Arzneimittel und Therapie

Osteoporose

Calcium (und Vitamin D) schützen doch vor Frakturen

Eine Nahrungsergänzung mit Calcium als Einzelpräparat oder in Kombination mit Vitamin D reduziert das Risiko von Knochenbrüchen bei Personen über 50 Jahren, so das Ergebnis einer riesigen Metaanalyse mit mehr als 50.000 Personen. Dabei kommt es auf eine gute Compliance und eine ausreichende Dosierung an.

Die ökonomische Bedeutung von Osteoporose und den dadurch bedingten Knochenbrüchen ist aufgrund der älter werdenden Bevölkerung in den Industrienationen enorm. Man schätzt, dass in Deutschland rund 6,5 Millionen Menschen über 50 Jahre Osteoporose haben.

Die Prävention von Knochenbrüchen durch Nahrungsergänzung mit Calcium und Vitamin D ist daher nicht nur aus medizinischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht attraktiv.

Nachdem Anfang der 1990er Jahre die Bedeutung einer ausreichenden Versorgung mit Calcium und Vitamin D als erwiesen galt, waren in den letzten Jahren Zweifel an der Wirksamkeit dieser Nahrungsergänzung aufgekommen. Nun zeigt eine neue, sehr große Metaanalyse, dass insbesondere Calcium sehr wohl das Risiko von Knochenbrüchen senkt.

In die Metaanalyse gingen die Ergebnisse von 17 älteren Studien ein, in denen insgesamt 52 625 Personen über 50 Jahre im Mittel über 3,5 Jahre behandelt wurden. In erster Linie sollte untersucht werden, ob die Nahrungsergänzung mit Calcium und Vitamin D das Frakturrisiko verringert, des Weiteren wurde die Knochendichte analysiert.

Insgesamt zeigte sich eine etwa 12%ige Reduktion des Knochenbruchrisikos bei Einnahme von Calcium oder Calcium in Kombination mit Vitamin D.

In einem getrennten Teil der Studie wurden 23 Studien ausgewertet, in denen die Knochendichte als Parameter untersucht wurde. Es zeigte sich, dass mit Calcium alleine oder in Kombination mit Vitamin D die Knochendichte in der Hüfte um 0,54% und in der Wirbelsäule um 1,19% weniger abnahm.

Kein zusätzlicher Nutzen durch Vitamin D

Durch eine zusätzliche Nahrungsergänzung mit Vitamin D konnte keine weitere Risikoreduktion im Vergleich zur Einnahme von Calcium alleine erreicht werden. Dennoch wurde ein signifikanter Unterschied zwischen der Wirksamkeit unterschiedlicher Vitamin-D-Dosen festgestellt. Bei Vitamin-D-Dosen von 800 IU (Internationalen Einheiten) oder mehr war das Risiko für Knochenbrüche geringer als bei Dosen von unter 800 IU (16% Reduktion verglichen mit 13%).

Wichtig: Ausreichende Dosierung und Compliance

Die Risikoreduktion war bei Calcium-Dosen von über 1200 mg/Tag deutlicher verglichen mit Dosen von weniger als 1200 mg (20% Reduktion verglichen mit 6%). Durch eine gute Compliance kann das Risiko möglicherweise noch weiter gesenkt werden. Wurden nur die Studien ausgewertet, bei denen laut Protokoll eine Compliance-Rate von 80% und mehr erreicht wurde, ergab sich sogar eine Risikoreduktion von 24%.

Am größten waren die Effekte bei älteren Personen, die betreut wohnten, ein niedriges Körpergewicht sowie eine zu geringe Calciumaufnahme hatten, ebenso bei Personen, deren Grundrisiko erhöht war.

Zweifel ausgeräumt?

Einige Studienergebnisse der jüngsten Vergangenheit hatten Zweifel an der Wirksamkeit einer Calcium/Vitamin-D-Supplementierung aufkommen lassen. In den meisten dieser Studien wurden die Teilnehmer aber nicht ausreichend lange behandelt oder die Compliance war schlecht. Diese Beobachtung passt zu dem Ergebnis der nun in dem renommierten Fachblatt The Lancet veröffentlichten Metaanalyse, dass die Therapietreue ein entscheidender Erfolgsfaktor ist.

Quelle

Tang BMP, et al. Use of calcium or calcium in combination with vitamin D supplementation to prevent fractures and bone loss in people aged 50 years and older: a meta-analysis. Lancet 370, 657-666 (2007).

Reginster JY. Calcium and vitamin D for osteoporotic fracture risk. Lancet 370, 632-633 (2007).

Apothekerin Bettina Martini
Tipps für eine Calcium-reiche Ernährung
  • Besonders viel und gut verwertbares Calcium liefern Milch- und Milchprodukte.
  • Calcium-reiche Gemüsesorten sind Fenchel, Grünkohl, Brokkoli.
  • Auch in manchem Obst ist viel Calcium enthalten (Brombeeren, Johannisbeeren, Himbeeren).
  • Bestimmte Getränke, wie Calcium-reiches Mineralwasser können als Calciumquelle dienen.
  • Wenn mehrere Calcium-haltige Mahlzeiten über den Tag verteilt gegessen werden, wird die Ausnutzung von Calcium aus dem Verdauungstrakt verbessert.
  • Eine Calcium-haltige Spätmahlzeit kann möglicherweise Knochenabbauprozesse in der Nacht vermindern.
  • Mehr als vier Tassen Kaffee täglich steigern die Calcium-Ausscheidung über die Nieren.
  • Oxalsäure-reiche Lebensmittel wie Rhabarber, Spinat und schwarzer Tee wirken sich negativ auf die Calcium-Versorgung aus.
[Quelle: nach Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V., www.dge.de]

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