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Arzneimittel-Atlas

Schlecht gemacht Der Arzneimittel-Atlas basiert auf mangelhaften wissenschaftlichen Grundlagen, kritisiert das WIdO.
Foto: Imago

WIdO: Keine Hilfe für Ärzte und Apotheker

BERLIN (ks). Aus Sicht des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen (WIdO) liefert der jüngst erschienene Arzneimittel-Atlas Ärzten und Apothekern keinen Nutzen für eine wirtschaftliche Arzneimitteltherapie. In seiner Studie "Report oder Atlas – zur Analyse von Arzneimittelverordnungsdaten" kritisiert das WIdO insbesondere, dass der Arzneimittel-Atlas auf mangelhaften wissenschaftlichen Grundlagen erstellt worden sei.

Am 26. Juli wurde in Berlin der im Auftrag des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller erstellte Arzneimittel-Atlas präsentiert (siehe AZ Nr. 31/2007, S. 8). Die Studie versteht sich als Alternative zum seit 20 Jahren erscheinenden Arzneiverordnungs-Report (AVR) und betrachtet – anders als dieser – Ausgabensteigerungen weniger als verpasste Einsparpotenziale, denn als medizinisch begründbaren Verbrauchsanstieg. Am selben Tage wie der Arzneimittel-Atlas erschien auch die WIdO-Studie. In ihr wurden der nunmehr zum zweiten Mal erschienene Arzneimittel-Atlas und der AVR hinsichtlich ihrer Datenbasis, Methoden und Ergebnisse miteinander verglichen. Das Fazit der WIdO-Experten: Der Atlas liefert lediglich Interpretationen, die durch die zugrunde liegenden Arzneimitteldaten nicht gestützt werden.

Wie der AVR wertet der vom Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) erstellte Arzneimittel-Atlas die ambulanten Arzneimittelverordnungen für gesetzlich Krankenversicherte aus. Während jedoch im AVR führende Pharmakologen den deutschen Arzneimittelmarkt umfassend analysierten, beschränke sich der Atlas auf die Analyse von Umsatzveränderungen in ausgewählten Medikamenten-Gruppen, bemängelt das WIdO. Es kritisiert zudem die "unzulässige Verknüpfung von Verordnungsmengen einer Arzneimittelgruppe mit bestimmten Erkrankungen". So gehe der Arzneimittel-Atlas beispielsweise ohne empirische Grundlage davon aus, dass alle Verordnungen von Antidepressiva ausschließlich zur Behandlung von Patienten mit Depressionen ausgestellt wurden. Diese Medikamente würden aber auch bei weiteren psychiatrischen Erkrankungen sowie zur Therapie von Schlafstörungen und chronischen Schmerzen eingesetzt. Zudem treffe der Arzneimittel-Atlas ohne entsprechenden wissenschaftlichen Beleg Aussagen zur Therapiedauer.

Wirtschaftliche Fehlversorgung ausgeblendet

Ausgeblendet werde im Arzneimittel-Atlas auch der Bereich der wirtschaftlichen Fehlversorgung – obwohl er mit den vorhandenen Daten analysiert werden könnte, so die WIdO-Autoren. Im AVR werde hingegen dargelegt, wie sich erhebliche Einsparpotenziale ohne Qualitätsverlust in der Therapie realisieren ließen. So wird etwa seit Jahren beziffert, wieviel die Kassen sparen könnten, würden statt teurer patentgeschützter Analogpräparate ohne therapeutischen Zusatznutzen vermehrt Generika verordnet. Insgesamt, so das Ergebnis der Studie, biete der Arzneimittel-Atlas damit keinen Fortschritt für die Analyse des deutschen Arzneimittelmarktes: "Die Akteure im Gesundheitswesen – vor allem die Ärzte – erhalten keine Unterstützung bei der Suche nach rationalen Entscheidungen. Die mit dem Arzneimittel-Atlas vorliegende Marktanalyse ist damit keine Alternative für das etablierte Standardwerk Arzneiverordnungs-Report."

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