Länderdossier Schweiz

Eine private Kette auf Expansionskurs

Die Anfänge der Bähler Gruppe gehen bereits auf die Fünfziger Jahre zurück. Gegründet in der heutigen Form wurde das Unternehmen im Jahr 1967 und wird mittlerweile in der dritten Generation geführt. Traditionen pflegen, ohne den Fortschritt aus den Augen zu verlieren – diese Unternehmensphilosophie wird im persönlichen Gespräch mit der Familie Bähler und Vertretern der Geschäftsleitung spürbar und authentisch erlebbar. Wie behauptet sich dieses inhabergeführte Unternehmen im hart umkämpften schweizerischen Markt?

Mit den 38 Filialen, darunter zwölf Apotheken-Drogerien-Kombiläden und drei Drogerien, realisiert die Gruppe einen Umsatz von mehr als 80 Mio. Euro. Auf die Frage, ob die Bähler-Gruppe sich den selbstständigen Apothekern oder den Ketten näher fühlt, antwortet Dr. Blattner, selber Apotheker und einziges Nichtfamilienmitglied in der Geschäftsleitung der Bähler-Gruppe: "Wir verstehen uns mehr als selbstständige Unternehmer denn als Kette. Fast bedauert Dr. Bähler senior die heutige Entwicklung. Für ihn ist der Apothekerberuf ein Beruf, "in den man alles hineingeben und sich entfalten kann". Mit dieser Grundhaltung hat sich deshalb gedanklich auch bei vielen schweizerischen Apothekern und Apothekerinnen die Bähler-Gruppe als "die gute Kette" etabliert, eben diejenigen, die den Beruf des selbstständigen Apothekers unterstützen und in der Schweiz festigen wollen.

So tritt dieses Unternehmen im Markt auch auf. Hohe Autonomie für die Geschäftsleitungen in den Filialen, sehr gutes Category-Management mit einer Positionierung in den Bereichen "Gesundheit, Schönheit und Wohlbefinden" und ein hoher Anspruch an die pharmazeutische Leistungsfähigkeit bei eher zurückhaltender Preispolitik. Experimente und Pilotprojekte sind nicht ihre Domäne, qualitatives Wachstum hat Vorrang vor quantitativem Wachstum und eine Entwicklung Schritt um Schritt mit ausgeprägtem Kostenbewusstsein ist eher Bähler-Stil.

Neue Standorte

Nach welchen Kriterien werden überhaupt neue Standort gesucht, bzw. übernommen? "Wir gehen oft auf Leute zu, die, meist aus Altersgründen, verkaufen möchten. Für unsere Übernahmeentscheidung ist ein Mindestumsatz, mehr noch aber eine Potenzialanalyse wesentlich. Es ist auch schon vorgekommen, dass wir eine Apotheke übernommen und an einen besseren Standort verlegt haben oder aber einen Mitbewerber integriert haben. Wir bevorzugen vor allem gut frequentierte Lagen." Da befindet sich die Gruppe in bester Gesellschaft. Im Kampf um die Bahnhofsfrequenzen heißt der Sparringspartner nicht selten Amavita, im Kampf um die Zentren nicht selten Sun-Store oder Großverteiler wie Migros und Coop. Besonders auffallend jedoch noch: Die Bähler-Gruppe ist als Kette im Markt bisher nicht zu erkennen. Außer dem typischen A der Bähler-Gruppe sucht man vergeblich nach einem weiteren einheitlichen Erkennungsmerkmal. "Wir treten nicht als Kette auf. Hier kommen wieder die Tradition ins Spiel und der Grundsatz ,all business is local’. Wir glauben im Moment noch, dass ein jahrzehntelanger Name und die Bekanntheit vor Ort größeres Gewicht für den Kunden haben und die Identifikation des Teams mit dem Geschäft erhalten bleibt. Ich gebe aber gern zu, dass wir hier ambivalent sind, und eine endgültige Entscheidung für die Zukunft nicht getroffen ist", so Dr. Blattner.

Apotheke und Drogerie

Mit der Entwicklung der letzten zwei Monate könnten sich jetzt die Situation und die Verteilung der Marktmacht ändern. Die "gute Kette" hat den Markt ordentlich aufgerüttelt und die Mehrheit an der Nummer Eins der Drogeriebranche mit einem jährlichen Umsatz von rund 103 Millionen Franken übernommen, der mit 16 Drogerie- Standorten und 52 Franchisenehmern realisiert wird. Mit dem Gesundheitsmarkt liebäugelt die Drogerie-Gruppe schon länger und etabliert mit einer Spezialisierung im Bereich Naturheilmittel und Naturkosmetik das Ladenformat Naturathek. Mit dem bereits erfolgten Umbau einiger Drogerien zu Vitatheken könnten einzelne Filialen künftig sehr unproblematisch als Apotheke und Drogerie geführt werden.


Facts & Figures

Die schweizerische Apotheke in Zahlen
Durchschnittsumsatz 1,6 Mio. Euro, davon Rx 62,9%
Warenaufwand 65,7 %
Gesamtkosten 31 %
davon Personalkosten 20,8 %
Raumkosten 3,4 %
Marge/Spanne 34,3 %*
Rentabilität 3,3 %
Durchschnittsumsatz/Kunde 33,- Euro
Umsatz/Vollzeitstelle 228.000,- Euro

* Preisberechnung im Rx-Bereich, Listen A und B, geringer Aufschlag auf teure Arzneimittel und vice versa, plus 4,30 CHF Medikamenten-Check pro Packung plus 3,25 CHF Bezugs-Check pro Apothekenbesuch für die Dossierführung und Beratung – die Berechnung dieser Taxen wird häufig aus Wettbewerbsgründen nicht erhoben (vgl. Sun Store)


Quelle: Rollende Kostenanalyse, RoKA, pharmaSuisse

Schlanke Strukturen

Die wenig zentralisierten Strukturen der Bähler-Gruppe ermöglichten bisher ein absolutes Lean-Management mit sechs Personen (davon fünf Familienmitglieder) im Führungskader, die meist auch noch operativ in den Filialen vor Ort mitarbeiten, und fünf Mitarbeitern. Mit der Übernahme der Dropa verfügen sie jetzt über eine Managementzentrale mit 30 Mitarbeitern, die in der Vergangenheit wohl eine der bekanntesten Drogerie-Brands der Schweiz positioniert haben. Hat man bei Bähler bisher eher die internen Strukturen durch modernste IT und Automatisierung, unterstützende Präsenz der Geschäftsleitung vor Ort und QMS-Zertifizierungen optimiert, könnte jetzt der Schritt nach außen durch ein gezieltes Branding folgen. So könnte die Bähler-Gruppe ein von Kooperationen erfolgreich genutztes Marketing-Instrument, die Kunden-Journale jetzt sehr schnell realisieren und für gemeinsame Zwecke nutzen. Die Dropa hat immerhin ein Journal mit einer Auflage von fast 450.000 Exemplaren, für die Schweiz eine beachtliche Zahl. Bisher ist lediglich zu hören und zu lesen, dass die beiden Unternehmen sich gut ergänzen und dass mit der Bähler-Gruppe ein Partner gefunden sei, der aus der Branche komme und langfristige Pläne zum Ausbau und zur Weiterentwicklung der Gruppe habe. Nach Aussage von Franklin Schatzmann aus der Bähler Geschäftsleitung ist der Kauf der Aktienmehrheit der Dropa Holding AG ein großer Schritt in eine gemeinsame Zukunft und es werden Synergien in erster Linie im Marketing und in der Warenbeschaffung gesehen. Da ist man sich mit der Dropa wohl einig: Der Vorsitzende der Dropa- Geschäftsleitung, Christian Grütter, bestätigt: "Mittelfristig werden Doppelspurigkeiten beseitigt und Synergien genutzt". Dass mit der Übernahme nun vermehrt Apotheken in Dropa-Drogerien integriert würden, glaubt Grütter nicht.

Bereits vor längerer Zeit hat Dr. Blattner im Gespräch einmal erwähnt, dass die Bähler-Gruppe eine Mindestzahl an Filialen erreichen muss, um eine notwendige Marktmacht für die Verhandlung mit Lieferanten und, falls der schweizweite Einheitsvertrag mit den Krankenkassen nicht verlängert wird, auch gegenüber den Krankenkassen zu haben. Nun scheint die Gruppe diesem Ziel doch schneller näher gekommen zu sein.

Da schau´n mer ´mal, um in Zeiten der EM im Fußballjargon zu bleiben.

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