Selbstmedikation

Akne – da blüht der Haut etwas

Typischerweise sind Jugendliche von ihr betroffen: Akne. Die pathophysiologischen Hintergründe dieser Hautkrankheit sind inzwischen recht gut verstanden. Daraus leiten sich die heute genutzten rationalen Therapiemöglichkeiten ab. Zwar sind viele Präparate der ärztlichen Verschreibung vorbehalten. Doch die verfügbaren rezeptfreien Präparate sowie spezielle Dermokosmetika bieten in der Apotheke genügend Spielraum, um in leichteren Akne-Fällen den Betroffenen eine zufriedenstellende Beratung anbieten zu können.
Aknetherapie braucht Zeit.
Bei leichter Akne ist es oft ausreichend, die Haut regelmäßig mit milden Reinigungsprodukten und alkoholischem Gesichtswasser zu reinigen und zu pflegen. Bei schwerer Akne ist der Weg zum Hautarzt unumgänglich. Ziel der richtigen Hautreinigung und einer Behandlung ist es, die überschießende Talgbildung der Haut zu unterdrücken, Entzündungen und bakterielle Infektionen zu bekämpfen sowie Verhornungsstörungen zu beseitigen und die Neubildung der Haut anzuregen.

Quelle: Lennecke, K.: Selbstmedikation für die Kitteltasche, Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart (2004).

Die Etymologie verrät schon einiges über das Krankheitsbild der Akne: Das Wort leitet sich vom griechischen "akme" für "Spitze, Blüte" ab. Der Begriff steht für eine der häufigsten Dermatosen, die Talgdrüsen, Haarfollikel und umgebendes Gewebe betrifft. Hauptlokalisation sind die talgdrüsenreichen Hautregionen an Gesicht, Dekolleté und Rücken. Über 80% der Teenager sind von diesem multiformen Krankheitsbild betroffen, Jungen meist intensiver als Mädchen. Etwa jeder Dritte bedarf einer Behandlung. Je früher eine Akne beginnt, desto schwerer ist in der Regel ihr Verlauf. Während des dritten Lebensjahrzehnts klingen die Akne-Effloreszenzen meist spontan wieder ab. In Einzelfällen können sie jedoch bis über das 30. Lebensjahr hinaus persistieren.

Pathogenetische Trias

Die Akne-Disposition ist erblich. Waren beide Elternteile von dieser Hauterkrankung betroffen, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Pubertäts-Akne ihres Nachwuchses bei über 50%. Die Ausprägung einer Akne wird durch das Zusammenspiel dreier pathogenetischer Kernfaktoren bestimmt: Seborrhoe, follikuläre Hyperkeratose, Proliferation von Propionibakterien. Die Basis bildet die Androgen-bedingte Seborrhoe. Dies erklärt auch den Erkrankungsgipfel in der Pubertät und die stärkere Krankheitsausprägung bei männlichen Patienten. Parallel kommt es zur androgenprovozierten Hyperkeratose im Talgdrüsenausführungsgang. Man postuliert dabei eine individuell erhöhte Reaktionsbereitschaft der Talgdrüsen und Epithelien auf physiologische Androgenkonzentrationen. Wird die Follikelöffnung durch einen Pfropf aus Sebum, dem in den Talgdrüsen produzierten Hauttalg, und abgeschilferten Keratinozyten verschlossen, kommt es zum Talgstau. Der Follikelinhalt kann nicht mehr nach außen abfließen, die Primäreffloreszenz der Akne, ein Komedon (Mitesser), ist entstanden.

Bakterien besorgen den Rest

Im Komedon herrschen anaerobe Bedingungen, unter denen bestimmte Keime der Hautflora, allen voran das Propionibacterium acnes, die Oberhand gewinnen. Ihre bakteriellen Lipasen setzen aus den reichlich vorhandenen Sebumtriglyceriden Fettsäuren frei, die das Gewebe reizen und die Follikelwand angreifen. Dies ruft Bestandteile des Immunsystems auf den Plan – ein lokaler Entzündungsherd ist entstanden und ein Pickel wird sichtbar. Da das Talgdrüsen-Infundibulum durch die anwachsenden Talgmassen immer weiter aufgedehnt und die Follikelwand zunehmend entzündlich geschädigt wird, kommt es früher oder später zur Follikelruptur. Dabei ergießt sich das Follikelinfiltrat in das perifollikuläre Bindegewebe und verursacht dort weitere Entzündungsherde, die dann als Papeln und Pusteln die Aknehaut prägen. Wenn diese konfluieren, können Abszesse entstehen, die nach dem Abheilen kraterartige Narben hinterlassen.

Black- und Whiteheads

Die aknetypische Vergröberung des Hautbildes ist eine Folge der Komedonen, die mit der Zeit die umliegenden elastischen Fasern des Coriums überdehnen. Komedonen lassen sich in offene Blackheads und geschlossene Whiteheads unterteilen. Offene Komedonen enthalten eine wurstförmige, kompakte Masse aus Sebum, Korneozyten und Bakterien und lassen sich mechanisch vergleichsweise leicht aus der Haut entfernen. Ihre schwarze Kappe entsteht nicht etwa durch Schmutz oder Oxidationsprodukte, sondern durch Melanin. Daher haben dunkelhäutige Personen oft besonders dunkle Komedonen. Blackheads neigen weniger zu entzündlicher Ausbreitung als Whiteheads. Letztere sind durch eine dünne, gespannte Epithelschicht verschlossen, durch die ihr beutelförmiger Inhalt hell durchschimmert. Beim Herummanipulieren besteht hier die Gefahr, dass der Follikelinhalt nicht den Weg nach außen findet, sondern nach innen gedrückt wird und dort dann noch größere Entzündungsherde nach sich zieht.

Drei klinisch relevante Formen

Die Akne vulgaris ist eine sehr polymorphe Dermatose. Um beurteilen zu können, welche Form noch selbstmedikationsfähig ist, sollte man die drei wichtigsten klinischen Formen kennen:

  • Die Acne comedonica ist gekennzeichnet durch offene und geschlossene Komedonen, die vor allem an Stirn, Nasolabialfalten, Nase und perioral lokalisiert sind. Das Erscheinungsbild der Haut ist zwar unrein, jedoch wenig entzündlich.
  • Das Bild der Acne papulopustulosa prägen neben Komedonen entzündliche Papeln und Pusteln. Außer Gesicht und Hals sind oftmals auch Dekolleté, Rücken und Oberarme betroffen. Größere Effloreszenzen können narbige Veränderungen zurücklassen.
  • Die schwerste Akne-Form, die Acne conglobata, betrifft in erster Linie das männliche Geschlecht. Kennzeichnend sind neben Komedonen, Papeln und Pusteln konfluierende, hämorrhagisch-eitrige, schmerzhafte Knoten in der Haut. Lebenslängliche Narben sind die Folge.

Während eine Acne comedonica praktisch immer und sehr leichte Fälle von Acne papulopustulosa manchmal der Selbstmedikation zugänglich sind, ist bei einer Acne conglobata eine ärztliche Behandlung obligat.

Neugeborenen-Akne


Säuglinge entwickeln manchmal direkt nach der Geburt oder in den ersten Lebenswochen vorwiegend an den Wangen akneforme Pusteln und Papeln (Acne neonatorum). Man macht für diese Hauterscheinungen eine erhöhte passagere Androgen-Ausschüttung bzw. eine gesteigerte Androgen-Empfindlichkeit der Talgdrüsen verantwortlich. Normalerweise bildet sich eine Neugeborenen-Akne spontan nach wenigen Monaten zurück. Schwere Formen gehören in die Hand eines Arztes.

Professionelle Aknetoilette

Im Idealfall gelingt es Ihnen in der Apotheke durch einfühlsame, geduldige Beratung, Akne-Patienten vom eigenmächtigen Pickelausdrücken abzuhalten und dazu zu bewegen, sich in die Hand einer professionellen Kosmetikerin zu begeben. Für Patienten mit gravierenden Hautproblemen ist dies auch unbedingt anzuraten. Dabei ist der erhobene Zeigefinger fehl am Platz, vielmehr ist Aufklärung gefragt: "Beim Pickelausdrücken kann der Schuss leicht nach hinten losgehen. Wenn der Inhalt nicht an die Hautoberfläche, sondern tiefer ins Gewebe gepresst wird, bilden sich dort umso mehr Entzündungsherde". Trotz überzeugender Argumente zeigt jedoch die Realität, dass fast jeder, der an Hautunreinheiten leidet, irgendwann versucht, sich dieser selbst zu entledigen. Dann sollten zumindest die Grundregeln der Aknetoilette bekannt sein:

  • Hände und Gesicht gründlich waschen
  • die Haut mit einem Kamillendampfbad oder warm-feuchten Kompressen etwas aufweichen
  • nur Blackheads und reife Pickel in Angriff nehmen
  • Whiteheads zuvor mit einer desinfizierten Nadel oder sterilen Kanüle oberflächlich vorsichtig aufstechen
  • möglichst einen Komedonen-Entferner einsetzen
  • den Follikelinhalt seitlich aus der Tiefe mit leichtem Druck anheben
  • ohne Gewalt und nicht mit spitzen Fingernägeln operieren
  • die behandelte Stelle nachdesinfizieren (z. B. Ethanol 90%, desinfizierendes Gesichtstonikum)

Eine sanftere Alternative zum Ausdrücken ist, den Pickel durch vorsichtiges Wegziehen der umliegenden Haut in alle vier Richtungen gefühlvoll herauszukatapultieren!

Mit Ammenmärchen aufräumen

Auch heute noch ranken sich zahlreiche kuriose Mythen um Auslöser und Provokationsfaktoren der Akne. Nutzen Sie in der Apotheke den direkten Draht zum Kunden, um damit aufzuräumen! So hat diese Hautkrankheit definitiv nichts mit mangelnder Hygiene zu tun (oft ist eher das Gegenteil der Fall). Außerdem ist Akne keine Infektionskrankheit und somit auch nicht ansteckend! Auch Umweltverschmutzung, häufiger Sex oder Onanieren beeinflussen den Akne-Verlauf nicht. Außerdem lohnt es sich gerade bei jungen Patienten genau hinzuhören, ob bzw. welche Hausmittelchen eingesetzt werden. So hat es schon mancher mit Backpulver, Essig, Kaffeesatz, Zucker, Salz und Hämorrhoidensalbe probiert. Der Irrglaube, Zahnpasta sei ein probates Mittel, hält sich besonders hartnäckig. Da hilft nur: Zeigen Sie den Betroffenen wirksame Alternativen auf!

Akne und Ernährung


Bis jetzt existieren keine wissenschaftlichen Nachweise für generelle nutritive Einflüsse auf die Akne. Die früher propagierten Akne-Diäten entbehren somit jeder rationalen Grundlage. Allerdings hört man von Patienten immer wieder, dass bestimmte Speisen ihre Akne verschlimmern (z. B. Chips, Eis, Süßigkeiten, Nüsse, Limonade, Schalentiere, Schweinefleisch, Ketchup, stark Geräuchertes, scharfe Gewürze, Alkohol). Dennoch wird landläufig der Einfluss, den die Ernährung auf diese Hautkrankheit hat, eher überschätzt. Fazit: Um eine zusätzliche Belastung von Akne-Patienten abzuwenden, sollte man sie von strengen Diätvorschriften abhalten. Die individuelle Empirie der Betroffenen gilt es jedoch zu respektieren. Extrem fette Speisen mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren zu meiden, kann schon unter allgemeinen gesundheitlichen Erwägungen empfohlen werden.

Bevor Sie in die Schublade greifen ...

... sollten Sie folgende Punkte abklären:

  • Sind die Hautveränderungen plötzlich aufgetaucht oder gehen sie mit intensivem Juckreiz einher? Dann liegt vermutlich eine andere Dermatose vor, was fachärztlich abgeklärt werden muss.
  • Befindet sich der Betroffene im typischen Akne-Alter? Personen jenseits der 20 mit starker, altersuntypischer Akne müssen zunächst einen Dermatologen konsultieren.
  • Dominieren nicht Komedonen, sondern entzündliche Effloreszenzen das Hautbild? Dann ist eine ärztliche Therapie unumgänglich.
  • Erhält der Betroffene bereits eine ärztliche Behandlung? Wenn ja, erübrigt sich Ihre Beratung keinesfalls. Schließlich können geeignete Dermokosmetika wesentlich zur Hautnormalisierung beitragen.
  • Hat Ihnen die Präparate-Empfehlung vom letzten Mal geholfen? Wenn nicht, fragen Sie nach Anwendungsdauer, -frequenz sowie möglichen Nebenwirkungen. Denn eine Akne-Therapie erfordert viel Geduld. Übrigens: Die Non-Compliance liegt bei Akne-Patienten laut Untersuchungen mit 35 bis 51% recht hoch.

Vielseitiges Benzoylperoxid

Für die topische Akne-Selbstbehandlung gilt Benzoylperoxid (BPO) als Mittel der Wahl. Die marktüblichen Präparate enthalten Konzentrationen zwischen 2,5 und 10%. Während Suspensionen und Emulsionen (z. B. Benzaknen® W, PanOxyl® W Emulsion) nach ein bis zwei Minuten Einwirkzeit wieder gründlich abgewaschen werden, verbleiben Cremes und Gele auf der Haut (z. B. Benzoyt® Creme, Sanoxit® Gel).

Benzoylperoxid wirkt antibakteriell durch Freisetzung aktiver Sauerstoffspezies und trifft somit vor allem anaerobe Keime wie Propionibacterium acnes Außerdem hemmt BPO die follikuläre Hyperkeratose. Ein compliancefördernder Hinweis für Erstanwender: "Zu Behandlungsbeginn kann sich das Hautbild mit Rötung, Brennen und Schuppung vorübergehend verschlechtern. Halten Sie bitte trotzdem durch, denn nach vier bis sechs Wochen werden sich Komedonen und Pusteln zunehmend verabschieden."

Das sollten Sie dem BPO-Anwender sagen

Initial empfiehlt sich die 1 x tägliche Anwendung 3%iger Benzoylperoxid-Formulierungen, vorzugsweise abends 15 Minuten nach der Hautreinigung. Wird diese Konzentration toleriert, kann man wenn nötig auf 2 x täglich 5% übergehen. Die 10%igen Zubereitungen sind für Brust und Rücken vorgesehen. Instruieren Sie Ihren Kunden, beim Auftragen Augen, Nasenlöcher und Mund großzügig auszusparen, da der Wirkstoff die Schleimhäute irritiert. Erodierte Hautstellen müssen wegen Sensibilisierungsgefahr ebenfalls gemieden werden. Außerdem ist eine intensive UV-Exposition (Sonnenbäder, Solarium) der behandelten Areale tabu. Ebenfalls erwähnenswert: "Dieses Mittel bleicht bei direktem Kontakt Textilien und Haare. Halten Sie daher zu Augenbrauen, Bart oder Haargrenze einen Sicherheitsabstand!"

Außerdem gibt es da noch ...

Auch das Keratolytikum Salicylsäure steht zur Akne-Selbstbehandlung zur Verfügung (z. B. Aknefug® -liquid). Es wird manchmal in Kombination mit anderen Wirkstoffen wie Milchsäure eingesetzt (z. B. Akaderm® Tinktur N). Salicylsäure soll die obersten Hautschichten erweichen und den Talgstau auflösen. Von den üblichen 0,5- bis 1%igen Salicylsäure-Zubereitungen kann jedoch kein durchschlagender keratolytischer Effekt erwartet werden.

Sulfoniertes Schieferöl alias Natriumbituminosulfonat (z. B. in Aknichthol® , Aknederm® Salbe Neu) hat in der Akne-Therapie lange Tradition. Es soll die Talgdrüsenaktivität drosseln sowie leicht antiinflammatorisch und antibakteriell wirken. Auch die innere Anwendung ist möglich (z. B. Ichthraletten®). Wegen Berichten über komedogene und irritative Effekte lehnen allerdings manche Experten Natriumbituminosulfonat für die Akne-Behandlung ab. Die früher beliebten Schwefel-Zubereitungen gelten heute als obsolet.

Reinigung ist das A und O

Akne-Haut reagiert besonders empfindlich auf ungeeignete Kosmetika. Orientieren Sie sich daher im HV an Pflegeprodukten, die speziell für unreine Haut entwickelt wurden. Das A und O ist dabei die richtige, zweimal tägliche Hautreinigung. Da Seifen komedogene Fettsäuren hinterlassen, eignen sich ausschließlich seifenfreie, milde, sebumreduzierende Waschsyndets (z. B. von Effaclar® , Dermowas® , Sulfoderm® S Teint Syndetseife), Waschgele (z. B. Eucerin® sebumreduzierendes Reinigungsgel) oder eine O/W-Reinigungsmilch (z. B. Roche Posay Toleriane®). Mit ihrem physiologischen pH-Wert erhalten sie den natürlichen Säureschutzmantel der Haut. Ein nachgeschaltetes, schwach alkoholisches Gesichtswasser desinfiziert und tonisiert die Haut (z. B. Widmer® Tonique facial).

Abrasiva entfernen mechanisch oberflächliche Verhornungen und Komedonen. Sie enthalten meist runde Schleifpartikel aus Aluminiumoxid (z. B. Brasivil®) und können bei unreiner Haut mehrmals wöchentlich angewendet werden. Im stark entzündlichen oder eitrigen Akne-Stadium sind Peelings jedoch kontraindiziert, da sie die Effloreszenzen öffnen und deren entzündlichen Inhalt verteilen würden.

Mehr als nur Kosmetik

Grundregel für die dermopharmazeutische Beratung: Akne-Patienten dürfen keine fettreichen Kosmetika anwenden, da deren Okklusiveffekt aknefördernd wirkt. Auf dem Markt stehen zahlreiche fettarme, rasch einziehende, mattierende O/W-Cremes zur Auswahl. Fragen Sie Ihre Kunden nach bisherigen Produkterfahrungen, bevor Sie einen eigenen Pflegevorschlag machen.

Gerade für junge Akne-Patientinnen ist wichtig zu erfahren, dass grundsätzlich nichts gegen das Auftragen eines kaschierenden Make-ups (z. B. Normateint von Vichy) spricht. Hierzu bieten sich auch getönte Puder oder spezielle Abdeckstifte (z. B. Sulfoderm® S Teint Stick) an.

Vorsicht komedogen!


Wer zu Hautunreinheiten neigt, sollte Dermatika mit komedogenen Inhaltsstoffen wie Vaseline, Lanolin, Natriumlaurylsulfat, Isopropylmyristat etc. meiden. Weniger bekannt ist, dass außer Cortison ("Steroid-Akne") noch eine Reihe weiterer klinisch bedeutsamer Arzneistoffe bei der systemischen Anwendung Akne auslösen bzw. verschlimmern können. Dazu zählen: Kaliumjodid, Vitamin B1, B6, B12, Vitamin D, Thyreostatika, Lithium, Phenytoin, Cyclosporin A, Chinin, Phenobarbiturate, androgene Gestagene, Anabolika ("Doping-Akne").

Empfehlungen über den Tellerrand hinaus

Auch wenn die Datenlage darüber noch recht dünn ist: Die orale, mehrwöchige Zinksupplementierung soll sich bei entzündlichen Akne-Formen positiv auswirken. Saccharomyces boulardi (z. B. Perenterol®) ist offiziell als Adjuvans bei chronischen Akne-Formen indiziert. Der genaue Wirkmechanismus ist allerdings noch nicht geklärt.

Bekanntlich leiden Akne-Patienten parallel oft an fettigem Haar und Kopfschuppen. Ein spezielles talgregulierendes Anti-Schuppen-Shampoo (z. B. Kerium® Shampoo-Gel) kann somit eine nützliche Pflegeergänzung sein. Und denken Sie ruhig auch mal an ganz Praktisches wie z. B. Einmal-Waschlappen oder -handtücher (z. B. von Duniwell®), denn damit lässt sich ein Akne-Beratungs-Paket schön schnüren.


Quellen

Lennecke, K.: Selbstmedikation für die Kitteltasche, Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart (2004).

Schwabe, U.; Paffrath, D.: Arzneiverordnungsreport 2005, Springer Medizin Verlag, Heidelberg (2005).

Gesenhues, S.; Ziesché, R.: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin, Urban & Fischer Verlag, München (2006).

Bender, S.: Körperpflege-Kunde, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart (2000).

Lennecke, K.; Lengeling, S.; Hagel, K.; Grasmäder, K.; Liekweg, S.; Therapieprofile für die Kitteltasche, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart (2003).

Braun-Falco, O.; Plewig, G.; Wolff, H.H.: Dermatologie und Venerologie, Springer Verlag Berlin Heidelberg New York (2002).

Presseinformation zur Compliance in der Akne-Therapie, Galderma GmbH Düsseldorf, 26. Oktober 2006.

DAZ 2006, Nr. 8, S. 91-92.


Apothekerin Christiane Weber

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