Arzneimittel und Therapie

Docetaxel bei hormonrefraktären metastasierenden Tumoren

Eine aktuelle Auswertung der TAX-327-Studie bestätigt den Benefit einer Chemotherapie mit Docetaxel beim hormonrefraktären Prostatakarzinom. Von dieser Therapie profitieren auch ältere Patienten, die den Großteil der Erkrankten ausmachen.

Das Prostatakarzinom gehört in der Regel zu den sehr langsam wachsenden Tumoren. Die Krankheit erstreckt sich über viele Jahre und durchläuft unterschiedliche Therapiephasen von der Operation, Bestrahlung und Hormontherapie bis hin zur zytostatischen Behandlung. Die Chemotherapie wird erst in der letzten Krankheitsphase durchgeführt, wenn die endokrine Behandlung, die meist viele Jahre lang wirkt, nicht mehr anschlägt. Man spricht dann von einem hormonrefraktären Prostatakarzinom. Dieses ist nicht mehr heilbar; das Überleben kann aber durch eine geeignete zytotoxische Therapie verlängert werden. Das wichtigste Chemotherapeutikum ist hier Docetaxel (Taxotere®), das in verschiedenen Protokollen eingesetzt wird. Sein Nutzen wurde unter anderem in der TAX-327-Studie nachgewiesen, von der eine aktuelle Auswertung vorliegt.


Leitlinien zum Prostatakarzinom

Die in Deutschland entwickelten Leitlinien - die S1-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms und eine S3-Leitlinie zur Früherkennung - sind älteren Datums und sollten daher nicht mehr zur Entscheidungsfindung herangezogen werden. Umfangreiche und regelmäßig aktualisierte S2-Leitlinien wurden durch die American Urological Association und die European Association of Urology (EAU) entwickelt und veröffentlicht. Eine neue deutsche S3-Leitlinie "Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms" ist in Entwicklung.

EAU und die Amerikanische Gesellschaft für Klinische Onkologie (ASCO) empfehlen zur Therapie des hormonrefraktären Prostatakarzinoms eine dreiwöchentliche Behandlung mit 75 mg/m² Docetaxel und weisen darauf hin, dass mit diesem Regime ein statistisch signifikanter Überlebensvorteil erzielt wurde. Dieser basiert auf der deutlichen Rückbildung der Tumorlast (PSA-Abfall), die mit einer Abnahme tumorbedingter Beschwerden und einer besseren Lebensqualität einhergeht.

Die TAX-327-Studie

Bereits 2003 konnte gezeigt werden, dass eine Therapie mit Docetaxel plus Prednison dem ehemaligen Standard Mitoxantron plus Prednison überlegen ist. Dieses Ergebnis wurde in einer randomisierten Phase-III-Studie mit mehr als 1000 Patienten, die an einem metastasierten und hormonrefraktären Prostatakarzinom litten, ermittelt. Eine aktuelle Auswertung der Studie bestätigt die Überlegenheit von Docetaxel: Im Median überlebten die Patienten nach dreiwöchentlicher Docetaxel-Gabe (75 mg/m²) 19,2 Monate versus 16,3 Monate im Mitoxantron-Arm (2003 waren es 18,9 vs. 16,5 Monate). Damit hat sich der Überlebensvorteil zugunsten von Docetaxel noch einmal leicht verbessert und ist wie schon 2003 statistisch signifikant (p = 0,004).

Im dritten Therapiearm hatten die Patienten 30 mg/m² Docetaxel als wöchentliche Gabe erhalten. Auch sie überlebten im Median länger als die mit Mitoxantron behandelten Patienten (17,8 Monate; p = 0,086).

Deutliche Vorteile für die dreiwöchentliche Docetaxel-Therapie zeigten sich auch bei den Drei-Jahres-Überlebensraten: 18,6% der Patienten im dreiwöchentlichen Docetaxel-Arm überlebten länger als drei Jahre im Vergleich zu 13,5% im Kontrollarm und 16,8% im wöchentlichen Docetaxel-Arm.

Der Benefit einer Therapie mit Docetaxel war unabhängig vom Alter, dem PSA-Ausgangswert, dem Metastasierungsmuster, dem Allgemeinzustand und der Beschwerdesymptomatik. Auch ältere Patienten – und somit die Mehrzahl der Betroffenen – profitieren von der Chemotherapie. So wurde das relative Sterberisiko der über 69-jährigen Patienten durch die dreiwöchentliche Behandlung mit Docetaxel um 23% gegenüber dem Kontrollarm reduziert (HR 0,77) und jenes der über 75-jährigen Patienten um 20% (HR 0,80). Auch Patienten mit bereits ausgedehnter Erkrankung profitierten von der Therapie mit Docetaxel.

Suche nach prädiktiven Parametern

Anhand der TAX-327-Daten wurde ein Nomogramm entwickelt, mit dessen Hilfe die Überlebenswahrscheinlichkeit der Patienten nach ein, zwei und fünf Jahren abgeschätzt werden kann. Möglicherweise kann so eine zuverlässigere Risikostratifizierung erfolgen und man kann bereits im Vor-feld ermitteln, welche Patienten am meisten von einer Therapie profitieren. Das Nomogramm basiert auf unabhängigen prognostischen Risikofaktoren wie

  • dem Vorliegen von Leber-Metastasen,
  • der Anzahl der Metastasenlokalisationen,
  • tumorbedingten Schmerzen,
  • dem Progressionstyp,
  • der PSA-Verdopplungszeit und dem PSA-Wert,
  • dem Tumorgrad sowie
  • den Ausgangswerten der alkalischen Phosphatase und des Hämoglobins.

Zum Weiterlesen

Schwerpunkt: Prostatakarzinom

DAZ 2007, Nr. 46, S. 62 –78.


Quelle

Prof. Dr. Kurt Miller, Berlin; Prof. Dr. Hans Tesch, Frankfurt: Satelliten-Symposium "Chemotherapie des Prostatakarzinoms – eine interdisziplinäre Herausforderung", Berlin, 22. Februar 2008, veranstaltet von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt.


Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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