Arzneimittel und Therapie

Trockene Altershaut und Medikamente

Mehr als 80% der über 60-Jährigen klagen über eine ausgeprägte Trockenheit der Haut. Verantwortlich dafür sind nicht nur Hautalterungsprozesse, auch eine regelmäßige Einnahme bestimmter Arzneistoffe kann dazu beitragen. Durch eine medizinische Hautpflege mit Extrakten aus Hamamelis virginiana kann das Beschwerdebild der Altershaut positiv beeinflusst werden.

Die Haut ist mit ca. 2 m² Oberfläche das flächenmäßig größte und mit etwa 10 kg Gewicht das schwerste Organ des Menschen. Sie nimmt vielfältige Aufgaben wahr wie Regulation der Temperatur und des Wasserhaushaltes, Isolation, Energiespeicherung, Sinnesempfinden, Reparatur (Wundheilung), Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten und Giftstoffen, Abwehr von Infektionskrankheiten und Allergien sowie Schutz vor Umwelteinflüssen. Darüber hinaus bestimmt sie als äußere Körperhülle unser Aussehen und ist "Spiegel der Seele", wie der Volksmund sagt. Zudem wird an der Haut ab dem dritten Lebensjahrzehnt sichtbar, dass wir altern. Wie alle Körperzellen unterliegen auch die Hautzellen einem Alterungsprozess, der zu einer strukturellen Reduktion, also zu einer Verdünnung der Haut, führt.

Strukturelle Reduktion

Mit zunehmendem Alter verläuft die Teilungsrate der Hautzellen langsamer und die Erneuerung der verschiedenen Hautschichten wird so verzögert. Die Oberhaut wird allmählich dünner und damit anfälliger für Verletzungen. Zudem vermindert sich in der Lederhaut die Produktion der strukturgebenden Kollagen- und Elastinfasern, woraus eine nachlassende Spannkraft der Haut folgt. Gleichzeitig verliert das Bindegewebe seine Wasserbindungsfähigkeit und die Talg- und Fettproduktion nimmt ab. Daraus resultiert eine nachlassende Geschmeidigkeit der Haut und sie wird trockener, was sich klinisch in den Symptomen Juckreiz und Spannungsgefühl äußert und oft zu einem Austrocknungsekzem führt.

Medizinische Relevanz der Altershaut

Dieser Hautzustand wird mit dem Begriff Altershaut beschrieben. Altershaut ist aber nicht nur kosmetisch störend, sondern hat auch eine medizinische Relevanz. Ihr reduzierter Fettgehalt, gekoppelt mit einer geringeren Speicherkapazität für Feuchtigkeit vermindert die natürliche Barrierefunktion. Die auf der Haut befindlichen Bakterien und Pilze können durch den durchlässig gewordenen Säureschutzmantel leichter in die Haut eindringen und Infektionen auslösen. Zudem führt ein Kratzen der juckenden und leicht verletzlichen Altershaut zu Einrissen und Blutungen, die ideale Eintrittspforten für die Erreger darstellen. So sind behandlungsbedürftige Infektionen der Haut beispielsweise mit Streptokokken wie ein Erysipel (Wundrose) bei einer Altershaut häufige Folge. Eine trockene, schuppende und juckende Körperhülle ist auch leichter Ausgangspunkt für allergische Ekzeme.

Medikamente können den Hautzustand verschlechtern

Der genetisch festgelegte Prozess der Hautalterung kann durch äußere Einwirkungen beschleunigt und verstärkt werden. Nicht nur UV-Strahlung, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum oder eine übertriebene Körperpflege beeinflussen die Strukturveränderungen der Haut. Auch die regelmäßige Einnahme bestimmter Medikamente kann eine trockene, schuppende Haut und Juckreiz auslösen oder den Hautzustand verschlechtern. Gerade ältere Menschen, die aufgrund von Alterungsprozessen schon eine ausgeprägte trockene Haut aufweisen, nehmen besonders häufig Arzneimittel mit einem dermatologischen Nebenwirkungspotenzial ein. Sie bekommen vor allem Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Diuretika, Betablocker, Calciumantagonisten, ACE-Hemmer, AT1 -Blocker, Herzglykoside und Antiarrhythmika verordnet – alles Mittel, die unerwünschte Wirkungen an der Haut auslösen oder die Symptome der Altershaut verstärken können. Zudem können Arzneimittel gegen Stoffwechselstörungen wie orale und parenterale Antidiabetika, Thyreostatika, Lipidsenker sowie Steroide und Antirheumatika die Haut austrocknen und für Spannungsgefühl und Juckreiz sorgen.

Regelmäßige Pflege doppelt belasteter Haut

Dabei sind die dermalen Auswirkungen zumeist nicht substanzbezogen, sondern bei der gesamten Arzneistoffgruppe anzutreffen. Somit verhindert in der Regel die Umstellung auf ein anderes Präparat aus derselben Gruppe das Hautproblem nicht. Vielmehr muss die alters- und medikamentenbelastete Haut adäquat gepflegt werden, um die Beschwerden zu lindern und die Beschaffenheit der Haut zu verbessern. Die Symptomatik der Altershaut bessert sich sichtbar, wenn sie intensiv mit einer medizinischen Hautpflege behandelt wird. Als besonders wirksam hat sich die regelmäßige Anwendung einer Wund- und Heilsalbe, welche die Extrakte der nordamerikanischen Pflanze Hamamelis virginiana enthält, erwiesen.

Die Heilkraft der Zaubernuss entdeckt

Hamamelis virginiana ist vor allem im atlantischen Teil Nordamerikas weit verbreitet. Seit Jahrhunderten wird sie von den Medizinmännern der Cherokee-Indianer erfolgreich bei Hautentzündungen, Verletzungen, Blutungen und Insektenstichen eingesetzt. Europäische Einwanderer wurden auf die beeindruckende Heilkraft der Hamamelis-Pflanze aufmerksam und belegten den Haselnuss-ähnlichen Strauch mit dem Namen Zaubernuss. Sie holten die Heilpflanze Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa und vor 135 Jahren brachte der Leipziger Apotheker Dr. Willmar Schwabe das erste Hamamelis-Salbenpräparat (Hametum® Wund- und Heilsalbe) auf den deutschen Arzneimittelmarkt. Inzwischen ist die Wirkung der virginischen Zaubernuss wissenschaftlich untersucht. Sie beruht auf die im Destillat aus den Blättern und Zweigen der Hamamelis-Pflanze enthaltenen Polyphenole und Flavonoide. Diese sekundären Pflanzenstoffe wirken juckreizstillend und entzündungshemmend. Darüber hinaus haben sie adstringierende Eigenschaften, d. h. dass durch Eiweißfällung offene Wunden schnell verschlossen werden, was einerseits einen blutungsstillenden Effekt hat und andererseits das Eindringen von Bakterien und Pilzen in die Wunde abwehrt.

Wirksamkeit und Verträglichkeit belegt

In zwei klinischen Untersuchungen konnte die Wirksamkeit für die Hametum® Wund- und Heilsalbe belegt werden. So dokumentierte die eine Untersuchung an 35 Patienten mit einer ausgeprägten trockenen Altershaut innerhalb von 14 Tagen eine Normalisierung aller messbaren Parameter im Bereich der Hautfeuchtigkeit und des Hautfettgehaltes. Die Symptome Juckreiz, Hautschuppung sowie kleine Risse und Verletzungen hatten sich auch nahezu vollständig zurückgebildet. Ähnliche Effekte zeigte eine zweite Studie an 89 älteren Patienten mit fett- und feuchtigkeitsarmer Haut, wobei deren trockene Altershautbeschwerden durch die Einnahme verschiedener Medikamente deutlich verschlimmert waren. Auch bei ihnen stiegen der Hautfett- und der Feuchtigkeitsfettgehalt nach zwei Wochen erheblich an. Nach weiteren 14 Tagen konnte noch eine abermalige Verbesserung erzielt werden. Außerdem gingen die Symptome Schuppung und Juckreiz deutlich zurück. Hervorzuheben ist die gute Verträglichkeit der Salbe. Obwohl überdurchschnittlich viele Patienten in beiden Studien problematische dermatologische Zusatzerkrankungen wie Allergien oder eine Neurodermitis aufwiesen, zeigten sich keine Unverträglichkeiten unter der Therapie.

Apothekenbasierte Anwendungsbeobachtung

Auch eine kürzlich durch 15 Apotheken durchgeführte Anwendungsbeobachtung bestätigte die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Hametum® Wund- und Heilsalbe bei einer medikamentenbelasteten Altershaut. Anhand von eingereichten Rezepten und dem Kaufwunsch für eine Hautpflege gegen trockene Haut wurden 314 Personen mit einer medikamentenbelasteten Haut identifiziert und einer 14-tägigen Behandlung mit dem Präparat zugeführt. Auch bei dieser Untersuchung besserten sich Hauttrockenheit, Juckreiz, Schuppung, Hautverletzungen und Entzündungen bei mehr als zwei Drittel der Teilnehmer rasch. Hinsichtlich der Anwendbarkeit (Auftragen, Einziehverhalten, Geruch) wurde die Salbe von mehr als 80% der Patienten als gut und sehr gut beurteilt und die Bereitschaft zum Wiederkauf für das Präparat lag bei 75%.

Die richtige Kombination ist entscheidend

Die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit des Präparates sind Ergebnis der Kombination aus der wundheilfördernden Wirkung des Hamamelisdestillates und der reichhaltigen Salbengrundlage. So versorgt die Salbengrundlage die Haut mit Lipiden und bindet die Feuchtigkeit in der Haut: Die Haut wird glatt und geschmeidig und ihre Barrierefunktion ist gestärkt. Das Hamamelisdestillat wirkt juckreizstillend sowie entzündungshemmend. Außerdem stillt es kleinere Blutungen und weist eine antimikrobielle Wirkung auf.

 

Quelle

Prof. Dr. med. Julia Welzel, Augsburg; Dr. med. Petra Sandow, Berlin; Anna Laven, Aachen und Dr. med. Traugott Ullrich: "Haut und Medikamente – ein echter Balanceakt!", Hamburg, 12. Februar 2008, veranstaltet von der W. Spitzner Arzneimittelfabrik GmbH, Ettlingen.

 


Apothekerin Gode Meyer-Chlond

 

 

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