Arzneimittel und Therapie

Prädiktive Aussagekraft des HDL-Wertes

Die Post-hoc-Analyse einer großen amerikanischen Studie zeigt, dass HDL-Werte unter einer Statin-Therapie eine prädiktive Aussagekraft für das Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse aufweisen. Diese Beziehung besteht auch bei Vorliegen sehr niedriger LDL-Werte.

HDL(high density lipoprotein)-Werte sind Prädiktoren für das Risiko kardiovaskulärer Komplikationen: Je höher der HDL-Wert, umso geringer ist das Risiko, ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden. So ist ein Anstieg des HDL-Wertes um 1 mg/dl mit einer 2 bis 3%igen Risikosenkung für ein kardiovaskuläres Ereignis assoziiert. Auch der LDL(low density lipoprotein)-Wert besitzt einen prädiktiven Aussagewert. Hier ist die Beziehung allerdings umgekehrt proportional und eine Reduktion des LDL-Wertes ist mit einer Risikoabnahme für kardiovaskuläre Komplikationen verbunden. Eine Reduktion des LDL-Wertes um 40 mg/dl korrespondiert mit einer bis zu 24%igen Risikoreduktion. Unbekannt ist bislang, ob sehr niedrige LDL-Werte auch die Assoziation zwischen dem HDL-Wert und kardiovaskulären Ereignissen beeinflussen. Um diese Frage zu beantworten, wurde eine Post-hoc-Analyse der vor Kurzem abgeschlossenen TNT-Studie (= Treating-to-New-Target-Studie) durchgeführt.

Post-hoc-Analyse

Für die nachträgliche Analyse wurden die Daten von 9770 Patienten herangezogen, um die prädiktive Aussagekraft der HDL-Werte einzuschätzen. Die Patienten der TNT-Studie hatten aufgrund einer koronaren Herzkrankheit Statine erhalten, um die LDL-Werte zu senken. Der primäre Studienendpunkt war die Zeit bis zum Auftreten eines kardiovaskulären Ereignisses (Tod durch koronare Herzkrankheit, nicht tödlich verlaufender Myokardinfarkt, Reanimation nach Herzstillstand oder tödlicher und nicht tödlicher Schlaganfall). Mithilfe der in der TNT-Studie gesammelten Resultate wurden nun diverse Analysen vorgenommen, um die prädiktive Potenz der HDL- und LDL-Werte einzuschätzen. Dazu wurde die prädiktive Beziehung zwischen dem HDL-Wert drei Monate nach Therapiebeginn mit Statinen und dem Zeitpunkt bis zum Auftreten der ersten kardiovaskulären Komplikation ermittelt. Des Weiteren wurde die prädiktive Aussagekraft des LDL-Wertes errechnet, wobei insbesondere die Daten der Patienten mit sehr niedrigem LDL-Wert (unter 70 mg/dl) berücksichtigt wurden.

Prädiktive Aussagekraft des HDL-Wertes

Der HDL-Wert der Patienten, die Statine erhalten hatten, besaß eine prädiktive Aussagekraft im Hinblick auf das Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse. Die Aussagekraft war bei jedem HDL-Niveau signifikant. Berücksichtigt die Analyse die Stratifizierung des LDL-Wertes unter der Statintherapie, ist die Korrelation zwischen dem HDL-Wert und dem Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse grenzwertig signifikant (p = 0,05).

Unter den Probanden mit niedrigen LDL-Werten (unter 70 mg/dl) zeigten Patienten mit höheren HDL-Werten ein geringeres Risiko für das Auftreten eines kardiovaskulären Ereignisses als Probanden mit niedrigen HDL-Werten.


Quelle

Barter, P.; et al.: HDL Cholesterol, very low levels of LDL Cholesterol, and cardiovascular events. N. Engl. J. Med. 357, 1301-1310 (2007).


Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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