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Weltkongress katholischer Apotheker

Papst: Apotheker sollen Pille danach nicht abgeben

(ral). Vergangene Woche fand im Vatikan der Weltkongress katholischer Apotheker statt. Papst Benedikt XVI nutzte den Anlass, um die Diskussion um Abtreibung und Sterbehilfe aufflammen zu lassen. Apothekern müsse erlaubt sein, aus Gewissensgründen den Verkauf von Medikamenten zum Zwecke der Abtreibung oder Euthanasie zu verweigern, forderte er.

Es sei nicht möglich, "das Gewissen zu betäuben", wenn es etwa um Medikationen gehe, die die Einnistung eines Embryos verhinderten oder ein Menschenleben beendeten, wird das katholische Kirchenoberhaupt in einem "Spiegel"-Bericht zitiert. Hintergrund für seine Aussage ist die geplante Einführung der Abtreibungspille RU 486 in Italien.

Mit seiner Äußerung sorgte er für heftige Kritik in Italien. So sagte die italienische Gesundheitsministerin Livia Turco, dass vom Arzt verordnete Arzneimittel ohne "Wenn und Aber" von den Apothekern herauszugeben seien. Das Gesetz sehe keine Dienstverweigerung aus Gewissensgründen vor. Der Präsident der italienischen Apothekervereinigung Federfarma schloss sich Turco an: "Wir respektieren zwar die Worte des Papstes, aber seine Forderung ist weder in Italien noch in einem anderen Land durchführbar."

Zustimmung aus Chile

In Chile sieht man das offenbar etwas anders. Wie die "Berliner Zeitung" berichtet, weigern sich die drei größten chilenischen Apothekenketten, die Pille danach zu verkaufen – obwohl das Präparat in Chile seit 2006 für Frauen ab 14 Jahren zugelassen ist und trotz Bußgeldern von mittlerweile mehr als 46.400 Euro. Die Summe wurde gegen jede der drei Ketten verhängt, weil sie die Pille danach nicht vorrätig hatten. Sollte sich dies nicht ändern, drohen laut Chiles Gesundheitsministerin Soledad Barría weitere Sanktionen: "Wir wollen, dass die Menschen die Chance auf eine Entscheidung haben. Die Apotheken sind private Betriebe, aber sie erfüllen eine öffentliche Aufgabe", argumentierte sie. Regierungssprecher Ricardo Lagos sagte, das Präparat stehe auf der nationalen Produktliste und müsse angeboten werden. Schließlich werde niemand gezwungen, es zu nehmen. Medikamente zu vertreiben, die der Moral abträglich seien, genauer: Abtreibungspillen wie RU 486 oder auch nur die Pille danach für die rasche Empfängnisverhütung nach dem Geschlechtsverkehr.

Deutsche Gelassenheit

Bei der Bundesvereinigung der Deutschen Apotheker – ABDA sieht man die Aussage des Papstes gelassen. "Es gibt einen Versorgungsauftrag in Deutschland, den die Apotheker erfüllen müssen", meinte ABDA-Pressesprecher Thomas Bellartz. Dieser Auftrag gelte ohne Ansehen der Person, Rasse oder Religion.

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