-Risiko bei Cannabisrauchern verantwortlich sind, ist noch nicht ausreichend untersucht. Beim Tabakrauchen nimmt man an, dass Nicotin und andere toxische Bestandteile des Tabakrauchs negativ auf die Immunfunktion und die Entzündungsregulation im Zahnfleisch wirken. Welche der über 400 Inhaltsstoffe von Cannabis für die beobachteten negativen Auswirkungen verantwortlich sind, ist noch unklar.

 

Quelle

Thomson, W. M., et al.: Cannabis smoking and periodontal disease among young adults. JAMA 299(5), 525–531 (2008).

Hujoel, P. P.: Destructive periodontal disease and tobacco and cannabis smoking. JAMA 299(5), 574–575 (2008).

 


Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

 

 

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