Expopharm-Eröffnung 2008

MÜNCHEN (ral). Ist die von den Apothekern vorgeschlagene Alternative Zielpreisvereinbarung eine gute Alternative zu den Rabattverträgen? Oder führt sie zu einem Kellertreppeneffekt, und es muss stattdessen ein neues Sparmodell her? Hierüber konnten Hermann Keller, Vorsitzender des DAV, und Hans-Georg Hoffmann, Vorsitzender des BAH, in ihren Reden zur Eröffnung der diesjährigen Expopharm in München keinen Konsens finden. Einig waren sie sich jedoch darin, dass die Rabattverträge in der derzeitigen Form inakzeptabel sind.
BAH will Alternative zur Zielpreisvereinbarung vorstellen

Keller betonte, dass sich die Apotheker seit der Einführung der Rabattverträge zu diesem Einsparinstrument bekennen und es mit Leben erfüllen. Auch weiterhin sei man bereit, die Verträge umzusetzen – allerdings nicht zu jeder Bedingung. Die neuen Rabattverträge der AOK, die ab März 2009 gelten sollen und je Wirkstoff und Gebietslos nur noch einen Gewinner kennen, lehnte Keller rigoros ab. "Rabattverträge dürfen nicht zu Marktverzerrungen führen, die Versorgung der Patienten nicht beeinträchtigen und müssen praktikabel sein", stellte der DAV-Vorsitzende klar. Ein Minimum von drei Anbietern je Rabattwirkstoff und Gebietslos sei daher unbedingt notwendig.

Abgesehen von der mangelhaften Ausgestaltung ist es Keller zufolge insgesamt fraglich, ob die Rabattverträge ein geeignetes Einsparungsinstrument sind. Er verteidigte das vom DAV ins Spiel gebrachte Zielpreisvereinbarungsmodell. Bei einer bundesweiten Umsetzung könnten im laufenden Jahr 336 Mio. Euro "gehoben" werden. Dies müsse Grund für einen konstruktiven Dialog sein. Scharf kritisierte Keller den BAH, der in einer Stellungnahme das Modell in Gänze in Frage gestellt hat, da er einen Kellertreppeneffekt mit Absenkungen von 50 Prozent "über Nacht" dadurch befürchtet. "Wir werten die Stellungnahme als einen Angriff auf einen Partner im Arzneimittelmarkt. So geht man nicht mit Partnern um", sagte Keller. Er bemängelte zudem, dass von der Industrie bis heute keine eigenen Vorschläge entwickelt wurden.

Diese Bringschuld werde nun eingelöst, antwortete der BAH-Vorsitzende Hoffmann auf Kellers Angriff. Auf der Jahresversammlung des Verbandes in der kommenden Woche werde ein Gutachten des Gesundheitsökonomen Professor Jürgen Wasem unter dem Titel "Zentraler Erstattungspreis versus Rabattverträge – ein neues Modell zur Bestimmung des adäquaten GKV-Erstattungspreises" vorgestellt und diskutiert. Zu Einzelheiten des Modells wollte sich Hofmann vorab nicht äußern. Er wies jedoch darauf hin, dass man durchaus den Dialog mit den Apothekern suche, was unter anderem dadurch deutlich werde, dass der Hauptgeschäftsführer der ABDA, Dr. Hans-Jürgen Seitz, in der Diskussionsrunde dabei sei.

Einen ausführlichen Bericht von der Expopharm-Eröffnung 2008 finden Sie in der kommenden DAZ..

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