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Kostenanstieg durch Mehrverordnungen

BERLIN (ks). In diesem Jahr präsentierte erstmals der neue Vorstandschef der Gmünder Ersatzkasse, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, den aktuellen GEK-Arzneimittelreport. Wie sein Vorgänger Dieter Hebel in den Jahren zuvor ist auch Schlenker hoch besorgt über die Ausgabenentwicklung bei Arzneimitteln. Um acht Prozent pro Mitglied wuchsen die Medikamentenausgaben 2007 bei seiner Kasse, in den ersten fünf Monaten 2008 waren es laut Schlenker bereits knapp zehn Prozent – vor allem ist dies eine Folge höherer Verordnungsmengen. Nicht in der Rechnung berücksichtigt sind jedoch die Rabattverträge.

Die Ausgabensteigerung sei ein "nicht hinnehmbarer Zustand", betonte Schlenker bei der Vorstellung des Reports am 24. Juni in Berlin. Notwenig seien wirksame Kostenbremsen. Theoretisch stehen die Instrumente bereits zur Verfügung – insbesondere die Kosten-Nutzenbewertung sowie das Zweitmeinungsverfahren. Doch diese neuen Verfahren kommen bislang nur schleppend in Gang. Schon mögliche Preisvereinbarungen zwischen Herstellern und Krankenkassen, insbesondere auch Rabattverträge, sieht der GEK-Chef mit gemischten Gefühlen. Originäre Direktverträge lehnt er schon wegen der zu erwartenden Intransparenz und des großen Aufwandes ab. Rabattverträge seien zwar grundsätzlich auch nach dem Geschmack einer schwäbischen Krankenkasse – allerdings dürften sie nicht dazu führen, dass das Festbetragssystem ausgehöhlt werde, betonte Schlenker. Zudem sieht er in den Verträgen die mögliche Ursache dafür, dass 2007 die Verordnungsmengen deutlich zunahmen. Bei der GEK stieg die Zahl der verordneten Tagesdosen (DDD) um 10,9 Prozent. Insgesamt wurden rund sechs Prozent mehr Packungen verordnet – folglich gingen vor allem Großpackungen immer häufiger über den HV-Tisch. Der wissenschaftliche Leiter der Studie, Professor Gerd Glaeske, sieht nach wie vor enormes Einsparpotenzial bei den Arzneimittelausgaben. Auch wenn die Verordnung der berüchtigten Me Toos beständig abnimmt, rund 12,3 Mio. Euro könnten nach den Berechnungen seines Autoren-Teams hier noch gehoben werden. Im Generikabereich sind Glaeske zufolge nochmals 12,1 Mio. Euro drin, das ungenutzte Sparpotenzial bei Reimporte beziffert er auf 4 Mio. Euro. Hochgerechnet auf die GKV könnte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt der Ärzteschaft guten Gewissens 2,5 Mrd. Euro zusätzliches Honorar versprechen, meint Glaeske – vorausgesetzt, diese setzen seine Spartipps konsequent um.

Caspers-Merk verteidigt Sparinstrumente-Vielfalt

Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk (SPD), würdigte den aktuellen GEK-Arzneimittelreport: Er gebe einen wichtigen Einblick in die Versorgungsrealität – und sich um eine gute Versorgung ihrer Versicherten zu kümmern, werde für die Kassen immer wichtiger, zumal wenn im kommenden Jahr der Gesundheitsfonds startet und sich die Höhe der den Kassen zugewiesenen Gelder auch nach dem Krankheitszustand der Versicherten berechnen wird. Eine solche Datentransparenz wünscht sich die Staatssekretärin auch von anderen Kassen. Doch deren Spitzenverbände hätten es jahrelang verschleppt, die gesetzlich vorgesehene Arbeitsgemeinschaft für Datentransparenz einzurichten. "Ich fordere den neuen Spitzenverband Bund auf, diesen gesetzlichen Auftrag nun endlich umzusetzen", betonte Caspers-Merk. Die Daten würden dringend als Informationsgrundlage für eine bessere und wirtschaftlichere Versorgung der Patienten gebraucht. Die Staatssekretärin verteidigte überdies das Nebeneinander diverser ordnungspolitischer und wettbewerblicher Maßnahmen im Arzneimittelbereich. Wer fordere, die einen zugunsten der anderen zu streichen, könne zu leicht einige Besonderheiten übersehen. So zeige sich etwa derzeit, dass Rabattstrukturen offenbar nicht ohne eine Mengensteuerung funktionierten. Bevor man sich entscheide, einzelne Maßnahmen aufzugeben, müsse man genau hinsehen und diskutieren, wo die kritischen Schnittstellen liegen und wie sie zu glätten sind, erklärte Caspers-Merk.

Mit Apotheken im Gespräch

Übrigens: Das Loblied über die Versandapotheken durfte auch beim neuen Chef der GEK nicht fehlen. Bei acht Prozent liegt der Versandanteil der GEK – so eine hohe Quote kann Schlenker zufolge keine andere Kasse aufweisen. Keinerlei Verständnis hat er daher für die von Bayern und Sachsen beabsichtigte Bundesratsinitiative, mit der der Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln wieder verboten werden soll. Dennoch: Auch die GEK entdeckt neben den Versendern offenbar wieder die Apotheke vor Ort. Schlenker erklärte, dass seine Kasse derzeit mit der ABDA und dem Apothekerverband Baden-Württemberg in Verhandlungen über ein Versorgungsmodell stehe, mit dem die Versicherten stärker von der Beratungskompetenz der Apotheker profitieren sollen. Geht es nach der GEK, soll das Projekt noch in diesem Jahr startbereit sein.

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