Nahrungsergänzung

Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA)

Die längerkettigen ungesättigten Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) besitzen eine ausgeprägte triglyceridsenkende Wirkung und erweitern in vielen Bereichen die lipidmodulierende Effektivität der CSE-Hemmer (Statine), insbesondere in der Therapie komplexer Dyslipoproteinämien.

Omega-3-Fettsäuren wirken antiarrhythmisch, entzündungshemmend, blutdrucksenkend und endothelprotektiv. Wenn sie zusätzlich zu einem CSE-Hemmer gegeben werden, verstärken und erweitern sie dessen kardioprotektives Wirkprofil (Tab. 1).

Aktuell

In der JELIS-Studie (Japan EPA Lipid Intervention Study) konnten japanische Forscher nachweisen, dass die adjuvante Gabe von Omega-3-Fettsäuren bei einer Therapie mit Statinen die Rate der Koronarereignisse signifikant verringert [1]. An dieser aktuellen Studie nahmen über 18.645 Patienten mit Hypercholesterinämie teil, die mit einem Statin in niedriger Dosierung behandelt wurden. Über 9000 Studienteilnehmer erhielten zusätzlich täglich 1800 mg Eicosapentaensäure (EPA) in Form von Kapseln. Nach einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von 4,6 Jahren betrug die Rate kardialer Ereignisse in der nur mit Statinen behandelten Gruppe 3,5 Prozent und in der EPA-Gruppe 2,8 Prozent. Allerdings war für die Risikoreduktion von Bedeutung, ob die Patienten bereits eine Koronarerkrankung hatten oder nicht. In der EPA-Subgruppe der Patienten ohne Anzeichen für eine KHK (n = 14.981) war die Reduktion nicht signifikant. Dagegen profitierte die EPA-Subgruppe der Patienten mit KHK (n = 3664) von einer Senkung der Rate koronarer Ereignisse um 19 % (Abb. 1).

Kompakt*

Ω-3-Fettsäuren

Die essenziellen langkettigen mehrfach ungesättigten Ω-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) besitzen in der Prävention und Therapie zahlreicher chronisch-degenerativer und entzündlicher Erkrankungen ein hohes therapeutisches Potenzial.

Funktionen
  • Gehirn-/Augenfunktion (DHA): Entwicklung der Hirn- und Nervenzellen, Zellmembranen der Netzhaut.
  • Eicosanoidstoffwechsel (EPA: kompetitive Verdrängung der Arachidonsäure): Synthese antiinflammatorischer, antithrombogener, antichemotaktischer und vasodilatatorischer Prostanoide und Leukotriene.
  • Blutrheologie: Fibrinogen-Spiegel↓, Thrombozytenaggregation↓(TXA2), NO-Synthese↑.
  • Gefäßendothel: NO-vermittelte Gefäßrelaxation↑, Expression von Adhäsionsmolekülen↓(z. B. VCAM-1) und Entzündungsmarkern↓(z. B. E-Selectin), Leukozytenadhäsion↓, Synthese proinflammatorischer Zytokine↓(z. B. TNFα, IL-1), PAF-Freisetzung↓, Zellproliferation↓.
  • Hämodynamik/Blutdruck: Blutdruck↓(diastolisch/systolisch), renale Durchblutung↑, Mikrozirkulation↑, Blutrheologie↑, Blutviskosität↓.
  • Herz: Antiarrythmisch, antiatherogen, antithrombotisch, endothel-, kardioprotektiv.
  • Lipidstoffwechsel: Triglyceride (TG)↓, hepatische Synthese von TG und VLDL↓, Aktivität lipogener Enzyme↓.

Empfohlene Zufuhr: 0,5 bis 1,0 g EPA/DHA pro Tag. Fischöl enthält etwa 30 bis 35 % (3 g Fischöl = 1 g Omega-3-FS), Hochkonzentrate bis zu 85 % EPA/DHA.

Omega-3-FS-Status: Normbereich (Serum): α-Linolensäure: 15 – 30 mg/l, EPA: 20 – 55 mg/l, DHA: 50 – 110 mg/l. Material/Methode: Nüchternserum/GC. Hinweis: FS-Verteilung unterliegt erheblichen ernährungsbedingten Schwankungen (besser: Membranlipide der Erythrozyten).

Mangel/erhöhter Bedarf: Erhöhter Bedarf: Schwangerschaft/Stillzeit, Wachstum, Alter; Ernährung: wenig Seefisch, extreme Ω-6-FS-Zufuhr, TPN; Erkrankungen/Malabsorption: CED, Hypertriglyceridämie, Gallen-, Lebererkrankungen, chronische Pankreatitis, entzündliche, chronisch degenerative Erkrankungen (z. B. Allergien, Alzheimer, MS, Psoriasis, Rheuma), trockenes Auge.

Mögliche Mangelsymptome/Folgen: Allgemein: erhöhte Atopieneigung, Kachexie, Lipidanomalien, Verhaltensstörungen; Auge: Entzündungen, Sehstörungen, Trockenheit; Haut: trocken, schuppig, Ekzeme; Herz-Kreislauf-System: erhöhte kardiovaskuläre Morbidität/Mortalität; Immunsystem: Entzündungsreaktionen, Infektanfälligkeit; Kinder/Heranwachsende: Konzentrations-, Lern-, Verhaltens-, Wachstumsstörungen; Neurologische Störungen: Alterssenilität, Depressionen, Muskelschwäche, Neuropathien, ZNS-Entwicklung↓.

Einnahme: Omega-3-Fettsäuren sollten zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Nur eine langfristige und regelmäßige Einnahme ist sinnvoll! Der therapeutische Dosierungsbereich liegt bei etwa 30 bis 40 mg/kg KG und kann initial bis zu 90 mg/kg KG betragen. Generell wird die Kombination mit Antioxidanzien empfohlen (→ Lipidperoxidation: limitierender Faktor für die biologische Wirksamkeit).

Gegenanzeigen: Akute und subakute Pankreatitis, akute Pankreasnekrose, akute bis chronische Leberintoxikationen, Leberzirrhose, akute bis chronische Gallenblasenentzündung, akute Gerinnungsstörungen.

Nebenwirkungen: Fischgeschmack (Aufstoßen). Blutungszeit kann verlängert werden. Bei Dosierungen > 3 g/d ist eine regelmäßige Kontrolle der Blutgerinnung, des LDL-Cholesterins und der Glucosetoleranz in Erwägung zu ziehen.

Wechselwirkungen: Ciclosporin: EPA/DHA verringern ciclosporininduzierte Nebenwirkungen (Nephrotoxizität, Hypertonie, Hypertriglyceridämie);

Corticoide/NSAID: EPA/DHA reduzieren therapeutischen Bedarf und NW von Antirheumatika; CSE-Hemmer/Statine: EPA/DHA erweitern therapeutisches Wirkprofil der Statine; Warfarin, ASS: Blutungszeit kann verlängert, Thromboyztenaggregation vermindert werden (evtl. Reduktion blutgerinnungshemmender Arzneimittel nach ärztlicher Rücksprache!).

Literatur

[1] Yokoyama, M., et al.: Effects of eicosapentaenoic acid in major coronary events in hypercholesterolaemic patients (JELIS): a randomized open-label, blinded endpoint analysis. Lancet 2007:369 (9567);1090-1098. Verfasser: Apotheker Uwe Gröber, Esseninfo@vitalstoffmedizin.de

Tab. 1: Einfluss der CSE-Hemmer (Statine) und Omega-3-Fettsäuren auf kardiovaskuläre Risikofaktoren
Statine
Omega-3-Fettsäuren
LDL-Cholesterin↓
Plaquestabilisierung
Entzündungshemmung
Triglyceride↓
Endothelprotektion (NO-Synthase)
Entzündungshemmung (C-reaktives Protein↓)
Herzrhythmusstörungen*↓(Thromboxan A2 ↓)
Blutdruck↓, HDL-Cholesterin↑
Blutgerinnung↓(Fibrinogen↓, Thrombozytenaggregation↓)

* z. B. ventrikuläre Extrasystolen (VES), Couplets = 2 VES, Triplets = 3 VES nacheinander
Für Prävention und
Therapie
Vitamine, Mineralstoffe und andere Mikronährstoffe spielen eine große Rolle bei der Prävention und Therapie ernährungsassoziierter Krankheiten. Eine chronische Unterversorgung an essenziellen Mikronährstoffen kann komplexe metabolische Störungen auslösen, auf deren Boden sich im Lauf der Jahre handfeste Zivilisationserkrankungen entwickeln. In dieser Serie werden die wesentlichen, aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse über Mikronährstoffe kurz und übersichtlich zusammengefasst. Nutzen Sie das Wissen bei der Beratung in der Apotheke!
Biologische Wirkungen von Eicosanoiden aus Arachidon- (AA) und Eicosapentaensäure (EPA)
Arachidonsäure
(20:4, Ω-6)
Eicosapentaensäure (EPA)
(20:5, Ω-3)
Leukotrien B 4

stark entzündungsfördernd
stark chemotaktisch
Leukotrien B 5

schwach inflammatorisch
wenig chemotaktisch
Thromboxan A 2

stark proaggregatorisch
stark vasokonstriktorisch
Thromboxan A 3

nicht proaggregatorisch
nicht vasokonstriktorisch
Prostacyclin I 2

antiaggregatorisch
vasodilatatorisch
Prostacyclin I 3

antiaggregatorisch
vasodilatatorisch
Anwendungsgebiete
Empfohlene Dosierung
Applikation
Allgemeine Prävention
1–1,5 g EPA/DHA/d
p. o.
Allergien (Asthma, Rhinitis)
1,5–4 g/d
p. o.
Aufmerksamkeitsmangel/
Hyperaktivitäts-Syndrom
1–3 g/d, in Kombination mit Magnesium und Vitamin B6
p. o.
Augenerkrankungen (AMD, Glaukom, trockenes Auge)
Retinitis pigmentosa
1,5–3 g/d (v.a. DHA)
500–1.200 mg DHA/d zusammen mit Vitamin A, Zink und Taurin
p. o.
Bronchitis, COPD
1,5–4 g/d
p. o.
CED (C. ulcerosa, M. Crohn)
2,5–6 g/d
p. o.
Demenz, M. Alzheimer
1,5–4 g/d
p. o.
Diabetes mellitus, Syndrom X
1,5–4 g/d
p. o.
Fettleber
1,5–6 g/d
p. o.
Fettstoffwechselstörungen
(z. B. Hypertriglyceridämie)
1,5–6 g/d
p. o.
Hauterkrankungen, entzündliche (z. B. Psoriasis, Neurodermitis)
2,5–6 g/d
p. o.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
(Arrhythmien, Hypertonie, KHK)
1,5–6 g/d
p. o.
IgA-Nephropathie
3–7 g/d
p. o.
Krebs (v. a. Tumorkachexie, Prostatakarzinom)
2,5–6 g/d
p. o.
Multiple Sklerose (MS)
2–6 g/d
p. o.
Prämenstruelles Syndrom
1–3 g/d
p. o.
Psychopathologische Syndrome (z. B. Depressionen, schizophrene Psychosen)
1,5–3 g/d
p. o.
Rheumatoide Arthritis (RA)
2,5–6 g/d (≥ 35 mg/kg KG, in Kombi mit Antioxidanzien)
p. o.
Schwangerschaft/Stillzeit
1–3 g/d (z. B. mit L-Carnitin)
p. o.
Transplantationsmedizin
(z. B. Nierentransplantation)
2,5–6 g/d
p. o.
Weitere Anwendungsgebiete (p. o.): Hämodialyse, Immunonutrition, Nierenerkrankungen, Präeklampsie, Osteoporose, tardive Dyskinesie, Parkinson, Sjögren-Syndrom

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Gröber, Uwe

Mikronährstoffe – Beratungsempfehlungen für die Praxis

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Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2006 ISBN 978-3-8047-2270-5

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