Die babyfreundliche Apotheke

Freudestrahlend verlässt die Sekretärin in den mittleren Jahren die Petersbogen-Apotheke in der Leipziger Innenstadt. Auf dem Heimweg sinniert sie, ob der Chef ihr wohl am nächsten Tag ein Kompliment machen wird. "Diese Dame hat einen sehr empfindlichen Teint. Nach einem Hauttest empfahl ich ihr auf ihren Typ abgestimmte Kosmetikprodukte", berichtet Apothekerin Birgit Schade aus Leipzig. Abschließend entspannte sich die Kundin bei einer Wellnessmassage.
Eine Nische: kosmetikaktiv und familienfreundlich

Arzneimittel und Kosmetika sind Produkte, die einander ergänzen. Erst recht, wenn die Hautpflegemittel mit medizinischem Know-how entwickelt und hergestellt werden. "In der Leipziger Innenstadt gibt es nur sehr wenige Facharztpraxen", so die Apothekerin. Deswegen hatte sie überlegt, mit welchen Produkten sie den Umsatz verbessern kann. Zumal die Apotheke mit einer Fläche von 515 Quadratmetern dafür beste Voraussetzungen bietet.

Die Entscheidung für den Apothekerberuf kam nicht von ungefähr: "Schon mein Urgroßvater war Inhaber einer alten Klosterapotheke in einer schwäbischen Kleinstadt. Auch einige Onkel, Tanten und Cousins haben Pharmazie studiert", berichtet die gebürtige Darmstädterin. "Mit dem Apothekerberuf erfüllte sich mein Kindheitstraum."

1996 zog die Apothekerin nach Leipzig und übernahm 1998 die Saalepark-Apotheke in einem Einkaufszentrum zwischen der sächsischen Messestadt und Halle. Dort bediente sie überwiegend Stammkunden. Als der Betreiber des "Saaleparks" 2003 mit einer umfangreichen Neustrukturierung zum ECE-Center "Nova eventis" begann, sah sich Birgit Schade nach einem neuen Objekt um.

Damals wurde in Leipzig gerade eine neue Einkaufspassage, der "Petersbogen", errichtet. Die Apothekerin: "Ich musste aber noch ein halbes Jahr bis zur Eröffnung am 1. Juni 2004 warten." Den Freiraum nutzte sie für eine Ausbildung zur Fachkosmetikerin und Fußspezialistin. "Ich hatte mich seit jeher für Kosmetik interessiert. Dieses Metier ist eine ideale Ergänzung zu meiner pharmazeutischen Ausbildung", unterstreicht Birgit Schade.

In Leipzigs erster Apotheke mit Kosmetikstudio bieten die Apothekerin und drei angestellte Fachkosmetikerinnen den Kunden unter höchstem Hygienestandard kosmetische Behandlungen auf der Basis von Hauttests, medizinische Fußpflege, Maniküre sowie Farb- und Typberatungen an. Wellness-Behandlungen mit heißen Steinen, Rücken-, Nacken- und Migränemassagen sowie Fußreflexzonenmassagen ergänzen die Angebotspalette. Ausgeschlossen sind indessen medizinische Massagen und andere medizinisch-physiotherapeutische Leistungen.

Natürlich gönnen sich überwiegend die weiblichen Kunden eine wohltuende Behandlung im Kosmetikstudio der Petersbogen-Apotheke. Eher selten lassen sich Männer darauf ein. "Die Maniküre ist aber mittlerweile auch bei den Herren der Schöpfung im Kommen", beobachtet die Apothekerin. Dies gilt auch für ihre Filiale, die sie Ende September 2006 im neuen, gar nicht weit entfernten Karstadt-Kaufhaus eröffnete.

Ein weiterer Superlativ ist die Zertifizierung als Sachsens erste "babyfreundliche Apotheke". Birgit Schade: "Als Mutter bin ich mit den Bedürfnissen der kleinen Erdenbürger und ihrer Eltern gut vertraut." Deshalb richtete sie in ihrer Offizin auch eine Abteilung mit Artikeln rund um die Säuglingsernährung und -pflege ein. Darüber hinaus gibt es Literatur, Baby-Equipment und selbstverständlich einen Verleihservice für Hilfsmittel. Quirlige Kinder können hier spielen, lesen oder Karussell fahren, während sich ihre Mütter durch eine Mitarbeiterin der Apotheke kompetent beraten lassen.

Ein Herz für Babys und Eltern

Für Eltern, die beim Einkaufsbummel in der Petersstraße die Windeln ihres Sprösslings wechseln möchten, hat die Apothekerin einen kleinen Wickelraum eingerichtet. Auch stillende Mütter finden in der Apotheke abseits vom Großstadttrubel eine "Oase der Ruhe". Schwangerenberatung, Elternkurse, Seminare über Erste Hilfe beim Kind und andere Informationsveranstaltungen komplettieren die Angebotspalette zu den Themen Schwangerschaft, Entbindung und Elternschaft.

Ganze drei Jahre hatten sich die Apothekerin und ihre Mitarbeiter vorbereitet, bis ihnen ihre Kompetenz in allen Fragen rund um das Baby mit Brief und Siegel bestätigt wurde: "Wir haben an etlichen Wochenendseminaren des ‚Vereins babyfreundliche Apotheke e. V. teilgenommen", berichtet Birgit Schade. Engagierte Berufskollegen hatten vor einigen Jahren mit dem Aufbau eines Netzwerks begonnen, in dem mittlerweile auch Kinderärzte, Hebammen und Angehörige anderer Heilberufe mitarbeiten. Im vorigen Jahr ist der Verein eingetragen worden. Inzwischen ist ein gutes Dutzend Apotheken in ganz Deutschland zertifiziert worden.

Vorträge zum Gesundwerden und -bleiben

Für Veranstaltungen steht in der Apotheke ein hundert Quadratmeter großer Raum zur Verfügung. Die Apothekerin: "Wir gewinnen Referenten für Vorträge zum Beispiel über die ‚Anthroposophische Kinderapotheke, den ‚Zauber der ätherischen Öle, ‚Schüßler-Salze und viele andere gesundheitsrelevante Themen." Ferner dient dieser Raum für Rehasport und Yogakurse, Tragetuchkurse und Babymassagen. Müßig zu erwähnen, dass es überdies einen kleinen Beratungsraum für Gespräche unter vier Augen, Blutdruckmessungen und Tests gibt.

Curadies

Vor vier Jahren gründete Birgit Schade mit einigen Berufskollegen "Curadies", eine Kooperation junger Apotheker, "die noch viel vor sich haben". "Es begann als Werbegemeinschaft", erinnert sich die Apothekerin. Anfangs wurden gemeinsam Flyer als Zeitungsbeilagen herausgegeben. Doch daraus entwickelte sich bald mehr. "Inzwischen firmieren wir als GmbH & Co. KG und sind mittlerweile 43 Apotheken im Raum Leipzig, Halle und Dresden. Wir führen zu Schwerpunktthemen zeitgleich Beratungsaktionen durch und laden zu Vortragsveranstaltungen in der Leipziger Uni-Klinik ein", so Birgit Schade. Überdies kauft die Gemeinschaft direkt bei den Pharma-Herstellern ein.

Ein Online-Shop ist für die Apothekerin in absehbarer Zeit kein Thema. "Wir liefern selbst Medikamente und freiverkäufliche Produkte im gesamten Leipziger Stadtgebiet bis nach Markkleeberg aus", unterstreicht sie. So soll es vorerst auch bleiben. Denn in einem seien die Berufskollegen dem "elektronischen Apotheker" haushoch überlegen, meint Birgit Schade: "Sie beraten die Patienten individuell, klären sie über Risiken auf und empfehlen zuweilen auch eine ‚sanfte Alternative. Wir sehen den Menschen als eine Einheit von Körper, Geist und Seele."

So gelinge es auch, Patienten mit ungünstiger Prognose Hoffnung zu vermitteln. Birgit Schade und ihr Team mit 22 Mitarbeitern bringen erfolgreich Innovationen mit bewährten Traditionen zum Wohl der Kunden auf einen Nenner. "Durch unsere erstklassige Ausbildung in der Pharmazie, umfangreiche und stetige Weiterbildung möchten wir mit qualifizierter, pharmazeutischer Beratung und Servicequalität den Standort ‚stationäre Apotheke in der Fußgängerzone weiter ausbauen und uns vom Versandhandel- und Drogerie-Geschäft abheben", bringt es die Apothekerin auf den Punkt..

Reinhard Wylegalla
Lohn nach dreijähriger intensiver Vorbereitung Apothekerin Birgit Schade (links) und ihr Team freuen sich über die Zertifizierung als 1. babyfreundliche Apotheke Sachsens.
Fotos: Schade
Traditionsbewusst und offen für innovative Ideen: Apothekerin Birgit Schade.
Umfangreiches Sortiment Eine Fläche von über 500 Quadratmetern bietet hervorragende Bedingungen für die Präsentation.
Familienfreundlich Während die Eltern in aller Ruhe im breiten Warensortiment stöbern, können die Kleinen Karussell fahren, spielen oder in Bilderbüchern schmökern.
Die Babymassage: Wellness für die "Kunden von morgen".