DAZ aktuell

G8-Gipfel

Hilfsorganisationen kritisieren Patente

BERLIN (ks). Angesichts der Auseinandersetzungen um den Zugang zu patentgeschützten Medikamenten in Entwicklungsländern haben sich im Vorfeld des G8-Gipfels deutsche und internationale Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen mit einer gemeinsamen Erklärung zu Wort gemeldet. Sie fordern eine Neuausrichtung der globalen Medikamentenpolitik und die Sicherstellung eines preiswerten Zugangs zu patentgeschützten Medikamenten.

Die Erklärung "Für Innovation und Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln", die von medico international, Brot für die Welt, Misereor und BUKO Pharma-Kampagne initiiert wurde, kritisiert das gegenwärtige patentgeschützte Forschungsmodell. Es führe dazu, dass vorwiegend Medikamente und Impfstoffe für eine zahlungskräftige Kundschaft entwickelt würden. "Systematisch werden die Gesundheitsbedürfnisse von Menschen, die über keine oder zu geringe Kaufkraft verfügen, vernachlässigt", heißt es in der Erklärung. Die Organisationen beklagen, dass der medizinische Fortschritt an der Mehrheit der Weltbevölkerung vorbeigegangen sei: 13 Millionen Menschen würden jährlich an behandelbaren Krankheiten sterben – auch deshalb weil "Pharma-Patente als de-facto Monopole dafür sorgen, dass selbst lebensnotwendige Medikamente unerschwinglich teuer sind". Versuche, das internationale Patentrecht im Gesundheitsbereich zu verschärfen, lehnen die Organisationen ab. Sie fordern, die Verhängung von Zwangslizenzen für notwendige Medikamente sowie deren lokale Produktion zu unterstützen.

Auch die "Apotheker ohne Grenzen" übten Kritik an Pharma-Patenten. Sie verwiesen vergangene Woche darauf, dass Aids-Patienten in Thailand wegen eines Patentstreits derzeit nicht mit der neuen hitzebeständigen Version des HIV-Medikaments Kaletra behandelt werden. "Die Interessen der betroffenen Menschen als schwächstes Glied in der Kette bleiben einmal mehr auf der Strecke im Streit um Geld, Zwangslizenzen und den Patentschutz", heißt es in einer Pressemitteilung der Organisation. Zwar sicherten Patentrechte die pharmazeutische Forschung, die Gesundheit sei aber eines der wichtigsten Menschenrechte. "Wir fordern die Pharmaindustrie auf, bei ihren aktuellen Verhandlungen mit der Weltgesundheitsorganisation und den einzelnen Staaten wie Thailand neben ihrem Gewinnstreben die Patienteninteressen stärker zu berücksichtigen", erklärte der Vorsitzende von Apotheker ohne Grenzen Deutschland, Ulrich Brunner.

Weitere Informationen finden Sie unter www.medico.de.

Spendenkonto

Apotheker ohne Grenzen

Spendenkonto: 0 005 077 591,

Deutsche Apotheker- und Ärztebank Frankfurt, BLZ 500 906 07

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.