DAX: Optimisten im Vormarsch?

(hps). Schlechte Konjunkturaussichten spiegeln den Ist-Zustand der Wirtschaft wider. Doch an der Börse ist inzwischen immer öfter das Wort "Kaufgelegenheit" zu hören. Die Hoffnungen, die mit den Konjunkturprogrammen in China und der EU verbunden sind, überwogen zuletzt die tief greifenden Ängste vor einer Rezession. Die Skeptiker scheinen auf dem Rückzug zu sein.

Wenn die Profis alle jammern – warum steigen dann die Kurse?

Schlechte Konjunkturdaten und Unternehmensprognosen sowie Unsicherheiten über die Folgen der Finanzkrise hatten die Aktienmärkte zunächst schwer belastet. Doch nach der Nominierung des New Yorker Notenbankchefs Geithner zum künftigen Finanzminister der USA und dem Rettungspaket für die Citibank drehte die Stimmung an der Wall Street und bescherte am Ende auch dem DAX ein kräftiges Tagesplus von 10% – der dritthöchste Tagesgewinn in der Geschichte des Börsenbarometers. Auch war es dem entschlossenen Handeln der US-Notenbank zur Ankurbelung der Verbraucherkredite zu verdanken, dass das Parkett die schlechten Wirtschaftsnachrichten verdrängen konnte. Doch die Akteure agierten nach wie vor vorsichtig, was vor allem an den relativ niedrigen Handelsumsätzen abzulesen war. Nach den kräftigen Kursaufschlägen zu Beginn der letzten Woche erwartete nun jeder einen neuerlichen Rückschlag. Die "zittrigen Hände" umklammerten bereits die Reißleine – aber den Gewinnmitnahmen folgten umgehend neue Kaufaufträge.

Aus der Perspektive der Analysten

Die Jahresrallye fällt aus – darin sind sich die Analysten offenbar dennoch einig. Den Investmentfonds fehle es durch die Nettomittelabflüsse an Geld und die Versicherungen hätten gerade eben erst ihre Positionen abgebaut. Die düsteren Wirtschaftsaussichten, aber nur wenige Kaufargumente – das alles erinnere an das Jahr 2002, so ist zu hören, als die zunehmende Angst vor dem drohenden Irakkrieg die – fast schon Tradition gewordene – Weihnachtsrallye zunichte machte.

Argumentativ befinden sich die Experten derzeit jedenfalls in der Endlosschleife. Vor dem Hintergrund der omnipräsenten Gewinnwarnungen, Produktionskürzungen und schlechten Konjunkturaussichten ist man bei der Société Générale, der Commerzbank und der WestLB schon froh, wenn wenigstens die 4000er-Marke im DAX bis zum Jahresende durchhält. Jedes Aufflackern der Kurse werde kurzlebig sein, so die herrschende Meinung unter den Profis. So verwundert es auch nicht, dass die Mehrheit am Parkett selbst nach dem beachtlichen Kursplus zu Wochenbeginn dem DAX nur ein kurzzeitiges Erholungspotenzial zubilligen will. Auch die Landesbank Berlin bleibt im Pessimistenlager und sieht noch lange kein Ende des Bärenmarktes. Vielmehr erwartet das Institut beim DAX nach wie vor neue Jahrestiefs, wobei die Experten unter anderem auch auf die "katastrophalen Chartbilder" verweisen.

Da nach Ansicht der Strategen in diesem Jahr an der Börse ohnehin kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist, wagen einige bereits die ersten Ausblicke für das Börsenjahr 2009. Die meisten Banken erwarten hier lediglich eine Stabilisierung der Märkte. Noch im Sommer hatten die Analysten überwiegend mit einer kräftigen Rallye gerechnet. Nun gehen die Experten von einem sehr schlechten 4. Quartal aus und sehen die Kurse daher nochmals kräftig unter die Räder kommen. Gegen den Strom schwimmt indes die Bank von New York Mellon. Sie sieht nämlich die Großinvestoren 2009 wieder in Aktienmärkte einsteigen. Das Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger erwartet den DAX auf Sicht von einem halben Jahr bei 5600 Punkten.

Aktien im Fokus

Im Musterdepot wurden in letzter Zeit zahlreiche Käufe getätigt. Mit Daimler wurde per Schlusskurs Mittwoch (26. Dezember) ein weiterer Wert aufgenommen. Bei aller Skepsis gegenüber konsumnahen Werten haben die Stuttgarter doch absurd viele Federn lassen müssen. Das Erholungspotenzial ist entsprechend hoch.

Ansonsten sollte man mit stoischer Ruhe abwarten, was der vorweihnachtliche Handel noch so bringt. DAX am 26. November: 4560 Punkte..

Aus der Sicht des Querdenkers

Der Job des Rufers in der Wüste macht einsam. Trotzdem bleibt es dabei: Die Börsenkurse werden vorweihnachtlich anziehen und das Kursziel von 5500 bis knapp 6000 DAX–Punkten bleibt bestehen.
Dieser Tage wird viel über den niedrigen Tagesumsatz an der Börse lamentiert (eine laue Entschuldigung dafür, dass man den Kursanstieg verschlafen hat). Das könne nicht nachhaltig sein, so der einhellige Tenor. Klar, die Institutionellen schauen vorerst ja erst noch zu. Aber wenn die Kurse weiter steigen, wird sich der Handlungsdruck für die Profis enorm erhöhen. Und darauf sollte man bauen. Symptomatisch dafür: Die Markteinschätzung des Schweizer Bankhauses Julius Bär. Hier rechnen die Experten in den nächsten Wochen mit einer Bodenbildung an den Börsen. Die Rezession sei bereits eingepreist und die Rezession im Jahresverlauf 2009 mithin ausgestanden, so heißt es weiter. Trotzdem glauben die Experten nicht mehr an einen Kursanstieg vor Weihnachten. Und diese Meinung ist am Parkett durchaus salonfähig. Nur: Was soll einen unter diesen Vorzeichen dann davon abhalten, entsprechende Positionen noch in diesem Jahr aufzubauen? Wenn man schon an eine baldige Erholung der Wirtschaft glaubt, wäre doch ein weiteres Zuwarten – insbesondere mit Blick auf die Abgeltungssteuer – geradezu sträflich.
Ganz klar: Niemand traut sich, keiner will als erstes den Vorstoß wagen und sich dabei eventuell blamieren. Und so wird der eigentliche Charakter der Investmentfonds sichtbar: Es ist eine Schafherde, deren einziger Daseinszweck darin liegt, geschlachtet zu werden. Wenn Sie also die Wahl zwischen der Metzger- und der Schafsrolle haben – nehmen Sie den Metzger!
Peter Spermann
Peter Spermann ist Dozent für Wirtschaftslehre und beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit der Börse. In der AZ-Rubrik "Querdenker" vertritt er konsequent den Standpunkt des Antizyklikers.

Aktiezum KursTipp vomKurs aktuellVeränderung in %StrategieInfineon 5,446.8. 6,10+ 12%Verkauft 27.8.SAP 34,4017.7. 38,07+ 11%Verkauft 27.8.Lufthansa 14,159.7. 15,45+ 9%Verkauft 3.9.Daimler 39,1517.7. 42,05+ 7%Verkauft 3.9.Adidas 38,802.7. 39,39+ 2%Verkauft 24.9.Bayer 55,446.8. 54,20– 2%Verkauft 24.9.Commerzbank 9,968.10. 11,00+ 10%Verkauft 9.10.ThyssenKrupp 16,308.10. 18,00+ 10%Verkauft 13.10.Linde 61,2316.10. 67,50+ 10%Verkauft 3.11.TUI 14,709.7. 10,59– 28%Verkauft 5.11.Infineon 2,4630.10. 2,87+ 17%Verkauft 5.11.Commerzbank 18,852.7. 6,50– 65%KaufenAllianz 108,802.7. 54,30– 50%KaufenBASF 40,5517.7. 24,70– 39 %HaltenThyssenKrupp 33,7023.7. 15,00– 55%KaufenBayer 44,3130.10. 41,20– 7%HaltenTelekom 11,8930.10. 11,00– 8%HaltenRWE 64,0030.10. 66,00+ 3%Limit 70 EuroLinde 63,0513.11. 56,10– 11%KaufenDeutsche Börse 58,1213.11. 54,20– 8%KaufenAdidas25,0713.11. 24,80– 1%KaufenThyssenKrupp12,5120.11. 15,00+ 20%Kaufenzum Vergleich: DAX seit 2. 7.6305,00 4560,00– 27%

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