Prisma

Neue Strategie soll Abstoßung fremder Organe verhindern

Wissenschaftlern ist es gelungen, Abstoßungsreaktionen des Organismus nach Transplantationen ohne Immunsuppressiva zu verhindern. Werden mit dem Organ auch blutbildende Stammzellen des Spenders übertragen, toleriert die Immunabwehr des Empfängers offenbar die fremden Zellen.

Gleich mehrere erfolgreich verlaufende Transplantationsbeispiele zeigen, dass eine Organübertragung nicht unbedingt durch die Gabe von Immunsuppressiva begleitet werden muss. Im Fall eines neunjährigen Mädchens, dem eine Leber transplantiert wurde, war dessen körpereigenes Abwehrsystem zum Zeitpunkt der Transplantation kaum noch aktiv. Kurz nach der Organübertragung funktionierte die Immunabwehr wieder, richtete sich allerdings nicht gegen die übertragene Leber. Wie die Forscher später feststellten, waren mit dem übertragenen Organ auch Stammzellen des Spenders transportiert worden, die nun ein neues Abwehrsystem aufbauten. Gleichzeitig veränderte sich auch die Blutgruppe des Mädchens.

Ähnliches war bei der Übertragung einer Niere zu beobachten, die ein Mann von seinem Bruder erhalten hatte. Vor der Transplantation hatten die Wissenschaftler die für Abstoßungsreaktionen verantwortlichen T-Zellen des Patienten zerstört. Durch die mit der Niere übertragenen blutbildenden Stammzellen des Bruders konnte der Patient bereits sechs Monate später auf die eingesetzten Immunsuppressiva verzichten. Interessanterweise ließen sich im Blut des Patienten sowohl eigene als auch Immunzellen des Bruders nachweisen. Ob dieser Behandlungsansatz künftig allgemein angewendet werden kann und welche möglichen Risiken dabei entstehen, soll in weiteren Studien untersucht werden.


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Quelle: Sachs, D. et al., Strober, S. et al., Stormon, M. et al.: N. Engl. J. Med. 358, 355, 362, 369 (2008).

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