Arzneimittel und Therapie

NSAR und SSRI

Erhöhte Gefahr fürgastrointestinale Blutungen

Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) können das Risiko gastrointestinaler Blutungen verdoppeln. Werden sie zusammen mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) eingenommen, dann kann das Risiko auf das Sechsfache steigen.

Ein Blick in die Fachinformationen von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern wie Paroxetin offenbart, dass unter SSRI Hämorrhagien und insbesondere gastrointestinale Blutungen auftreten können. Darüber hinaus wird zur Vorsicht geraten, wenn zusätzlich zu den selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern Substanzen eingesetzt werden, die das Blutungsrisiko erhöhen oder die Thrombozytenfunktion einschränken. Allerdings sollen gastrointestinale Blutungen unter SSRI, so die Fachinformationen, sehr selten auftreten. Angaben dazu, in welchem Ausmaß das Blutungsrisiko bei gleichzeitiger Behandlung mit nicht-steroidalen Antirheumatika steigt, fehlen.

Forscher aus England und den USA haben nun Daten von vier Beobachtungsstudien mit insgesamt 153.000 Patienten hinsichtlich des Einsatzes von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmeinhibitoren, nicht-steroidalen Antirheumatika und dem Auftreten von Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt (Ösophagus, Magen und oberer Dünndarm) ausgewertet.

Dabei stellten sie fest, dass sich das Risiko für gastrointestinale Blutungen unter der Einnahme von SSRI verdoppelt (Odds Ratio 2,36). Es stieg auf das Sechsfache, wenn zusätzlich nichtsteroidale Antirheumatika eingenommen wurden (Odds Ratio 6,33). Von 411 über 50jährigen Patienten, die keine Risikofaktoren für gastrointestinale Blutungen aufwiesen, muss ein Patient bei einer alleinigen SSRI-Behandlung mit gastrointestinalen Blutungen rechnen (Number-Needed-to-Harm: 411). Bei begleitender Behandlung mit nicht-steroidalen Antirheumatika treten diese Komplikationen bei einem von 106 Patienten auf (Number-Needed-to-Harm: 106).

Synergistische Effektevon NSAR und SSRI

Eine Analyse von 101 Spontanberichten ergab, dass die Blutungen im Schnitt nach einer 25-wöchigen SSRI-Behandlung aufgetreten sind. In 67% der Fälle waren die Patienten sowohl mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern als auch mit nicht-steroidalen Antirheumatika behandelt worden. Die Autoren sehen in diesen Ergebnissen eindeutige Belege für einen synergistischen Effekt von SSRI und NSAR bei der Induktion von gastrointestinalen Blutungen. Daher wird geraten, depressive Patienten mit Risikofaktoren für gastrointestinale Blutungen nicht mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern zu behandeln. Sollten mit SSRI therapierte Patienten ein Schmerzmittel benötigen, so solle auf risikoärmere Substanzen wie Paracetamol zurückgegriffen werden.

Ob die einzelnen Substanzen aus der Gruppe der SSRI und NSAR mit unterschiedlich hohen Risiken für gastrointestinale Blutungen behaftet sind, wurde in dieser Studie nicht untersucht. Es wird jedoch auf andere Studien verwiesen, nach denen Paroxetin, Sertralin and Fluoxetin mit einem besonders hohen Risiko für diese Komplikation behaftet sind. In weiteren Untersuchungen soll ermittelt werden, welche SSRI und SSRI/NSAR-Kombinationen besonders häufig zu gastrointestinalen Blutungen führen.

Quelle

Loke YK et al.: Meta-analysis: Gastrointestinal bleeding due to interaction between selektive serotonin uptake inhibitors and non-steroidal anti-inflammatory drugs. Alimentary Pharmacology & Therapeutics (online-accepted Articles) doi: 10.1111/j.1365-2036.2007.03541.x

Anti-Depressant Drugs Can Double Risk of Gastrointestinal Bleeding. Pressemitteilung der Wake Forest University Baptist Medical Center, 10. August 2007

Painkillers and antidepressants. Pressemitteilung der University of East Anglia, 9. Oktober 2007.

du

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