Arzneimittelinformation

Informationen für Apotheker beim DIMDI

Aus großen Datenmengen schnell Arzneimitteldaten, Angaben zu Medizinprodukten oder Fachliteratur herausfiltern – das ermöglicht das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) mit seinem Auftritt im Internet. Es bietet insgesamt 70 Datenbanken. Über Fertigarzneimittel und Arzneistoffe informieren insbesondere das Arzneimittelinformationssystem der deutschen Zulassungsbehörden (AMIS) und die Datenbanken des ABDATA Pharma-Daten-Service. Ein Online-Informationssystem enthält Angaben zu Medizinprodukten und Herstellern.
Das DIMDI ist in Köln in der Waisenhausgasse "zu Hause".

Das DIMDI bietet die speziell auf die Bedürfnisse von Fachkreisen ausgerichtete Spezialanwendung DIMDI PharmSearch an, deren Inhalt auf dem ABDAMED-Datenbestand basiert. Der Zugriff erfolgt kostenfrei mit einem DocCheck-Passwort über www.dimdi.de – Arzneimittel – DIMDI PharmSearch. Ein DocCheck-Passwort kann kostenfrei unter www.doccheck.de unter Vorlage eines Berufsnachweises beantragt werden. Wie bei ABDAMED gibt es die drei Module "Fertigarzneimittel", "Interaktionen", und "Anbieter".

Im Modul "Fertigarzneimittel" rufen Nutzer Informationen wie Handelsnamen, Zusammensetzung, Dosierung, Indikationen, Kontraindikationen oder unerwünschte Wirkungen und Preisangaben auf, die so ein umfassendes Dossier einer medikamentösen Behandlung ergeben.

Über direkte Verlinkung sind aus dem jeweiligen Dokument zum Fertigarzneimittel zusätzliche Informationen aus der Roten Liste und der Gelben Liste Identa (u. a. Abbildungen von Darreichungsformen) abrufbar. Der alle zwei Wochen aktualisierte Datenbestand umfasst alle apothekenüblichen Arzneimittel in Deutschland, weit über 100.000 Produkte. Nutzer können packungsbezogene und ökonomische Arzneimitteldaten wie Preise und Festbetragslisten abrufen.

Auf der übersichtlich gestalteten Oberfläche finden sich auch Anfänger zurecht: Eine einfache Suchfunktion erlaubt die Recherche über Handelsnamen, Wirkstoffnamen, Pharmazentralnummer oder ein beliebiges Schlagwort. In einer erweiterten Suche kann beispielsweise nach bestimmten Wirkstoffen in speziellen Darreichungsformen, nach der Verschreibungspflicht, Wirkstoffmenge, dem Importstatus der Präparate oder dem Anbieter gesucht werden.

Die Indikationsklassifikationen der ABDATA oder der ATC-Code (Anatomisch-Therapeutisch-Chemische Klassifikation) ermöglichen die systematische Suche von Fertigarzneimitteln, z. B. die in ABDATA mit "Antiparkinsonmittel/Dopaminerg wirkende/COMT-Hemmer" klassifizierten. Dadurch werden alle Fertigarzneimittel mit Wirkstoffen dieser Klasse gefunden, oder beispielsweise sämtliche antiallergisch wirkenden Ophthalmika.

Das Modul "Interaktionen" listet bekannte Wechselwirkungen zwischen Arzneien oder solche mit Nahrungs-/Genussmitteln (auch Alkohol) sowie Suchtstoffen auf. Datenquelle dafür ist die aktuelle klinisch-pharmakologische Literatur, die Zeitschriften, Fachinformationen und Standardwerke umfasst.

Beispiel Interaktionscheck

Sie suchen mögliche Interaktionen bei der Gabe von Acetylsalicylsäure mit anderen Arzneistoffen. In der DIMDI PharmSearch wählen Sie das Modul "Interaktionen" aus. Tragen Sie "Acetylsalicylsäure" in das Suche-Feld ein, und setzen Sie z. B. den Filter für schwerwiegende klinische Bedeutung. Angezeigt wird die Interaktion zwischen oralen Antikoagulanzien mit hoch dosierten Salicylaten. Mit einem Klick erhalten Sie weitere Angaben z. B. über den Wirkmechanismus oder den pharmakologischen Effekt. Nach der Eingabe mehrerer Arzneimittel bzw. eines Medikationsprofils des Patienten ergibt sich ein umfassender Interaktionscheck.

Amtliche Daten beim DIMDI

Das DIMDI bietet darüber hinaus das Arzneimittel-Informationssystem AMIS – Öffentlicher Teil an, das die Bundesoberbehörden (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie Paul-Ehrlich-Institut) pflegen. Die Datenbank im öffentlich zugänglichen Teil enthält umfangreiche Zulassungsdaten zu den in Deutschland zugelassenen, zu den im europäischen Verfahren zentral zugelassenen sowie zu ehemals zugelassenen Arzneimitteln. Dabei handelt es sich z. B. um Angaben wie Arzneimittelname, Verkehrsfähigkeit, Zulassungsinhaber, beschiedene und offene Änderungsanzeigen sowie Fach- und Gebrauchsinformationen. Über die beschiedenen Änderungsanzeigen ist die Historie zu jedem Fertigarzneimittel abrufbar. Da der "Lebenszyklus" eines Präparats auf diese Art über Jahre nachzuverfolgen ist, können Apotheker Anfragen von Patienten zu einer angeblich fehlenden Wirkung nachgehen und z. B. die Änderungen in der Zusammensetzung eines Präparats sichtbar machen.

Die offenen Änderungsanzeigen sind besonders wichtig für Parallelimporteure wegen der Änderungen beim Arzneimittel, auf das Bezug genommen wird.

Für den Zugang ist zurzeit ein Nutzungsvertrag mit dem DIMDI erforderlich. Ab März 2007 wird das Institut für AMIS zusätzlich eine Pay-Per-View-Option ohne Vertrag anbieten.

Das Angebot runden aktuelle Meldungen wie die amtlichen Bekanntmachungen aus dem Gesundheitsressort der Bundesanzeiger-Datenbank ab.

Weitere Angebote zum Arzneimittel

  • Adis Newsletters ist eine bibliographische Volltextdatenbank zu den wichtigsten Entwicklungen aus den Bereichen Arzneimittel und Arzneitherapie. Inhaltlich entspricht sie den drei pharmazeutischen Zeitschriften: Reactions (u. a. Pharmakovigilanz), Inpharma (Aktuelles zur Arzneitherapie) und PharmacoEconomics & Outcomes News (ökonomische Aspekte der Arzneitherapie).
  • MEDLINE ist eine Literaturdatenbank für das gesamte Gebiet der Medizin mit deutschen Schlagworten, über Medline Direct kostenfrei abrufbar.
  • AMED (Allied and Alternative Medicine) enthält Nachweise über englischsprachige Literatur zu Naturheilverfahren und den besonderen Therapierichtungen. Quellen sind europäische Zeitschriften, Bücher und Zeitungen.
  • Derwent Drug File enthält Literaturnachweise aus über 40 Ländern zu Arzneimitteln. Quellen sind Zeitschriften und Konferenzberichte.
  • EMBASE setzt Schwerpunkte auf Arzneimittel und Wirkstoffe sowie Gesundheitsökonomie.

Der Zugang: www.dimdi.de

In der linken Navigationsspalte auf der DIMDI-Website finden Nutzer unter "Arzneimittel", "Datenbankrecherche" oder "Medizinprodukte" den Einstieg in das jeweilige Thema. Nach dem Klick auf die Startseite und einem Klick auf Datenbankrecherche erscheint im Textfeld in der Mitte "Recherche Einstieg", der Zugang zu allen kostenfreien und den meisten kostenpflichtigen DIMDI-Datenbanken ohne Vertrag. Danach können Apotheker die Datenbankvorauswahl "Medizinische Fachliteratur" anklicken oder eine eigene Auswahl treffen.

Der Schnelleinstieg gelingt von dimdi.de aus jedem Bereich in der rechten Navigationsspalte über "Datenbankrecherche". Hier können Apotheker ihre Recherche direkt in einer Vorauswahl zu Arzneimitteln oder Medizinprodukten starten, eine eigene Datenbankauswahl treffen oder "Medline Direct" anklicken.

Kostenfreie und kostenpflichtige Datenbanken

Direkt – ohne Vertrag mit dem DIMDI – können Apotheker in fast 70 Datenbanken recherchieren und sich kostenfreie Dokumente aus rund 35 Datenbanken ausgeben lassen. Bei entgeltpflichtigen Datenbanken können die Dokumente dann einzeln online per Kreditkarte bezahlt werden. Bei der Suche hilft die menügeführte Suchoberfläche SmartSearch. Hier kann der Nutzer zwischen der "einfachen Suche" für schlichte Fragen, der "erweiterten Suche" mit mehr Filtern für komplexe Anfragen oder der "Expertensuche" für Profis wählen.

Wer regelmäßig recherchiert, sollte einen Nutzungsvertrag mit dem DIMDI abschließen (100 Euro pro Jahr). Vorteile sind niedrigere Recherchekosten und zusätzliche Recherchefunktionen wie fachspezifisch vordefinierte Datenbankgruppen (sogenannte Superbases), in denen man parallel recherchieren kann. Dem Fachgebiet Arzneimittel sind insgesamt 21 Literaturdatenbanken zugeordnet. Ähnliche Gruppierungen gibt es für die Fachgebiete Toxikologie und Medizinprodukte.

Nach der Recherche in bibliographischen Literaturdatenbanken wie Medline können Interessenten online die gewünschte Literatur als Volltext bestellen, die die Bibliotheken oder subito, der Dokumenten-Lieferdienst der deutschen Bibliotheken, anschließend liefern. Direkt können elektronische Volltexte mithilfe eines sogenannten Linkresolvers auch im Internet erreicht werden, eine Neuerung beim DIMDI seit August 2006. Hier verbindet ein Verknüpfungsdienst (SFX) die beim DIMDI recherchierten Literaturzitate direkt mit den Anbietern der entsprechenden Zeitschrift.

Anschrift der Verfasserinnen:

Sylvia Schlutius, Susanne Imhoff-Hasse

DIMDI, Waisenhausgasse 36–38a, 50676 Köln

presse@dimdi.de
Aufgaben des DIMDI
Das DIMDI, eine nachgeordnete Behörde des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), stellt ein hochwertiges Informationsangebot für alle Bereiche des Gesundheitswesens zur Verfügung: Rund 70 medizinische Datenbanken liefern Informationen über Fachliteratur, toxikologische Fakten, aktuelle Meldungen u. v. m. Das Institut gibt die amtliche deutsche Fassung der Anatomisch-Therapeutisch-Chemischen Klassifikation (ATC) heraus. Es ist auch Herausgeber der deutschen Versionen von medizinischen Klassifikationen wie der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD), dem Operationenschlüssel (OPS), dem Thesaurus Medical Subject Headings (MeSH), der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) oder der weltweiten Nomenklatur zur Verschlüsselung von Medizinprodukten (UMDNS). Es betreut medizinische Ordnungssysteme wie Identifikationsnummern (Alpha-ID), das System zur standardisierten Beschreibung von Befunden (LOINC) und Objekt-Identifikatoren (OID). Außerdem betreibt das Institut Informationssysteme für Arzneimittel, Medizinprodukte und Health Technology Assessment (HTA) und bietet zusätzliche Informationen zur Telematik im Gesundheitswesen an. Das DIMDI koordiniert überdies IT-Projekte im BMG.
Typen von Datenbanken beim DIMDI
  • Literaturdatenbanken, enthalten Literaturhinweise auf Fachzeitschriftenartikel oder Konferenz- und Forschungsberichte, Bücher, Zeitungsartikel und Dissertationen. Nachgewiesen werden Autoren, Titel, Quelle oder Schlagwörter, zum Teil auch Volltexte. Die größten Literaturdatenbanken aus der Medizin und Pharmazie sind Medline, Embase, Derwent Drug File, Adis Newsletters, Biosis Previews, IPA (International Pharmaceutical Abstracts) und Scisearch.
  • Faktendatenbanken, z. B. ABDA-Datenbanken und AMIS, enthalten unterschiedlichste Hinweise wie z. B. Angaben über Fertigarzneimittel, Interaktionen, chemische Substanzen oder Gefahrstoffe. Die Dokumente enthalten die gesamte vorliegende Information zu einem Sachverhalt.
  • Darüber hinaus: Produkt- und Adressdatenbanken, Projektdatenbanken sowie Faktendatenbanken.

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.