Arzneimittel und Therapie

Lubiproston bei Reizdarmsyndrom

Lubiproston bei Reizdarmsyndrom Das Prostaglandin-E-Analogon Lubiproston (vorgesehener Handelsname: Amitizia®) hat Ende April von der US-amerikanischen FDA die Zulassung zur Behandlung des Reizdarmsyndroms mit Obstipation bei erwachsenen Frauen erhalten.
Lubiproston.EPS
Lubiproston

Lubiproston wirkt als selektiver Chloridkanal-Aktivator. Die Substanz bindet im Darm an Chlorid-Kanäle des Subtyps ClC-2, die sich im oberen Teil des Jejunums befinden, und stimulieren die Sekretion von Schleim in den Darm. Als Folge der Bindung öffnen sich die Kanäle, und Chloridionen treten aus den Zellen ins Darmlumen aus. Dadurch wird vermehrt Wasser ins Darmlumen ausgeschieden und der Darminhalt wird flüssiger. Der Stuhl wird weicher und aufgelockerter, spontane Darmbewegungen werden angeregt, Bauchschmerzen und Blähungen nehmen ab.

Gut wirksam bei Obstipation

Ende Januar 2006 erhielt die Firma Sucampo Pharmaceuticals Inc. von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für Lubiproston, zunächst nur zur Behandlung der chronischen, idiopathischen Obstipation bei Erwachsenen. Zur Behandlung der Obstipation wird Lubiproston oral in einer Dosis von zweimal täglich 24 Mikrogramm eingenommen, vorzugsweise zu den Mahlzeiten, um das Auftreten von Übelkeit zu verringern.

Die Wirksamkeit von Lubiproston bei Obstipation wurde in zwei Phase-III-Studien, seine Sicherheit in drei Langzeitstudien untersucht. In den Studien wirkte Lubiproston besser als Placebo, eine anregende Wirkung auf die Darmmotorik trat bei etwa 60% der Patienten innerhalb von 24 Stunden ein und hielt lange an. Auch nach Absetzen der Medikation zeigten sich keine Anzeichen für einen Rebound-Effekt.

Bei klinischen Studien zur chronischen, idiopathischen Obstipation (24 Mikrogramm, oral, Gelkapseln, zweimal täglich) trat als häufigste unerwünschte Nebenwirkung Übelkeit auf (29%). Weitere Nebenwirkungen waren Durchfall (12%), Kopfschmerzen (11%), Bauchschmerzen (8%), Völlegefühl (6%) und Blähungen (6%).

Auch bei Reizdarmsyndrom

Jetzt hat die FDA die Zulassung für Lubiproston auf die Behandlung des Reizdarmsyndroms ausgeweitet. Das Reizdarmsyndrom ist eine Funktionsstörung des Verdauungstrakts mit chronischen Beschwerden wie Bauchschmerzen, Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung und Blähungen. Ein Reizdarmsyndrom tritt typischerweise zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr erstmals in Erscheinung. Für Deutschland geht man von rund fünf Millionen Betroffenen aus, Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Rund ein Drittel leiden unter dem Reizdarmsyndom mit Obstipation.

Zur Behandlung des Reizdarmsyndroms ist die Dosis niedriger als bei Obstipation und liegt bei zweimal täglich 8 Mikrogramm.

Grundlage für die Zulassungserweiterung waren die Ergebnisse von zwei Studien mit 1154 Patientinnen und Patienten (rund 8% waren männlich) mit Reizdarmsyndrom mit Obstipation. In diesen Studien führte Lubiproston im Vergleich zu Placebo über einen Zeitraum von zwölf Wochen zu einer moderaten bis deutlichen Besserung der Symptome.

Unter den Patienten, die Lubiproston erhielten, zeigten fast doppelt so viele eine statistisch signifikante allgemeine Linderung der Krankheitssymptome wie die Patienten unter Placebo-Behandlung (18% vs. 10%;). Jede der Studien zeigte auch alleine die Wirksamkeit von Lubiproston im Vergleich zu Placebo hinsichtlich der allgemeinen Linderung der Krankheitssymptome.

Da die Daten nicht ausreichen, ist Lubiproston bisher nicht für die Anwendung bei Männern zugelassen, ebenso nicht bei Kindern.

Die Sicherheit von Lubiproston wurde in mehreren Studien mit einer Dauer von neun bis 13 Monaten bestimmt. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren auch hier Nausea, Diarrhö und Bauchschmerzen.

In den USA wird AmitizaTM zusammen mit Takeda Pharmaceuticals America vertrieben.


Quelle

www.amitizia.com

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FDA News, 29. April 2008.


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