Arzneimittel und Therapie

Verkürzte Behandlungsdauer zugelassen

Die Europäische Kommission hat einen verkürzten 16-wöchigen Behandlungszyklus mit Peginterferon alfa-2a (Pegasys®) plus Ribavirin (Copegus®) für Patienten mit chronischer Hepatitis C zugelassen, die durch die Virusstämme Genotyp 2 oder 3 verursacht wird, wie die Roche Pharma AG mitteilte.

Voraussetzung ist eine niedrige Viruslast vor Beginn der Behandlung sowie ein rasches virologisches Ansprechen unter Therapie (Virusfreiheit nach vier Wochen Therapie). Bisher erhielten die Patienten mit Hepatitis C (HCV) vom Genotyp 2 oder 3 eine 24-wöchige Therapie mit Peginterferon alfa-2a/Ribavirin – unabhängig von ihren Viruskonzentrationen im Blut und ihrem Ansprechen auf die Behandlung.

Konstante Wirkstoff­spiegel durch Pegylierung

Peginterferon alfa-2a wird bei Patienten mit chronischer Hepatitis C am besten in Kombination mit dem synthetischen Nukleosid-Analogon Ribavirin angewendet. Diese Kombination ist sowohl bei unvorbehandelten Patienten indiziert als auch bei Patienten, die vorher auf eine Therapie mit Interferon alfa angesprochen und nach Absetzen der Therapie einen Rückfall erlitten haben. Interferon alfa-2a wird mit bis-[Monomethoxy-Polyethylenglykol] (PEG) bis zu einem Substitutionsgrad von einem Mol Polymer/Mol Eiweiß konjugiert. Das durchschnittliche Molekulargewicht beträgt etwa 60.000. Das große verzweigtkettige PEG-Molekül soll konstante Arzneimittelkonzentrationen über einen Zeitraum von einer Woche gewährleisten. Durch die so verlängerte Wirksamkeit muss PEG-Interferon im Unterschied zum früher verwendeten nicht-pegylierten Interferon alfa nur noch einmal pro Woche verabreicht werden.


Das Hepatitis-C-Virus (HCV) ist ein lineares, einsträngiges umhülltes RNA-Virus. Es weist eine ausgeprägte genetische Variabilität auf. Bisher wurden sechs Genotypen und ca. 30 Subtypen beschrieben.

Nach Angaben der WHO sind etwa 170 Millionen Menschen chronisch infiziert. In Deutschland wird die Zahl auf ca. 275.000 Virusträger geschätzt.

Der Mensch ist der einzige bekannte natürliche Wirt des Hepatitis-C-Virus. Gesichert ist eine Übertragung auf parenteralem Weg durch Kontakt zu kontaminiertem Blut. Je nach Viruskonzentration im Blut kann HCV auch in anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Schweiß, Tränen und Sperma nachweisbar sein. Eine sexuelle Übertragung kann nicht ausgeschlossen werden. Grundsätzlich besteht eine Ansteckungsfähigkeit, solange das Virus im Blut vorhanden ist. Sie kann bereits mehrere Wochen vor Auftreten der ersten Symptome beginnen und bleibt bei den meisten Personen auf Dauer erhalten. Bei etwa 75% der Betroffenen verläuft die Infektion ohne auffällige klinische Symptomatik oder geht mit nur unspezifischen Symptomen einher. Etwa 25% der Infizierten entwickeln eine akute, milde Hepatitis, fulminante Verläufe sind sehr selten. 50 bis 85% der Infektionen gehen in chronische Formen über, die klinisch häufig uncharakteristisch und mild verlaufen. Die Zeitdauer von der Infektion bis zum Vollbild der Zirrhose kann 20 bis 30 Jahre betragen.

Eine akute Hepatitis C kann durch eine frühzeitige 24-wöchige Interferon-Monotherapie in nahezu allen Fällen geheilt werden. Im Fall einer churonischen HCV-Infektion gilt als Standardtherapie derzeit die Behandlung mit pegyliertem Interferon alfa in Kombination mit Ribavirin. Eine Schutzimpfung gegen Hepatitis C steht bisher nicht zur Verfügung.


Quelle: Hepatitis C. Ratgeber des Robert Koch-Instituts Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte, Stand 2004.



Die Zulassungserweiterung stützt sich auf die Daten mehrerer Studien, in denen eine kürzere Behandlungsdauer bei Patienten mit schnellem Ansprechen auf Peginterferon alfa-2a/Ribavirin zu hohen Heilungsraten führte, die ähnlich hoch sind wie bei der bisher zugelassenen 24-wöchigen Therapie. Eine Studie zur Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit einer 16-wöchigen verglichen mit der 24-wöchigen Behandlung mit Peginterferon alfa-2a/Ribavirin bei Patienten, die mit dem HCV-Genotyp 2 oder 3 infiziert sind, zeigte, dass bei einer ähnlichen Zahl von Patienten (82% bzw. 90%) eine Heilung erreicht wurde. Bei Patienten mit niedrigen Viruskonzentrationen vor der Behandlung und raschem virologischen Ansprechen waren die Heilungsraten für die 16- und die 24-wöchige Therapie im Wesentlichen gleich (89% bzw. 94%).

Roche gab außerdem den Beginn einer Studie bekannt, die untersucht, ob bei den mit dem HCV-Genotyp 2 oder 3 infizierten Patienten, die nach vier Wochen kein schnelles virologisches Ansprechen zeigen, die Behandlung mit Peginterferon alfa-2a und Ribavirin auf 48 Wochen verlängert werden sollte. In diese weltweite Studie werden etwa 400 Patienten an 90 Zentren in sieben Ländern aufgenommen.


Quelle

EU-Zulassung für kürzere Behandlungsdauer mit Pegasys (Hepatitis C), Pressemitteilung, 26. Juni 2008.

Fachinformation Pegasys, Stand November 2007.


ck

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