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Verlässliche Arbeitszeiten und gutes Betriebsklima

Planbare Arbeitszeiten und ein gutes Betriebsklima – das sind für ArbeitnehmerInnen die wichtigsten Faktoren, um Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren zu können. Betriebe, die beides bieten, werden von ihren Beschäftigten mit Kindern als familienfreundlich eingestuft.

Flexible Arbeitszeitmodelle dagegen haben weniger Einfluss als oft angenommen. Auch spezielle Angebote wie eine Notfallbetreuung kranker Kinder werden im Vergleich zum Betriebsklima als weniger wichtig angesehen.

Um einen Betrieb familienfreundlicher zu gestalten, sind also weniger große Investitionen in die Infrastruktur nötig als vielmehr eine familienfreundliche Kultur im Umgang mit den Beschäftigten. Das zeigt eine Untersuchung von Dr. Christina Klenner, Mitarbeiterin im Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, und der Soziologin Tanja Schmidt. Die beiden Wissenschaftlerinnen werteten die Daten einer Befragung von 2000 Beschäftigten aus.

Das macht Betriebe familienfreundlich: Die Ergebnisse im Überblick

Die Befragten wünschen sich im Durchschnitt deutlich kürzere Arbeitszeiten, als sie tatsächlich haben. Am zufriedensten sind Beschäftigte mit einer Wochenarbeitszeit zwischen 20 und 29,5 Stunden.

Arbeit während der Zeiten, die traditionell für Familienaktivitäten genutzt werden, etwa am Wochenende, gibt schlechte Bewertungen. Überraschend ist: Nachtarbeit wirkt sich positiv auf die Beurteilung aus. Offenbar lassen sich die Beschäftigten bewusst darauf ein.

Flexible Arbeitszeitmodelle zeigen keine signifikanten Effekte auf die Beurteilungen. Das gilt für Überstundenkonten ebenso wie für Arbeitszeitabstimmungen im Team oder Vertrauensarbeitszeit. Nur Gleitzeit und Telearbeit erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Betrieb als familienfreundlich eingeschätzt wird.

Als besonders ungünstig wirkt sich aus, wenn Arbeit zu unvorhergesehenen Zeiten, etwa auf Abruf, geleistet werden muss.

Wenn Eltern ihre Rechte ohne Diskriminierung in Anspruch nehmen können, wird ein Betrieb als familienfreundlich bewertet. Das heißt zum Beispiel, dass die Kollegen Verständnis zeigen, wenn jemand wegen eines kranken Kindes fehlt.

Im Vergleich dazu sind familienfreundliche Spezialangebote weniger wichtig, obwohl sowohl Ferienangebote für Kinder als auch finanzielle Maßnahmen für Familien durchaus geschätzt werden.

Quelle: 

Christina Klenner, Tanja Schmidt: Familienfreundlicher Betrieb – Einflussfaktoren aus Beschäftigtensicht. WSI-Mitteilungen 9/2007. 

 

www.boeckler.de

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