Gesundheitspolitik

Immer mehr Kritik an der E-Card

Bundesärztekammer sucht neuen Kompromiss zur elektronischen Gesundheitskarte

BERLIN (tmb). Unter den Ärzten wächst die Kritik an der elektronischen Gesundheitskarte. Die Positionen reichen von zahlreichen grundlegenden Änderungsvorschlägen bis zur kompletten Ablehnung. Beim Ärztetag, der im Mai in Ulm stattfinden wird, soll das Thema Telematik einen Schwerpunkt bilden. Bis dahin braucht die Bundesärztekammer eine mehrheitsfähige Position.

Ansätze für Kompromisslösungen enthält ein Diskussionspapier der Bundesärztekammer, das die Meinungsbildung in den Landesärztekammern fördern soll. Darin wird das Projekt in seiner bisherigen Form abgelehnt, doch seien die Ärzte bereit, die elektronische Gesundheitskarte weiter kritisch zu begleiten und mitzugestalten. Die Kritik stützt sich insbesondere auf Sicherheitsbedenken und wendet sich gegen eine "Industrialisierung" ärztlicher Leistungen. Die Ärzte fürchten eine "gläserne Arzt-Patienten-Beziehung", weil Daten im Internet nie hundertprozentig sicher seien. So könnte die Vertrauensbeziehung zwischen Ärzten und Patienten leiden, die aber die Grundlage der Arbeit bilde. Wirtschaftliche und technische Argumente könnten dies nicht kompensieren. Außerdem bestehe "das Risiko der Behinderung statt Unterstützung der Arbeitsabläufe" und der "Beförderung einer "durchnormierten" Medizin". Die Speicherung könnte zu einer Datenflut führen, bei der wichtige und unwichtige Informationen noch schwerer als bisher zu trennen seien. Die bereits jetzt vorliegenden Angebote an Patienten zur Datenspeicherung von Krankenkassen und Internetunternehmen würden mit Sorge betrachtet.

Unabsehbare Kosten

Große Bedenken haben die Ärzte auch hinsichtlich der Kosten. So wies die Kassenärztliche Vereinigung Hessen darauf hin, dass das Bundesgesundheitsministerium Kosten von 1,5 Milliarden Euro veranschlagt, während die Einführung einer solchen Karte in England 25 Milliarden Euro gekostet habe. Nicht zuletzt aus Kostengründen wird in dem Diskussionspapier der Bundesärztekammer gefordert, die Ärzte nur freiwillig zu beteiligen. Damit würde wahrscheinlich die Grundlage für das elektronische Rezept entfallen, was in dem Papier allerdings nicht erwähnt wird. Auf diesen Zusammenhang wurde kürzlich auch in der Ärzte-Zeitung hingewiesen.

Im Papier der Bundesärztekammer wird gefordert, die Sicherheitslösungen durch unabhängige Experten prüfen zu lassen. Als Alternative zur zentralen Datenspeicherung sollten USB-Sticks als individuelle Datenträger geprüft werden, die beim Patienten verbleiben können.

Kompromiss möglich?

Die dezentrale Datenspeicherung würde einige technologisch anspruchsvolle Telematik-Anwendungen vereiteln, aber offenbar ist das Diskussionspapier der Bundesärztekammer weniger an ambitionierten Zukunftsprojekten als am Alltag in "normalen" Arztpraxen orientiert. Das Papier dürfte als Versuch zum Kompromiss mit den politischen Entscheidungsträgern gedacht sein, aber vielen Ärzten reicht das offenbar nicht. So haben sich einige Ärzte in einem Bündnis "Aktion: Stoppt die E-Card" organisiert und die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen sprach sich am 9. Februar gegen die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte aus. Als kostengünstige und unbedenkliche Alternative wird vorgeschlagen, die bisherige Versichertenkarte mit einem Foto und einer lebenslang eindeutigen Versicherungsnummer zu versehen. Wer freiwillig seine Daten elektronisch speichern lassen möchte, könne dafür ein separates Medium nutzen. Wegen der von Politikern und Kassen angekündigten Ausgabe der ersten elektronischen Gesundheitskarten in diesem Jahr drängt die Entscheidung. Daher dürfte auch die Position der Apotheker gefragt sein.

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