BAH: Bewährte Apothekenstruktur ist unverzichtbar

Berlin (ks). Die Pharmahersteller beklagen seit Jahren das Fehlen berechenbarer Rahmenbedingungen – die Politik konfrontiert sie beständig mit neuen gesetzlichen Eingriffen. Die Mitgliedsunternehmen des größten deutschen Pharmaverbandes BAH haben derzeit vor allem an den Rabattverträgen zu knabbern. Der Verbandsvorsitzende Hans-Georg Hoffmann versprach ihnen anlässlich der BAH-Jahresversammlung in Berlin, ihre Position im Jahr vor der Bundestagswahl aktiv in die Politik einzubringen. Zugleich betonte er in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung der inhabergeführten Apotheke für die BAH-Mitglieder.
Hoffmann: Bayern macht Wahlkampf mit Rx-Versandverbot

Rabattverträge, Zielpreise und die hausarztzentrierte Versorgung in Baden-Württemberg sind die aktuellen Reizthemen für die BAH-Mitglieder. Hoffmann hofft nun, mit der Diskussion über das Modell eines Kosten-Nutzen-basierten GKV-Erstattungspreises die Stimmung zu verbessern – "schon wegen der möglichen Belohnung, dass dann alle anderen Preisinstrumentarien wegfallen könnten". Angesichts der Unstimmigkeiten mit den Apothekern im Hinblick auf Zielpreisvereinbarungen stellte Hoffmann klar, dass die "Apotheke in ihrer jetzigen Struktur für den BAH einen wichtigen und unverzichtbaren Bestandteil für eine optimale Arzneimittelversorgung der Bevölkerung darstellt". Die Tatsache, dass im Fremdbesitz-Verfahren vor dem EuGH die Mehrzahl der Mitgliedstaaten die Auffassung vertrat, Regelungen zum Fremd- und Mehrbesitz seien ausschließlich eine Sache der Nationalstaaten, stimme ihn zuversichtlich, dass das Urteil "im Ergebnis nicht zu größeren Verwerfungen im deutschen Apothekenmarkt führen wird". Zu dieser "Erwartungstendenz" trage auch die EuGH-Entscheidung zur Arzneiversorgung von Krankenhäusern bei. Was das von den Apothekern angestrebte Verbot des Rx-Versandhandels betrifft, ist Hoffmann dagegen weniger optimistisch. Er sieht den Vorstoß Bayerns und Sachsens im Bundesrat in erster Linie durch den bayerischen Wahlkampf motiviert. Nachdem der Antrag im Gesundheitsausschuss des Bundesrates schon einmal vertagt wurde, glaubt er nicht, dass er nach der Landtagswahl erneut auf der Tagesordnung erscheinen werde – "obwohl der BAH das begrüßen würde", betonte Hoffmann.

Was die Selbstmedikation betrifft, konstatierte der BAH-Vorsitzende eine ökonomisch "leicht verbesserte" Situation. Der Verband und seine Mitgliedsunternehmen wollen jedoch weiterhin dafür sorgen, dass der Öffentlichkeit und der Fachöffentlichkeit der Stellenwert der rezeptfreien Arzneimittel – inklusive der Phytotherapeutika und der Homöopathika – vermittelt wird. Geschehen sei dies bereits mit einer Anzeigenkampagne in den Printmedien unter der Überschrift "Rezeptfrei aus der Apotheke heißt wirksam und gut verträglich"..

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