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GKV-Spitzenverband nimmt Arbeit auf

BERLIN (ks). Zum 1. Juli hat der neue Spitzenverband Bund der Krankenkassen die bisherigen sieben Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen abgelöst. Er ist ab sofort für die Interessenvertretung der GKV auf Bundesebene zuständig und wird der wichtigste Ansprechpartner für die Institutionen der Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser sowie von Politik, Wissenschaft und Medien sein. Der Name, der ihm durch das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz gegeben wurde, ist dem Verband allerdings zu sperrig. Er nennt sich selbst schlicht GKV-Spitzenverband.

Der Gesetzgeber wollte mit der Bildung des neuen GKV-Spitzenverbands dafür sorgen, dass Handlungsblockaden vermieden und Entscheidungsabläufe gestrafft werden. Während des Gesetzgebungsprozesses hatten die Kassenverbände bis zuletzt gegen die Neuorganisation gekämpft. Nachdem klar war, dass dieser Kampf vergeblich ist, haben sich die Kassen jedoch auf die Neuregelungen eingelassen und die nötigen Vorbereitungsarbeiten vollzogen. Nun kann die Arbeit starten. Der GKV-Spitzenverband ist Verhandlungspartner für alle kollektivvertraglichen Entscheidungen und zuständig für sämtliche zwingend einheitlich zu treffenden Maßnahmen auf Bundesebene – insgesamt 166 Aufgaben fallen ihm eigenen Angaben zufolge zu. So obliegt ihm etwa die Festbetragsfestsetzung und die Vorgabe für Vergütungsverhandlungen und Arzneimittelvereinbarungen auf Landesebene. Der Verband ist Mitglied im Gemeinsamen Bundesausschuss und Vertragspartner des Bundesmantelvertrages. Er unterstützt zudem die Krankenkassen und ihre Landesverbände bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, ist zuständig für den Datenaustausch im Rahmen des Risikostrukturausgleichs und soll ab dem 1. Januar 2011 für eine bundeseinheitliche Praxis beim Beitragseinzug für den Gesundheitsfonds sorgen.

Dreiköpfiger Vorstand

An der Spitze dieser neuen Körperschaft öffentlichen Rechts steht ein hauptamtlicher Vorstand, dem drei Mitglieder angehören: Doris Pfeiffer (Vorsitzende), Johann Magnus von Stackelberg (Vizevorsitzender) und K.-Dieter Voß. Pfeiffers Vorstandsbereich umfasst die Abteilungen Systemfragen, Telematik/IT-Systemfragen und Medizin sowie die Stabsbereiche Politik, Presse, Selbstverwaltung und Justiziariat. Von Stackelberg unterstehen die Abteilungen Ambulante Versorgung, Krankenhäuser und Arznei- und Heilmittel sowie der Stabsbereich Datenanalyse. Der Vorstandsbereich von Voß umfasst die Abteilungen Gesundheit, Zentrale Dienste und die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland. Die Abteilung Arznei- und Heilmittel leitet der Apotheker Wolfgang Kaesbach, der diese Aufgabe zuvor beim BKK-Bundesverband erfüllt hatte.

Alle nicht gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben, mit denen sich die Kassen im Wettbewerb untereinander profilieren können, liegen grundsätzlich weiterhin in der Gestaltungsfreiheit der Kassen. Sie können diese auch auf kassenartbezogene Verbände oder Unternehmen übertragen. Dazu gehören z. B. Rabattverträge mit der Pharmaindustrie oder Sonderverträge mit den Hausärzten.

Weitere Informationen zum neuen Spitzenverband finden Sie im Internet unter www.gkv-spitzenverband.de.


Verbands-Chefin Dr. Doris Pfeiffer

Die GKV-Chefin

Nun ist es offiziell: Dr. Doris Pfeiffer ist die mächtigste Frau der gesetzlichen Krankenversicherung. Diese Woche hat der neue GKV-Spitzenverband seine Arbeit aufgenommen – und Pfeiffer steht als Vorstandsvorsitzende an seiner Spitze. Die heute 48-Jährige studierte Volkswirtschaft und startete ihre Kassen-Karriere 1989 beim AOK-Bundesverband als Referentin für Ordnungspolitik. Nach einem kurzen Intermezzo bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft wechselte sie 1992 zum Verband der Angestellten-Krankenkassen e. V. (AEV), wo sie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Verbandspolitische Grundsatzfragen tätig war. Von 1995 bis 2003 war sie im AEV Abteilungsleiterin Verbandspolitik/Marktsicherung/Öffentlichkeitsarbeit. Anschließend wurde sie Vorstandsvorsitzende des Verbands. Seit Januar 2001 ist sie zudem an der Fachhochschule Oldenburg, Wilhelmshaven/Emden Lehrbeauftragte für den Public Health Weiterbildungsstudiengang. Bereits vor einem Jahr wurde sie in ihre neue Position als Vorstandschefin des neuen Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen gewählt.

Bevor die Neuorganisation beschlossen wurde, war Pfeiffer eine der großen Kämpferinnen gegen das Reformwerk der Großen Koalition – nicht zuletzt war ihr der Verband, dem sie nun vorsitzt, ein Dorn im Auge. Verhindern konnten die Kassen das Gesetz nicht. Nun müssen sie sich mit ihm arrangieren – die neue mächtige Position mag Frau Pfeiffer die nun anstehenden Aufgaben versüßen.

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