Arzneimittel und Therapie

Typ-2-Diabetes

Rimonabant senkt den HbA1c so gut wie orale Antidiabetika

Der Cannabinoid-Rezeptor-Blocker Rimonabant (Acomplia®) braucht sich hinsichtlich seiner blutzuckersenkenden Wirksamkeit nicht hinter oralen Antidiabetika zu verstecken. Das machen die Ergebnisse der Serenade-Studie (Study Evaluating Rimonabant Efficacy in Drug-Naive Diabetic Patients) deutlich. Im Vergleich zu Placebo bei Typ-2-Diabetikern verbesserte es signifikant die Blutzuckerkontrolle und reduzierte deutlich das Gewicht und weitere Risikofaktoren wie HDL-Cholesterin und Triglyceride.

Als antiadipös wirksames Arzneimittel mit korrespondierenden Effekten auf das metabolische Syndrom wurde Rimonabant eingeführt. Dabei kann die Substanz den Blutzucker ebenso effektiv senken wie insulinotrop wirksame Präparate wie zum Beispiel Repaglinide. Die derzeitige Einstufung von Rimonabant als Life-Style-Präparat scheint diesem Potenzial somit nicht gerecht zu werden.

In der Serenade-Studie wurde Rimonabant erstmals nicht auf den primären Endpunkt Gewichtsreduktion hin getestet. Randomisiert und doppelblind gegen Placebo kam es in erster Linie vielmehr darauf an, die blutzuckersenkende Potenz zu überprüfen. Primärer Studienendpunkt war ausschließlich der Langzeitglucosewert HbA1c Erst danach, als sekundäres Studienziel, sollte das Körpergewicht und der Taillenumfang eine Rolle spielen. Und hier wurden auch die weiteren Parameter des metabolischen Syndroms, Fettstoffwechsel und Blutdruck, berücksichtigt.

Aufgenommen wurden 281 neu diagnostizierte, bislang unbehandelte Typ-2-Diabetiker mit HbA1c -Werten zwischen 7 und 10%. Eine Gewichtsabnahme um mehr als fünf Kilogramm innerhalb der letzten drei Monate vor Studienbeginn führte zum Ausschluss. Auch wenn ein Body-mass-Index (BMI) über 27 kg/m2 kein Einschlusskriterium darstellte, lagen alle Studienteilnehmer dennoch über dieser Marke, was den engen Zusammenhang von Typ-2-Diabetes und Übergewicht widerspiegelte. Der durchschnittliche BMI betrug 34,5 kg/m2 bei einem Körpergewicht von 96,5 kg. Alle Probanden erhielten auf Basis einer um 600 kcal reduzierten Kost und der ärztlichen Empfehlung, sich körperlich mehr zu betätigen, sechs Monate lang Rimonabant 20 mg 1 x täglich oder Placebo.

Vom durchschnittlichen HbA1c -Ausgangswert 7,9% aus gelang es der Verum-Gruppe im Schnitt 0,8% tiefer aus dem Rennen zu gehen. Die Placebo-Gruppe schaffte – wohl aufgrund der Allgemeinmaßnahmen – eine Reduktion um immerhin 0,3%. Der Unterschied war statistisch signifikant. Noch deutlicher fiel die Differenz aus, wenn die HbA1c -Werte anfangs über 8,5% lagen. Unter Rimonabant kam es hier zu einer signifikanten Abnahme um 1,9% vs. 0,7% in der Placebo-Gruppe. Einen HbA1c -Zielwert unter 7% erreichte insgesamt mehr als die Hälfte aller Probanden der Verum-Gruppe.

Kardiovaskuläre Risikofaktoren reduziert

Die HbA1c -Absenkung ging einher mit einer metabolisch günstigen Gewichtsreduktion um durchschnittlich 6,7 kg unter Rimonabant vs. 2,7 kg unter Placebo, die sich insbesondere in einem geschrumpften Taillenumfang um 6,1 cm vs. 2,4 cm niederschlug. Die Glucosekontrolle sollte jedoch mindestens zur Hälfte auf substanzspezifische Effekte und nicht auf die reine Gewichtsabnahme zurückzuführen sein. Das jedenfalls legen konsistente Ergebnisse aus dem RIO-Diabetes-Studien-Programm nahe, das über alle Gewichtsklassen hinweg durchgängig und unabhängig HbA1c -Senkungen zeigte.

Auf Seiten der sekundären Studienziele verbesserten sich unter Rimonabant ferner die Blutfette signifikant und im Trend auch die Blutdruckwerte. So stiegen die HDL-Cholesterin-Werte um 10,1 vs. 3,2% in der Placebo-Gruppe. Und die Triglyceride sanken um 16,3 vs. 4,4%. Der Blutdruck ging um 5/1,2 mmHg zurück, was gegenüber Placebo aber nicht statistisch signifikant war und wahrscheinlich hauptsächlich auf die viszerale Fettreduktion zurückzuführen ist.

Die Abbruchrate aufgrund von unerwünschten Arzneimittelwirkungen während der Studie lag bei 9,4 vs. 2,1%. Die häufigsten Nebenwirkungen, die zum Behandlungsabbruch führten, waren Übelkeit, depressive Stimmung und Parästhesien mit jeweils 2,2%.

Quelle

Prof. Dr. Stephan Jacob, Villingen-Schwenningen: Pressekonferenz "The Role of Rimonabant in the Management of Treatment-Naive Type-2-Diabetes", Berlin, 5. Dezember 2006, veranstaltet von der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt.

Martin Wiehl, freier Medizinjournalist
Cannabinoid-1-Rezeptorantagonist Rimonabant.
Neue Arzneimittel 2007, Nr. 1, S. 2 –6.

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