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Apothekenkooperation

Avie überprüft rechtliche Schritte gegen Birkle

PERL (av/daz). Der Apotheken-Systembetreiber Avie lässt derzeit juristisch prüfen, ob der frühere Avie-Geschäftsführer Joachim Birkle vertragliche Strukturen geschaffen hat, mit denen die rechtlich gebotene wirtschaftliche Unabhängigkeit von 38 Apotheken unzulässig einschränkt wird. Dies hat die Avie GmbH & Co. KG mit Sitz im saarländischen Perl am 20. November mitgeteilt.

Zum Hintergrund: Am 2. Juli hatte die Kohl Medical AG, nach eigenen Angaben Europas führendes Unternehmen im Bereich Arzneimittelimport, bekannt gegeben, dass sie ihr Tochterunternehmen Avie GmbH & Co KG, ein Unternehmen mit Franchiseapotheken, vollständig übernehmen wird. Sie hatte die Anteile vom bisherigen Avie-Geschäftsführer und -Gesellschafter Joachim Birkle in Höhe von 25 Prozent übernommen. Birkle schied mit der Übertragung seiner Anteile aus der Geschäftsführung von Avie aus. Die Aufgaben von Birkle übernahm Dr. Thomas Kerckhoff.

Ein halbes Jahr nach der Übernahme wurde eine gewisse Unruhe unter zahlreichen Avie-Apothekern bemerkbar. Wie die DAZ von Insidern erfuhr und in ihrer Montagsausgabe vom 19. November berichtete (AZ Nr. 47/2007, S. 3), wollen etwa 38 Apotheken die Avie-Kooperation verlassen. Man sei, so hieß es, mit der neuen Führung von Avie nicht einverstanden. Außerdem hätten die Kompetenzträger in der Avie-Zentrale den Umzug des Unternehmens vom baden-württembergischen Beilstein ins saarländische Perl nicht mitgemacht und das Unternehmen verlassen. Aus den Andeutungen ging hervor, dass man überlege, sich einer anderen Kooperation anschließen zu wollen.

Nicht mehr unabhängig?

Avie dreht den Spieß nun um und kündigt gegen den früheren Avie-Geschäftsführer Birkle rechtliche Schritte an. "Seit der Trennung von unserem früheren Avie-Geschäftsführer Joachim Birkle stoßen wir vermehrt auf Hinweise", lässt Avie-Geschäftsführer Kerckhoff in einer Pressemitteilung wissen, "dass insgesamt 38 Apotheken aus dem Kreis der Avie-Partnerschaft nicht mehr in der Lage sind, in wirtschaftlichen Fragen eigenständig und unabhängig zu entscheiden. Wir lassen daher jetzt konkret den Verdacht juristisch prüfen, ob Herr Birkle vertragliche Strukturen geschaffen hat, die diese Apotheken in ihrer wirtschaftlichen Eigenständigkeit aktiv einschränken."

38 Apotheker hatten in nahezu gleichlautenden Schreiben zeitnah überraschend ihre Mitgliedschaft in der Systempartnerschaft gekündigt – ein weiterer Schritt in der Indizienkette, so die Avie-Pressemitteilung. "Die insgesamt 38 Apotheker, die ihre Mitgliedschaft bei Avie gekündigt haben, sind mit ihrem Schritt dem Abschluss unserer laufenden rechtlichen Prüfung zuvorgekommen", kommentiert Avie-Geschäftsführer Kerckhoff. "Dass die Kündigung der Avie-Mitgliedschaft mit nahezu gleichlautenden Schreiben und sehr zeitnah erfolgte, unterstützt im übrigen genau unseren Verdacht, dass diese Apotheker nicht mehr eigenständig agieren, sondern möglicherweise zentral gesteuert werden", fügte Kerckhoff hinzu. Das einheitliche und abgestimmte Verhalten der betroffenen Apotheker werfe Fragen auf, die einer näheren Untersuchung bedürften.

Nach Angaben von Avie sei die wirtschaftliche Eigenständigkeit und Unabhängigkeit ein zentrales Kriterium für die Mitgliedschaft bei Avie. Avie sei daran interessiert, den eigenständigen Apotheker zu stärken und mit einer Reihe von Systemvorteilen für den Wettbewerb gegen aufkommende Kettenbetreiber nach einem möglichen Fall des Fremd- und Mehrbesitzverbotes zu rüsten. Zudem sei die wirtschaftliche Eigenständigkeit und Unabhängigkeit rechtlich klar geregelt.

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