Aus Kammern und Verbänden

Im Schatten des dm-Urteils

Bei der Kammerversammlung der Apothekerkammer Schleswig-Holstein am 19. März in Kiel hob Kammerpräsident Holger Iven das dm-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, die andauernde Diskussion über Apothekenfremd- und -mehrbesitz und die jüngsten Retaxationen aufgrund der Rabattverträge (siehe Rubrik DAZ aktuell) als wichtigste Themen für die Apotheker hervor. Ein weiterer Schwerpunkt der Kammerversammlung war die Beratungs- und Qualitätsoffensive der Kammer.

Trotz des Schreckens über das dm-Urteil sollte nicht vergessen werden, dass der Versandhandel auch in den USA keinen Marktanteil über zehn Prozent erreiche, meinte Iven. Angesichts der Unterstützung der Apotheker durch Verbraucherschützer und das Bundeskriminalamt habe er große Hoffnung, dass die Laumann-Initiative zum Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln gelingen werde.

Ungeachtet des ausstehenden Urteils des Europäischen Gerichtshofes zum Fremd- und Mehrbesitz würden interessierte Kreise ihre Kontakte zu maßgeblichen Gesundheitspolitikern weiter intensivieren. Besonders wichtig seien dabei die Mitglieder des Gesundheitsausschusses, weil sich andere Parlamentarier aus Zeitgründen mit diesen Themen nicht beschäftigen können und der Fraktionsdisziplin unterliegen. Doch sollten die Apotheker deutlich machen, wie problematisch vertikale Strukturen von Herstellern über Großhändler zu Kettenapotheken letztlich für den Wettbewerb wären. Diese Problematik werde mittlerweile auch im EU-Parlament gesehen: EU-Parlamentarier haben eine Untersuchung initiiert, um die Auswirkungen multinationaler Konzerne auf Preise, Lieferanten und Mitarbeiter zu überprüfen. Außerdem verwies Iven auf eine von Österreich und Italien ausgehende Erklärung zum Schutz der Apotheker. Damit wird die EU-Kommission aufgefordert, bei Entscheidungen im Gesundheitswesen stärker auf die Belange der Bürger zu achten.

Noch mehr Qualität – aber wie?

Vor dem Hintergrund möglicher Marktveränderungen nach dem dm-Urteil diskutierte die Kammerversammlung intensiv über die Fortsetzung der Qualitäts- und Beratungsoffensive. Demnächst sollen 15 Studentinnen und Studenten für eine weitere Runde des schleswig-holsteinischen Pseudo-Customer-Projekts geschult werden und 20% der Apotheken im Land testen.

Die Kammerversammlung begrüßte die fortgesetzte Qualitätsorientierung, aber einige Mitglieder forderten noch mehr Engagement. Die Qualität in den Apotheken sei zu unterschiedlich, und auch die Quote von etwa 15 Prozent zertifizierten Apotheken müsse angesichts der derzeitigen "Entmystifizierung des Apothekerberufs" erheblich erhöht werden. So wurden Tests aller Apotheken, Selbstverpflichtungen der selbstständigen Kammerversammlungsmitglieder zur Zertifizierung, Beitragsermäßigungen für zertifizierte Apotheken, mehr Engagement für die Weiterbildung und für Rezepturringversuche, mehr Fortbildungsangebote für die Beratung und Sanktionen gegenüber Apotheken mit negativen Pseudo-Customer-Ergebnissen vorgeschlagen und teilweise kontrovers diskutiert. Dabei wurde auf andere Kammern verwiesen, bei denen kostenpflichtige Wiederholungstests stattfinden, wenn der erste Pseudo-Customer-Besuch negativ verläuft. Andererseits wurden Strafmaßnahmen durch die Kammer und neue teure Projekte wegen der ohnehin großen Belastung der Apotheken abgelehnt. Bei der nächsten Sitzung der Kammerversammlung sollen Vorschläge für praktikable Anreize zur verstärkten Qualitätsorientierung vorgelegt werden. Außerdem wurde auf den Start eines neuen Schulungsblocks für das Qualitätsmanagementprojekt der Apothekerkammer Schleswig-Holstein im Juni hingewiesen.

Dr. Peter Froese, Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, machte deutlich, dass die anderen Heilberufler vor den gleichen Herausforderungen bei der Qualitätsorientierung stehen. Daher haben mehrere Kammern und Verbände im Land die "Gesundheit Schleswig-Holstein AG" (AG = Arbeitsgemeinschaft) gegründet, mit der sie interprofessionell an der Optimierung der Qualität arbeiten wollen. Dieser Arbeitsgemeinschaft sind nun auch die Apothekerkammer und der Apothekerverband beigetreten.

Die Kammerversammlung stimmte dem Konzept zu, dass die Kammer ab September die Genehmigung der Heimversorgungsverträge als Aufgabe vom bisher zuständigen Ministerium übernimmt. Außerdem wurde die Anpassung der Weiterbildungsordnung an EU-Vorgaben beschlossen und der Vorstand entlastet.


tmb

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