Interpharm 2008

Die Zielpreise sind tot – es lebe der Portfoliovertrag

Zu den Rabattverträgen zwischen Krankenkassen und Pharmaherstellern wird es in absehbarer Zeit keine Alternative geben. Auf der Wirtschafts-Interpharm wurde deutlich, dass das von der ABDA beworbene Zielpreismodell bei der Generika-Industrie und den Kassen wenig Anklang findet: Selbst die AOKs ziehen derzeit regionale Sortimentsverträge vor.

Seit gut einem Jahr ist die Umsetzung der Rabattverträge tägliche Apotheken-Praxis. Die gröbsten Probleme sind mittlerweile behoben – doch DAV und ABDA sehen die Zielpreise nach wie vor als das bessere Modell. Nachdem 61 der ursprünglich geplanten 83 AOK-Wirkstoffausschreibungen geplatzt waren, witterten sie ihre Chance: Die AOKs mussten schnell handeln, um ihre drohenden Verluste zu minimieren. Doch Christopher Hermann, Vorstands-Vize der AOK Baden-Württemberg und Rabatt-Chefverhandler aller AOKs, machte diese Hoffnungen zunichte. Für ihn sind die Rabattverträge eindeutig die bessere und wirtschaftlichere Alternative – vor allem die Wirkstoff-Verträge, die überdies erfolgreich die "oligopolistischen Strukturen" im Generika-Markt aufmischten. Da derzeit aber unklar ist, wie die AOK rechtlich sichere Wirkstoff-Verträge abschließen kann, sind nunmehr fast alle AOKs auf Sortimentsverträge ausgewichen. Mit dem "open-house"-Modell sehen sie sich dabei auf der sicheren Seite: Jeder Hersteller, dass sich anbietet, kann einen Vertrag schließen – niemand bleibt außen vor. Hermann zufolge sollen diese Verträge aber allesamt auslaufen, sobald Wirkstoff-Verträge rechtlich sicher vereinbart werden können. Pro Generika-Geschäftsführer Peter Schmidt hält dieses "open-house"-Modell zwar nicht für "das Gelbe vom Ei". Es sei aber immer noch besser für die Hersteller, als ganz vom Markt ausgeschlossen zu sein. Dagegen seien Zielpreise der "absolute Horror" für die preislich ohnehin unter Druck stehenden Unternehmen. Hier sei die abwärtsgerichtete Preisspirale systemimmanent und ein Marktausschluss nicht weniger zu befürchten als bei den Portfolio-Verträgen: "In der Marktwirklichkeit haben eben nicht alle Arzneimittel die gleiche Chance über den Tresen des Apothekers zu gehen", betonte Schmidt. Den Herstellern missfallen die Zielpreise überdies, weil hier ohne sie verhandelt wird – für Schmidt ein klarer Fall eines unzulässigen Vertrages zulasten Dritter. Selbst Eberhard Wille, der als Vorsitzender des Gesundheits-Sachverständigenrates unparteiisch über dem Streit stehen kann, zeigte sich als Anhänger der Rabattverträge. Allerdings wäre ihm "ordnungspolitisch wohler", wenn diese von einzelnen Kassen und nicht von ihren Verbänden geschlossen würden.

ABDA-Geschäftsfüher Karl-Heinz Resch sieht die Zielpreise dennoch nicht vor dem Aus: "Man muss mit guten Modellen einen langen Atem haben." Der Wirkstoffmarkt sei ein "ordnungspolitisch sauberes Wettbewerbsfeld", in dem Zielpreise – anders als Rabattverträge – für transparente Einsparungen sorgen könnten. In zehn bis zwölf Wochen ließe sich Resch zufolge auch die nötige Apotheken-Software installieren. Möglicherweise gebe die Reaktion der Hersteller auf die nächste Festbetragsanpassung im Juli bereits Anlass, das Modell wieder zu diskutieren. Die große Chance sieht er jedoch 2009 kommen – wenn der Gesundheitsfonds mit seinem einheitlichen Beitragssatz startet und die Kassen sich überlegen müssen, mit welchen besonderen Angeboten sie im Markt überleben können. So könnte es eine Kassen-Strategie sein, ihren Versicherten Arzneimittelvielfalt zu bieten, was mit begrenzten Portfolioverträgen unmöglich wäre. Resch zufolge gibt es zu dieser Idee bereits "ermunternde Signale aus Kassenkreisen".


ks

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