DAX auf Kurs

(hps). Die Skepsis gegenüber dem jüngsten Anstieg beim DAX ist groß unter den Profis. Immer wieder verweisen die Akteure auf den schlechten Ist-Zustand der Wirtschaft, den sie so lange erfolgreich ignoriert hatten. Unterdessen bestehen gute Chancen, dass unser DAX schon ein bisschen weiter denkt.

Erholung beim deutschen Aktienbarometer setzt sich fort

"Nur eine Art Erleichterungsrallye" – hallt es aus dem US-Investmenthaus Wachovia Securities. Die Analysten von Standard&Poors sind ebenfalls negativ gestimmt und erwarten fallende Kurse – nur eben nicht so rasant wie bisher. Die Pessimisten mahnen zur Vorsicht. Die einen, weil nach allgemeiner Einschätzung ein Ende der Kreditkrise noch nicht absehbar sei. Die anderen, weil sie vor der laufenden Berichtssaison auf der Hut sind. Die meisten Experten haben dabei auf kurze Sicht beim DAX eher die 6000er Marke im Blickwinkel.

Erfahrene Anleger wissen indes, dass die Börse mitunter eine gewisse Eigendynamik entwickeln kann – allen Fundamentaldaten zum Trotz. Das passiert immer dann, wenn die Kurse entgegen den allgemeinen Schmährufen einfach nicht nachhaltig nachgeben wollen. Die Profis laufen so Gefahr, den Einstieg zu verpassen. Laut der jüngsten Umfrage von Merrill Lynch unter 191 Fondsmanager bezeichnen sich 40% davon als unterinvestiert. Dieser Handlungszwang kommt umso mehr zum tragen, als die Performance der institutionellen Anleger in diesem Jahr nur als erbärmlich bezeichnet werden kann. Wie soll man vor diesem Hintergrund dem Anleger erklären, dass man dann auch noch die – womöglich einzige – Rallye des Jahres verschlafen hat? Die Hausse nährt so die Hausse, auch wenn die Stimmen der Pessimisten mit zunehmender Zeit immer lauter werden sollten. Und zwischendrin müssen Sie als Anleger Ihr Geld verdient haben.

Zum aktuellen Börsengeschehen

Im Grundsatz lässt sich feststellen, dass das große Sorgenkind der Börse, die US-Finanzbranche, weit freundlichere Quartalszahlen vorlegen konnte, als befürchtet. Gleichzeitig stehen an der Rohstofffront die Händler offensichtlich noch unter Schock, nachdem das Schwarze Gold bereits den zweiten deutlichen Dämpfer binnen kurzer Zeit hinnehmen musste. Das Investmenthaus Lehman Brothers folgert daher, dass es an diesem Punkt nicht mehr viel an positiven Meldungen bedarf, um eine Rallye in Gang zu setzen. Das macht durchaus Sinn, denn die institutionellen Anleger sind durchweg unterinvestiert.

Von großer Bedeutung waren die positiven Zahlen von Baumaschinenhersteller Caterpillar, der mit einem Ergebnisplus von 34% gegenüber dem Vorjahr Hinweise auf die konjunkturelle Großwetterlage lieferte. Aber es gab auch Negativmeldungen. Apple lieferte einen nur verhaltenen Ausblick. Schlechte Ergebnisse kamen von American Express und dem Investmenthaus Wachovia. Dennoch waren beim DAX nur kurzzeitige Rückschläge zu beklagen – das dürfte die Pessimisten langsam nervös machen.

Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) legte dieser Tage seine 12-Monatsstatistik vor. Demnach verbuchten die Investmentfonds mit Schwerpunkt Deutschland binnen der letzten zwölf Monate einen Verlust von 21,5%. Zum Vergleich: Der DAX büßte im gleichen Zeitraum nur 19,8% ein. Interessant dabei: Selbst wenn man längere Betrachtungszeiträume zugrunde legt, sieht laut BVI die Performance der Fonds vergleichsweise blass aus. Auf Sicht von fünf Jahren zum Beispiel legte der DAX 22,7% zu, während Investmentfonds nur 12,7% im Plus lagen. Und auch im Langfristvergleich von 20 Jahren hat der DAX immer noch die Nase vorn. Dabei sind die Ausgabeaufschläge der Institute noch nicht einmal berücksichtigt. Offensichtlich mangelt es den Verantwortlichen an einer längerfristig ausgerichteten Anlagestrategie, anders ist diese Peinlichkeit nicht zu erklären. Dass die Fonds im Vergleich zur DAX-Performance dabei erst die eigenen Kosten hereinholen müssen, dürfte als Erklärungsansatz für diese schwache Leistung wohl kaum durchgehen.

Strategie

Seit seiner Trendumkehr musste der DAX kaum größere Rückschläge einstecken – ein gutes Zeichen. Man darf sich als Anleger etwas Gelassenheit gönnen, denn den Schwarzen Peter haben jetzt die unterinvestierten Investmentfonds. Unterstützend wirken auch die Ölmärkte, die einen empfindlichen Dämpfer hinnehmen mussten, was über so manch schlechteres Unternehmensergebnis hinwegtrösten dürfte. Daher gilt einmal mehr: Der Zielkorridor liegt bei 6800 bis 7000 DAX-Punkten.

Neben den bereits empfohlenen Werten Allianz (112,60), Commerzbank (21,45), Lufthansa (15,90), Adidas (39,05), TUI (15,40), BASF (42,30), Daimler (41,80) und SAP (35,40) erscheint ein Ausweiten des Engagements ratsam. Hierfür bietet sich Thyssenkrup (33,70) sowie ein Nachfassen bei Allainz und TUI an. DAX am 23. Juli (9.30 h): 6496 Punkte..

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