Interpharm 2008

"Homöopathie ist nicht schwierig"

Dr. Markus Wiesenauer, Weinstadt, pries in seinem Vortrag die Homöopathie als eine patientenzentrierte Therapieform, die durchaus auch als "Add-on" zu einem allopathischen Arzneimittel empfohlen werden kann.

Im Unterschied zur Allopathie gibt es in der Homöopathie keine Indikationen, sondern Leitsymptome, hob Wiesenauer hervor. Dennoch ist seiner Ansicht nach diese Therapieform "nicht schwierig" und bietet darüber hinaus viele Vorteile. So sind beispielsweise bei den für die Selbstmedikation in der Apotheke geeigneten Potenzen D3, D6 und D12 keine Interaktionen zu erwarten, auch ein Einsatz dieser Mittel in Schwangerschaft und Stillzeit ist unproblematisch.


"Die Homöopathie ist nichts Verstaubtes von vorgestern, sie ist innovativ."


Dr. Markus Wiesenauer


Wiesenauer riet seinen Zuhörern, sich zunächst mit etwa zehn häufig vorkommenden Mitteln zu beschäftigen, die sich als die "Top Ten der Homöopathie" relativ leicht am HV-Tisch umsetzen lassen.

Die "Top Ten" der Homöopathie

Apis mellifica D6 ist ein Mittel, das Flüssigkeit aus Hohlräumen löst. Es eignet sich daher bei Paukenerguss, Tubenkatarrh, allergischen Hautreaktionen und Insektenstichen.

Belladonna (z. B. in der Potenz D6) schwächt das Fortschreiten eines entzündlichen Prozesses ab oder stoppt ihn sogar. Daher empfiehlt Wiesenauer dieses Mittel bei fieberhaften Infekten, die mit heißem, hochrotem Kopf (der "dampfenden Tomate") einhergehen, oder auch bei beginnender Mittelohrentzündung sowie Nagelbettentzündung.

Auch Chamomilla D6 ist ein wichtiges Mittel für die Selbstmedikation bei fieberhaften Infekten, jedoch eignet es sich eher für unruhige, quengelige Kinder, die insbesondere nachts keine Ruhe finden sowie für solche Patienten, die das Gefühl haben "den Schmerz nicht mehr ertragen zu können". Es kann bei Zahnungsbeschwerden, Blähungskoliken und Menstruationsbeschwerden empfohlen werden.

Sambucus nigra D3 bezeichnete Wiesenauer als "homöopathisches Sekretolytikum". Dieses Mittel eignet sich bei Bindehautentzündung und Schnupfen mit Verschleimung.

Ist die Nase dagegen verstopft, bildet sich ein gelblich-weißes Nasensekret oder sind Schleimkrusten vorhanden, so sollte man eher zu Luffa D6 greifen, da dieses Mittel in der Lage ist, die Nasenschleimhäute zu sanieren. Es kann außerdem auch bei Hausstaubmilbenallergie und zur Nachbehandlung einer abklingenden Sinusitis eingesetzt werden.

Nux vomica D6 hat sich bewährt bei Leitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen nach zu vielem Essen, Magenkrämpfen, oder auch dem typischen "Kater-Kopfschmerz". Immer häufiger wird es auch bei onkologischen Patienten eingesetzt, um nach oder während einer Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung die unerwünschten Wirkungen dieser Therapien zu reduzieren.

Okoubaka D3 sollte einen festen Platz in jeder Reise-Apotheke haben, riet Wiesenauer. Denn es ist sehr gut wirksam bei Durchfall und Magenverstimmung infolge veränderter Ernährungsgewohnheiten. Außerdem kann es zu Begleit- und Nachbehandlung bei einer Antibiotikatherapie empfohlen werden – als "homöopathisches Probiotikum".

Frauen, die unter häufigen Harnwegsinfektionen leiden, kann mit Cantharis D6 geholfen werden. Das Mittel sollten die Betroffenen bereits bei den ersten Anzeichen einer akuten Blasenentzündung – also brennendem Schmerz und gehäuftem Wasserlassen – einnehmen.

Der Klassiker bei Sportverletzungen – vor allem Zerrungen, Dehnungen, Sprungelenksverletzung – ist Rhus toxicodendron D12. Dieses Mittel eignet sich auch bei Arthrose-bedingtem Anlaufschmerz und darüber hinaus bei bläschenartigem Hautausschlag, wie er bei Lippenherpes, Fieberbläschen und Gürtelrose auftritt.

Als klassisches "Verletzungsmittel" bezeichnete Wiesenauer Arnica D6. Auch bei Blutergüssen, körperlicher Überanstrengung und Muskelkater sollte man an dieses Mittel denken.

Veratrum album D6 ist sehr vielseitig einsetzbar: bei akuten Kreislaufproblemen mit Schweißausbruch, bei Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, aber auch bei Menstruationsschmerzen.

Bezüglich der Dosierung kann man sich an folgender Faustregel orientieren: in der Akuttherapie (z. B. mit der Potenz D6) verabreicht man am ersten Tag jede Stunde fünf Globuli, am zweiten Tag alle zwei Stunden und am Tag 3 dreimal täglich fünf Globuli. Bei einer Langzeitbehandlung sollte nach drei Wochen eine Woche Pause eingelegt werden.

Als besonders wichtig hob Wiesenauer hervor, die Patienten einige Tage nach der Abgabe eines homöopathischen Mittels um eine Rückmeldung zu bitten – nicht zuletzt, um selbst sicherer in der Empfehlung zu werden.

Die Homöopathie visualisieren

Dr. Markus Wiesenauer und Barbara Kohm – besser bekannt als DAZ-Cartoonistin "Barbara" – arbeiten derzeit an einem Buchprojekt, das nach Fertigstellung den dritten Band des Loseblatt-Werkes "Homöopathie für Ärzte und Apotheker" bilden soll. Mithilfe des zeichnerischen Mittels der Reduktion hat Barbara Kohm dafür einen "Patienten-Grundtypen" entwickelt, der mit wenigen Federstrichen in "männlich oder weiblich", "alt oder jung" "dick oder dünn" umgewandelt werden kann. Unter dem Motto "Mit Bildern lernen" arbeitet die Künstlerin derzeit intensiv daran, die Leitsymptome der verschiedenen Mittel zu visualisieren, damit sie sich leichter einprägen lassen. Dr. Markus Wiesenauer bezeichnete das Projekt als "Fortentwicklung der Didaktik der Homöopathie", das dazu beitragen kann, die Empfehlung vom Homöopathika in der Apotheke zu erleichtern und zu verbessern.


cb

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