Wirtschaft

DAX: Weiter abwarten!

Wann wird der Kursrutsch des DAX gestoppt? Es gibt wenig Argumente für Optimisten

(hps). Optimisten haben derzeit an der Börse wenig zu lachen. Die Wall Street präsentiert sich weiter schwach und der DAX läuft Gefahr, stärker in diesen Abwärtsstrudel zu geraten. Der Index wird nur noch durch Flucht in die sogenannten "Defensivwerte" vor Schlimmeren bewahrt. Doch auch die Tage der Rohstoff- und Chemiewerte sollten bald gezählt sein.

Es stimmt bedenklich, dass die Wall Street bislang nicht einmal den Ansatz einer Erholung aufweist, obwohl der Markt bereits über 1000 Punkte verloren hat. Welches Kaninchen wollen die Optimisten jetzt noch aus dem Zylinder zaubern? Eine kräftige Zinssenkung im Rahmen von 0,5 Prozentpunkten wird von den Teilnehmern ja bereits erwartet. Auch angesichts der Konjunkturstützungsmaßnahmen, bei denen sich die Demokraten und Republikaner im US-Wahlkampf gegenseitig überbieten (die Finanzierungsfrage wird in den USA üblicherweise nicht gestellt), winken die Investoren derzeit nur müde ab.

Eine derart prekäre Marktsituation ruft regelmäßig die Chartanalysten auf den Plan. Der DAX liegt bereits unter der 200-Tage-Linie. Und ob man an diese Linealkünste glaubt oder nicht – den 200 Tagedurchschnitt haben viele Banken im Visier. Wird diese Marke nachhaltig unterschritten, dürften automatisch weitere Verkaufsaufträge ausgelöst werden.

Die Optimisten befinden sich derweil im Rückzugsgefecht und bedienen sich in ihrer Not mitunter skuriler Argumente. So wie die Tatsache, dass in Jahren mit US-Präsidentschaftswahlen der Dow Jones in 43 Wahljahren 29 Mal positiv abschloss. Da bleibt ein erhebliches Restrisiko.

Markteinschätzungen

Es liegt auf der Hand, dass in Zeiten, in denen möglicherweise eine Rezession zu befürchten ist, Aktien einen schweren Stand haben. In Schlagworten lässt sich das Problem folgendermaßen schildern: Der Durchschnittsamerikaner hat keine Reserven mehr. Seine Vermögenswerte in Form von Immobilien und Aktien sinken, die Arbeitslosenquote steigt, während das Leben im Zuge der haussierenden Ölpreise immer teurer wird. Es gibt Indizien, aber noch keine stichhaltigen Beweise für ein Durchschlagen der Kreditkrise auf die Unternehmensergebnisse. Deshalb dürfte ausschlaggebend sein, ob und inwieweit sich die Krise in den laufenden Quartalsberichten widerspiegelt. Symptomatisch dafür: Intel. Gute Quartalszahlen, aber schwacher Ausblick – das schlägt Wellen, die dann am Ende bis zu Infineon reichen.

Vor diesem Hintergrund sieht beispielsweise das Bankhaus Ellwanger und Geiger aus Stuttgart die Börse an einem markanten Punkt und befürchtet einen Rückschlag bis auf 7400 DAX-Punkte. Von den meisten Analysten, die ihr worst-case-Szenario bei 7600 bis 7700 Punkten angesetzt hatten, ist jetzt allerdings nur noch das Schweigen der Lämmer zu hören.

Fraglich ist, ob die Schätzungen insgesamt nicht zu optimistisch angesetzt sind. Die Banken legen ihren Zielkorridor immer nur unter dem Eindruck des aktuellen Kursgeschehens fest. Eine neuerliche Revision würde daher nicht überraschen. Zudem haben die Profis in Frankfurt zum Jahreswechsel die Situation an der Wall Street völlig falsch eingeschätzt. Dementsprechend steht der DAX im Verhältnis zur Wall Street noch viel zu gut da. Und zu was die Börse fähig ist, sieht man an dem 35%-Tagesverlust der Hypo Real Estate-Aktie am Dienstag letzter Woche.

USA: Feuer unterm Dach

Es ist wohl keine Frage mehr: Es brennt in Onkel Toms Hütte. Das kann man aus der jüngsten Rede von US-Notenbankchef (FED) Bernanke in Washington entnehmen. Dabei sprach er explizit von Rezessionsgefahren infolge hoher Ölpreise, sinkender Aktiennotierungen und fallender Immobilienpreise und deutete weitere Zinssenkungen an. Was aber früher an der Börse euphorisch gefeiert worden wäre, verursacht heute nur noch ein Strohfeuer. Nach Bernankes Zinskommentar schoss der Dow Jones um über 200 Punkte in die Höhe, gab aber die Gewinne tags darauf vollständig wieder ab. Am Börsenparkett hat man inzwischen erhebliche Zweifel, ob die Krise mit der Zinskeule zu bewältigen ist. Es mehren sich die Stimmen, angefangen von der New York Times bis zum American Enterprise Institute, die jene Rücksichtslosigkeit anprangern, mit der die FED rund 18 Jahre lang die Zinspolitik dazu benutzte, um eine Spekulationsblase nach der anderen zu produzieren. Dabei hatte man den Inflationsaspekt bewusst ignoriert. Aus diesem Blickwinkel gesehen wird auch verständlich, warum der Markt Bernankes Zinsversprechen mit Argwohn aufnimmt. Der Teufel soll mit dem Beelzebub ausgetrieben werden. Auf Investoren wirken inzwischen solche Feuerwehraktionen der FED eher beunruhigend. Noch beängstigender ist allerdings, dass es im Umgang mit der Krise keinerlei Rezept gibt. Außer der Rosskur.

Fazit

Ein milliardenstarkes Konjunkturpaket oder eine kräftige Zinssenkung können dem DAX kurzfristig zu einer Aufwärtskorrektur verhelfen. Das könnte auf einem Niveau von ca. 7500 Punkten der Fall sein. Doch es gilt die alte Börsenweisheit: Greife niemals in ein fallendes Messer! Bei diesem ökonomischen Umfeld haben die Märkte nicht besonders viel Spielraum nach oben, zumal die Mehrheit der Investoren in Frankfurt völlig vom aktuellen Börsengeschehen überfahren wird. Für eine nachhaltige Wende bräuchten wir einen deutlichen Anstieg der Beschäftigungszahlen in den USA, eine Stabilisierung der Immobilienpreise oder ein steigendes Verbrauchervertrauen. Nichts davon ist derzeit in Sicht. Also: Das Pulver auf dem Tagesgeldkonto trocken halten und geduldig warten. Die 7000 Punkte-Marke rückt bereits in greifbare Nähe. DAX am 16. Januar (15.50 h): 7544 Punkte.

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