Der Analyst denkt, der DAX lenkt

(hps). Man kann nicht sagen, dass es an der Börse momentan langweilig zugeht. Im Gegenteil. Was der DAX hier momentan aufführt, hat sogar einen gewissen Unterhaltungswert, der hauptsächlich zulasten der Experten-Prognosen geht. Die Strategen unterlagen hinsichtlich der Marktlage einer völligen Fehleinschätzung.

Kursaufschwung bei den Standardwerten erwischt Analysten auf dem falschen Fuß

"Wir erwarten nun für die Eurozone die schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg", sagen die Strategen von Goldman Sachs. Eine Einschätzung, die so gar nicht in das Bild des vorweihnachtlichen Einkaufsrummels passen will. Selbst in den USA, der Mutter aller Krisen, ist der befürchtete Totaleinbruch bei den Einzelhändlern bislang ausgeblieben. Parallelen zur Weltwirtschaftkrise der 30er Jahre drängen sich einem da jedenfalls nicht auf. Womit die Gesamtlage nicht beschönigt werden soll. Die Negativschlagzeilen aus der Wirtschaft liefern genug Munition für die Pessimisten. Aber bislang erwiesen sich die Verkaufsattacken als relativ kurzlebig. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Akteure in ihrem Erwartungshorizont eher bescheiden geben. Wirklich gute Nachrichten erwartet derzeit ohnehin niemand. Man ist bereits positiv gestimmt, wenn Nachrichten weniger schlimm ausfallen, als erwartet. Schließlich macht sich eben auch auf dem Parkett weihnachtliche Stimmung breit.

Aus der Perspektive der Analysten

Leichter Stimmungsumschwung unter den Analysten. Nachdem nahezu alle Experten von dem massiven Kursanstieg im DAX überrascht wurden, rechnen die meisten jetzt zwar mit Gewinnmitnahmen, schließen danach aber einen erneuten Anlauf nach oben nicht mehr aus. Über das kurzfristige Rückschlagpotenzial herrscht unterdessen Uneinigkeit. Ganz extrem die Bayerische Landesbank: Die Experten befürchten hier im schlimmsten Fall einen Rückschlag bis auf 3200 DAX-Punkte. Böse Zungen dürften indes einwenden, die Bayern sollten nicht von sich auf den Gesamtmarkt schließen. Die Stuttgarter Ellwanger & Geiger Bank dagegen sieht den DAX zunächst Richtung 4000 Punkte abtauchen, vermutet dann aber gegen Jahresende einen abermaligen Vorstoß mit Kurs auf 5000 Punkte. Zur Begründung für diesen überraschenden Anfall von Optimismus werden die grundsätzlich überverkaufte Marktsituation, das niedrige Bewertungsniveau der Aktien und die ab 1. Januar 2009 geltende Abgeltungssteuer angeführt.

Aktien im Fokus

Siemens befindet sich in einer technisch guten Ausgangsposition. Die Münchner stehen im Vergleich zu den übrigen DAX-Werten charttechnisch wesentlich stabiler da, wobei die Aktie aktuell dabei ist, mit dem Sprung über die 50 Euro-Marke sich frei zu strampeln. Wir strampeln mit und haben die Aktie per Schlusskurs am Mittwoch (3. Dezember) ins Musterdepot aufgenommen. DAX am 3. Dezember: 4567 Punkte..

Aus der Sicht des Querdenkers

Es ist ja durchaus richtig, dass es sich bei dem jüngsten Kursaufschwung an den Börsen "nur" um eine Bärenmarktrallye handeln dürfte und die Verkäufer zu Beginn des kommenden Jahres wieder zurückkehren werden. Dennoch hat die Rallye Werten wie ThyssenKrupp oder Commerzbank bislang ein Plus von über 25 Prozent beschert. Das ist mehr als in manch gutem Börsenjahr während des gesamten Jahresverlaufs zu erzielen ist. Und die Party ist noch nicht vorbei. Folglich ist es völlig unerheblich, ob in 2009 die große Ernüchterung stattfindet oder nicht. Die Kurse laufen jetzt nach oben und dafür musste man rechtzeitig positioniert sein.
Interessanterweise erwarten jetzt die meisten Strategen eine Konsolidierung, die sie natürlich gerne zum Neueinstieg nutzen würden. Und der schwache Start der vergangenen Börsenwoche schien ihnen zunächst auch Recht zu geben. Dann setzten jedoch immer wieder Rückkäufe ein. Es sollte daher nicht überraschen, wenn sich bis Weihnachten auch keine größeren Kursverluste mehr einstellen. Wer hier weiter auf den großen Rückschlag noch vor Weihnachten spekuliert, läuft Gefahr, dass ihm die Zeit davon läuft. Das trifft insbesondere auf die Fondsmanager zu. Mit der Hypothek einer absolut miesen Jahresperformance belastet, stehen sie jetzt unter Zugzwang.
Peter Spermann
Peter Spermann ist Dozent für Wirtschaftslehre und beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit der Börse. In der AZ-Rubrik "Querdenker" vertritt er konsequent den Standpunkt des Antizyklikers.

Aktiezum KursTipp vomKurs aktuellVeränderung in %StrategieInfineon 5,446.8. 6,10+ 12%Verkauft 27.8.SAP 34,4017.7. 38,07+ 11%Verkauft 27.8.Lufthansa 14,159.7. 15,45+ 9%Verkauft 3.9.Daimler 39,1517.7. 42,05+ 7%Verkauft 3.9.Adidas 38,802.7. 39,39+ 2%Verkauft 24.9.Bayer 55,446.8. 54,20– 2%Verkauft 24.9.Commerzbank 9,968.10. 11,00+ 10%Verkauft 9.10.ThyssenKrupp 16,308.10. 18,00+ 10%Verkauft 13.10.Linde 61,2316.10. 67,50+ 10%Verkauft 3.11.TUI 14,709.7. 10,59– 28%Verkauft 5.11.Infineon 2,4630.10. 2,87+ 17%Verkauft 5.11.Commerzbank 18,852.7. 7,10– 62%HaltenAllianz 108,802.7. 63,30– 42%HaltenBASF 40,5517.7. 23,30– 42%HaltenThyssenKrupp 33,7023.7. 15,40– 54%HaltenBayer 44,3130.10. 40,00– 9%HaltenTelekom 11,8930.10. 11,40– 4%HaltenRWE 64,0030.10. 63,40– 1%Limit 70 EuroLinde 63,0513.11. 54,00– 14%HaltenDeutsche Börse 58,1213.11. 49,50– 14%HaltenAdidas 25,0713.11. 24,00– 4%HaltenThyssenKrupp 12,5120.11. 15,40+ 23%HaltenDaimler 24,7026.11. 23,50– 5%Haltenzum Vergleich: DAX seit 2. 7.6305,00 4576,00– 27%

Musterdepot

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