DAZ aktuell

Arzneimittelfälschungen

Bundeskriminalamt hinterfragt Versandhandel

BERLIN (ks). Das Bundeskriminalamt (BKA) ist zunehmend mit Arzneimittelfälschungen konfrontiert. Dubiose ausländische Internetversender erweisen sich immer häufiger als Einfallstor für Fälschungen – auch in den deutschen Markt. In der bereits im vergangenen Juni veröffentlichten Untersuchung "Arzneimittelkriminalität – ein Wachstumsmarkt?" des BKA wird daher empfohlen, die Notwendigkeit des Internethandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zu hinterfragen. Die ABDA begrüßt diese Anregung.

In der Studie, die am vergangenen Wochenende auch in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zitiert wurde, wird angemerkt, dass Deutschland das einzige Land der Europäischen Union sei, das einen Versand von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zulasse. Bekanntlich hält auch der Europäische Gerichtshof ein Versandverbot für rezeptpflichtige Medikamente für zulässig. In den Handlungsempfehlungen führt die Autorin der Untersuchung aus, dass "für den Bürger, der über das Internet Arzneimittel bestellen möchte, kaum eine Möglichkeit besteht, festzustellen, ob er sich tatsächlich an einen legalen Anbieter wendet". Erschwerend komme hinzu, dass eine effektive und umfassende Kontrolle des illegalen Internethandels nicht möglich sei – zu schnell lassen sich die Homepages generieren und zu groß ist ihre Anzahl. Um dennoch einen effektiven Gesundheitsschutz gewährleisten zu können, wird daher "empfohlen, die Notwendigkeit des Handels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln über das Internet zu hinterfragen und die Möglichkeiten einer Beschränkung des Onlinehandels auf nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel zu prüfen".

Im Fazit der Untersuchung heißt es, dass angesichts der qualitativ zunehmenden Bedrohungslage, der zunehmenden Globalisierung sowie der Liberalisierung der Märkte nur ein internationaler Bekämpfungseinsatz sinnvoll sei. Dazu sei es erforderlich, auf nationaler Ebene "gut aufgestellt" zu sein – unter anderem müssten "Schwachstellen in der Normenlandschaft" aufgegriffen und hierfür Lösungsansätze entwickelt werden.

ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf hört diese Worte gern: "Wir begrüßen diese Initiative des Bundeskriminalamts", erklärte er zu Wochenbeginn. Die ABDA kann für ihr Ziel, den Versandhandel für verschreibungspflichtige Arzneimittel wieder zu verbieten, derzeit jede Unterstützung brauchen.