Herzstiftung kritisiert Rabattverträge

BERLIN (ks). Die Arzneimittel-Rabattverträge haben aus Sicht der Deutschen Herzstiftung bislang vor allem eines bewirkt: Sie haben viele Patienten verunsichert oder verärgert und zugleich das Risiko für eine unzuverlässige oder falsche Medikamenteneinnahme ansteigen lassen. Ganz besonders gelte dies für chronisch Kranke wie Herzpatienten, die dauerhaft Arzneimittel einnehmen müssen.

Häufiger Präparatewechsel ist nicht akzeptabel

"Nicht akzeptabel ist bei der derzeitigen Rabattvertragsregelung, dass sich der einzelne Patient an immer wieder wechselnde Fertigarzneimittel und Medikamentenverpackungen gewöhnen muss, selbst wenn ihm der Arzt jedes Mal das gleiche Präparat mit dem gleichen Wirkstoff verschreibt", kritisierte vergangene Woche der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Prof. Hans-Jürgen Becker. Doch aufgrund der immer wieder neuen Rabattverträge der Kassen mit mehreren und wechselnden Wirkstoffen komme es häufig vor, dass Patienten in der Apotheke ein anderes als das gewohnte Präparat erhielten. Verbunden sei der Wechsel in aller Regel mit einem neuen Namen des Präparats, einer neuen Verpackung und meist auch einem anderen Aussehen des Arzneimittels selbst. Dies verstünden viele Patienten nicht, so Becker. Verwirrungen gebe es insbesondere dann, wenn mehrere Medikamente nebeneinander einzunehmen sind. So identifizierten ältere Menschen diese oft nach Form und Farbe; bei einem fortwährenden Präparatewechsel bestehe die Gefahr, dass Arzneimittel versehentlich doppelt eingenommen, vergessen oder auch verwechselt werden.

Aus Sicht der Herzstiftung ist zudem Generikum nicht gleich Generikum. Hier könnten Wechsel durchaus kritisch sein, erklärte der Pharmakologe Prof. Thomas Eschenhagen vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Er verwies darauf, dass die gesetzlich vorgeschriebene Überprüfung der Bioäquivalenz eines Generikums nur auf das jeweilige Originalpräparat bezogen werde – Abweichungen der Generika untereinander würden dabei nicht untersucht. Diese Abweichungen könnten aber zum Teil erheblich sein und mitunter sogar zum Gesundheitsrisiko werden. "Zwar sind ein verstärkter Gebrauch von Generika und ein Preiswettbewerb bei diesen aus wirtschaftlichen Gründen durchaus sinnvoll", so Eschenhagen, "dies darf beim Patienten jedoch nicht auf Kosten der Arzneimittelsicherheit gehen". Die Herzstiftung fordert deshalb, es allen Patienten zu ermöglichen, bei ein- und demselben bewährten Präparat zu bleiben. .

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