Arzneimittel und Therapie

Stillen kann die Mutter vor Rheuma schützen

Muttermilch ist nicht nur die optimale Säuglingsernährung, auch die Mutter kann vom Stillen gesundheitlich profitieren, wie eine kürzlich veröffentlichte schwedische Studie gezeigt hat. Bei Frauen, die länger als ein Jahr gestillt hatten, war das Risiko für eine rheumatoide Arthritis signifikant verringert.

Anliegen dieser prospektiven Studie war es zu untersuchen, inwieweit Stillen oder die Einnahme oraler Kontrazeptiva einen Einfluss darauf haben, ob eine Frau an rheumatoider Arthritis erkrankt oder nicht. Die Studienpopulation rekrutierte sich aus der Malmö Diet and Cancer Study mit über 30.000 Teilnehmern zwischen 44 und 74 Jahren.

Stillen halbiert das Risiko für rheumatoide Arthritis

Von den 18.326 Teilnehmerinnen erkrankten 136 Frauen im Studienzeitraum an einer rheumatoiden Arthritis; das mittlere Alter bei Erkrankungsbeginn lag bei 63,3 Jahren. Diese Patientinnen wurden mit 544 gesunden Studienteilnehmerinnen gemischten Alters verglichen. Mithilfe von Fragebögen erhob man Daten zur Einnahme oraler Kontrazeptiva, zum Stillen und zur allgemeinen Lebensführung. Die Auswertung ergab für Frauen, die mindestens 13 Monate gestillt hatten, ein nur etwa halb so großes Risiko für eine rheumatoide Arthritis wie für Frauen, die nie gestillt hatten (Odds ratio 0,46, 95% CI 0,45-1,20). Auch bei Frauen mit einer Stillperiode zwischen einem und zwölf Monaten verringerte sich das Risiko (Odds ratio 0,74, 95% CI, 0,45 bis 1,20), allerdings war dieses Ergebnis nicht statistisch signifikant. Das Bildungsniveau der Teilnehmerinnen, die Anwendung von Kontrazeptiva und das Rauchen waren dagegen ohne Einfluss auf das Erkrankungsrisiko. Hinsichtlich der Zahl der Kinder wurde ein nichtsignifikanter Trend in Richtung einer Verringerung des Risikos einer rheumatoiden Arthritis beobachtet.

Ursache noch unklar

Aus den Studienergebnissen lässt sich ableiten, dass Stillen über mehr als ein Jahr bei postmenopausalen Frauen das Risiko für den Ausbruch einer rheumatoiden Arthritis verringert. Die Autoren der Studie halten dieses Ergebnis auch deshalb für besonders vielversprechend, da die Erkrankung bei Frauen doppelt so häufig vorkommt wie bei Männern, im fortpflanzungsfähigen Alter sogar fünfmal so häufig. Eine Erklärung für die zugrunde liegenden Mechanismen gibt es jedoch derzeit noch nicht.

 

Quelle

Barclay, L., Vega, Ch., Martin, B.N.: Long-term breast-feeding may reduce risk for rheumatoid arthritis. Ann Rheum Dis, Online-Publikation, 14. Mai 2008.

 

 


Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

 

Das könnte Sie auch interessieren

Mütter unter antikonvulsiver Therapie

Stillen erlaubt

Orale Kontrazeptiva können weitreichende Folgen haben

„Pille“ als Teenie, Depression als Erwachsene?

Missbrauch war unter Stimulanzien-Therapie seltener

ADHS-Medikation könnte vor Alkohol und Drogen schützen

Vorsicht in der Schwangerschaft, Entwarnung in der Stillzeit

Adalimumab – ohne Patent, aber mit neuer Fachinformation

Hormonelle Kontrazeptiva und das Risiko für Hirntumore

Mehr oder weniger Gliome? 

Orale Kontrazeption als weiterer Risikofaktor

Häufiger Sinusthrombosen bei adipösen Frauen

Langzeitdaten zum Brustkrebsrisiko bringen überraschende Erkenntnisse

(Un)sichere Hormontherapie

Hormonelle Kontrazeptiva und Brustkrebs

„Die Pille ist sicher, sie ist es nicht …“

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.