Prisma

Hunger weckt den Kampfgeist

Wenn der Magen knurrt, reagieren die meisten Menschen gereizter als mit gut gefülltem Bauch. Warum das so ist, haben britische Wissenschaftler nun herausgefunden. Sie machen ein Absinken des Serotoninspiegels für eine gesteigerte Aggressivität bei Hunger verantwortlich.

Die Regulation von Hunger und Sättigung ist hochkomplex und erfolgt unter Beteiligung einer Reihe von Neurotransmittern. Unter anderem spielt auch Serotonin hierbei eine Rolle. Sie wurde von einem Team um Molly Crockett von der Universität Cambridge nun näher untersucht. Die Wissenschaftler setzten Versuchspersonen auf eine Diät, die zu einem Absinken der Serotininwerte führte und ließen sie anschließend das sogenannte Ultimatumspiel spielen. Dabei besitzt ein Spieler eine bestimmte Geldsumme, von der er einem anderen Spieler nach eigenem Gutdünken einen Anteil anbietet. Weist das Gegenüber das Angebot als unfair zurück, gehen beide Spieler leer aus, betrachtet er es als fair, bleibt das Geld erhalten und kann weiter "gesetzt" werden.

In der Regel weist die Hälfte aller Spieler Angebote, die weniger als ein Drittel der verfügbaren Geldmenge betragen, als unfair zurück. Bei den Probanden unter "Serotoninmangel" war der Prozentsatz allerdings deutlich höher. Die Forscher schließen daraus, dass Serotonin für die Kontrolle von Emotionen im sozialen Umgang mitverantwortlich ist. Fällt das Serotoninniveau, reagieren Menschen impulsiver und aggressiver als normalerweise. Kluge Strategen sollten bei Verhandlungen daher immer Häppchen für ihr Gegenüber parat halten, um es friedlich zu stimmen.


ral


Quelle: Crockett, M. et al.: Science, Online-Vorabpublikation, DOI: 10.1126/science.1155577

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