Große Unterschiede in der OECD

Berlin (ks). Die deutschen Pro-Kopfausgaben für Arzneimittel lagen im Jahr 2005 bei knapp 360 Euro – das sind rund 70 Euro oder 20 Prozent mehr als die durchschnittlichen Arzneiausgaben in den OECD-Mitgliedsländern. Damit steht Deutschland bei den Pro-Kopfausgaben im Ländervergleich an sechster Stelle. Dies geht aus einer am 24. September veröffentlichten Studie der OECD zur Arzneimittelpreispolitik hervor.

Deutsche Preise lagen 2005 um 30% über dem Schnitt

Der OECD-Schnitt liegt bei knapp 290 Euro pro Kopf; bei rund der Hälfte der 30 Mitgliedsländer – darunter Deutschland – bewegen sich die Arzneimittelausgaben um 20 Prozent über oder unter diesem Durchschnitt. An der Spitze stehen die USA mit Ausgaben von knapp 570 Euro im Jahr 2005, gefolgt von Kanada, Frankreich, Spanien und Italien. Das Schlusslicht bildet Mexiko, wo im selben Jahr gut 100 Euro pro Kopf für Medikamente anfielen.

Dabei zahlten Frankreich und Spanien geringere Einzelhandelspreise für Arzneien als dies im OECD-Schnitt der Fall war (- 9 bzw. 13 Prozent). In Deutschland, den USA und Kanada lagen die Preise dagegen im Schnitt rund 30 Prozent höher. Die höchsten Preise wurden 2005 in der Schweiz (85 Prozent über OECD-Schnitt) und Island (+ 59 Prozent) ausgemacht.

Bedeutende Unterschiede gibt es auch bei der Generikaquote. Rund die Hälfte aller Arzneien, die in Großbritannien, den USA, den Niederlanden und Ungarn verkauft wurden, waren Generika. Polen und Dänemark sind mit einem Generika-Verordnungsanteil von 87 bzw. 65 Prozent Spitzenreiter. In Italien beträgt der Anteil dagegen nur 4 Prozent, in Spanien sind es 9 in Frankreich 12 Prozent.

Von politischen Maßnahmen beeinflusst

Die Arzneimittelausgaben, Verordnungsmengen und Preise, sowie die Art der abgegebenen Arzneien sind sämtlich von politischen Maßnahmen im Pharmabereich beeinflusst. Alle OECD-Mitgliedstaaten haben Regulationen eingeführt. Am häufigsten – nicht aber in Deutschland – läuft die Preisfestsetzung über ein externes Benchmarking – also die Orientierung an Referenzpreisen. Dies hat Vor- und Nachteile, so die Studie: So werden die neuen Produkte in der Regel zunächst in den freien Märkten – etwa den USA und Deutschland – eingeführt. Die hier geltenden offiziellen Preise seien jedoch häufig mit Rabatten verbunden, so dass die Listenpreise, an denen sich andere Länder orientieren, künstlich hoch gehalten werden. Daneben führen immer mehr OECD-Länder Modelle wie das der deutschen Festbeträge ein. .

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