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Knapp über der Armutsgrenze

In Deutschland beträgt der Abstand der durchschnittlichen Stundenlöhne von Frauen und Männern rund 22 Prozent. Das zeigt sich auch an den Gehältern in öffentlichen Apotheken. Ohne staatliche Sozialtransfers wie Kindergeld würden viele PKA und PTA sogar unter die Armutsgrenze fallen.

Und Besserung ist nicht in Sicht. Denn die Tarifverhandlungen über einen neuen Gehaltstarifvertrag im Apothekenbereich sind ins Stocken geraten, weil die Apothekenleiter die tariflichen Bedingungen sogar noch weiter verschlechtern wollen.

Eine vierköpfige Familie gilt als arm, wenn sie über ein Familieneinkommen von 1640 Euro oder weniger verfügt.* Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte (PKA) im 14. Berufsjahr (höchste tarifliche Eingruppierung) verdienen bei Steuerklasse III und zwei Kindern nur 1456 Euro netto, würden also ohne Kindergeld unter der Armutsgrenze liegen.

In öffentlichen Apotheken arbeiten überwiegend Frauen (85%). Viele von ihnen sind "Zuverdienerinnen", deshalb sind die Gehälter wie bei anderen Frauenberufen immer niedrig gewesen. Da aber immer mehr Frauen den Familienunterhalt allein bestreiten müssen – sei es als Alleinerziehende oder weil der Partner arbeitslos ist –, sind "Zuverdienergehälter" nicht mehr genug.


Tab.: Nettogehälter von PKA und PTA bei einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden (jeweils niedrigste und höchste Tarifgruppierung nach Berufsjahren im derzeit gültigen Tarifvertrag)
brutto
netto
PKA, 1.-2. Berufsjahr, Steuerklasse I, Single
1.497,00 €
1.045,89 €
PKA, 14. Berufsjahr, Steuerklasse III, 2 Kinder
1.852,00 €
1.456,12 €
PTA, 1.-2. Berufsjahr, Steuerklasse I, Single
1.724,00 €
1.163,16 €
PTA, 15. Berufsjahr,
Steuerklasse III, 2 Kinder
2.253,00 €
1.710,19 €
Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Teilzeit-Netto-Rechner 2008

Barbara Neusetzer, Erste Vorsitzende von ADEXA: "Die Spitzenorganisation der Apothekerverbände ABDA brüstet sich in Anzeigen mit der Power von 122.000 Frauen in Apotheken, andererseits werden aber von den Arbeitgebervertretern statt Powerlöhnen tarifliche Hungerlöhne angeboten, die die alte Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern weiter zementieren. Gehälter müssen zu einem auskömmlichen Familienleben oberhalb der Armutsgrenze reichen – auch ohne staatliche Transfers."

ADEXA fordert die Arbeitgebervertreter auf, umgehend mit diskussionswürdigen Angeboten an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Sonst wird sich der Fachkräftemangel in den Apotheken weiter verstärken. Schon jetzt mussten vereinzelt rentable Apotheken geschlossen werden, weil kein qualifiziertes Personal zu finden war.** Gerade junge, engagierte Mitarbeiter wandern in besser bezahlte Branchen oder in Nachbarländer wie die Schweiz ab. Das kann von verantwortungsbewussten Arbeitgebern doch nicht gewollt sein!

 

* Entwurf zum 3. Armutsbericht der Bundesregierung

** Badische Zeitung, 11.3.2008

 

Tanja Kratt ADEXA,
Zweite Vorsitzende

 

 

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