Aus der Hochschule

Pharmazeutische/Medizinische Chemie

Neues in der Wirkstoffentwicklung

Die Jahrestagung "Frontiers in Medicinal Chemistry" führte vom 18. bis 21. März weltweit führende Wissenschaftler aus Hochschule und Industrie in Berlin zusammen, wo sie über neue Ansätze zur Diagnose und Therapie verschiedener Krankheiten diskutierten. Zudem erhielten Nachwuchswissenschaftler die Möglichkeit, ihre Arbeiten vorzustellen und sich mit gestandenen Forschern auszutauschen.

"Frontiers in Medicinal Chemistry" ist eine gemeinsame Veranstaltung der Fachgruppen Medizinische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Pharmazeutische/Medizinische Chemie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) und Medizinische Chemie der Schweizer Chemischen Gesellschaft (SCS). Die diesjährige Tagung stand unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Ulrich Reißig (Freie Universität Berlin) und Prof. Dr. Eckhard Ottow (Bayer Schering Pharma AG, Berlin). Es kamen fast 300 Teilnehmer aus insgesamt 13 Nationen, erheblich mehr als zu den früheren Jahrestagungen. Tagungsschwerpunkte waren

  • neue Ansätze im Bereich Antiinfektiva wie besonders Tropenerkrankungen,
  • neue Therapiekonzepte für Erkrankungen des Zentralen Nervensystems und neurodegenerative Erkrankungen,
  • aktuelle Forschungsergebnisse aus der Onkologie,
  • neue Konzepte zur Leitstruktursuche und -optimierung unter besonderer Berücksichtigung der Biotransformation.

Im Eröffnungsvortrag "New compounds from nature" referierte Prof. Dr. Jon Clardy, Boston, über die Entdeckung bzw. Wiederentdeckung von Arzneistoffen natürlicher Herkunft mit DNA-basierten Methoden. Auf diese Weise wurden beispielsweise die Peptid-Antibiotika Pantocin A und Andrimid entdeckt. Über neue Möglichkeiten der Wirkstofffindung mit Hilfe der Röntgen-Kristallstrukturanalyse von Protein-Ligand-Komplexen berichtete Prof. Dr. François Diederich, Zürich.

Auf reges Interesse stieß die Vorstellung der neuesten Ergebnisse von Tierstudien mit neuen potenziellen Arzneistoffen gegen Malaria und Schlafkrankheit (Prof. Dr. Reto Brun, Basel). Aber auch neue Synthesestrategien von Benzophenon-Derivaten mit antiprotozoischer Aktivität wurden vorgestellt (Prof. Dr. Martin Schlitzer, Marburg). Noch immer entziehen sich zahlreiche Tropenerkrankungen einer effektiven Therapie, doch gibt es neue Ansätze dazu, die eingehend diskutiert wurden. Leider hat die Industrie wenig Interesse an der Entwicklung von Arzneistoffen gegen diese Erkrankungen.

Prof. Dr. Markus Kalesse, Hannover, zeigte die Bedeutung von Naturstoffen als Leitsubstanzen für neue Krebsmedikamente. Mit Nilotinib (Tasigna®) präsentierte Dr. Paul Manley, Basel, eine Weiterentwicklung von Imatinib (Glivec®), einen Arzneistoff zur Behandlung der chronisch myeloischen Leukämie.

Neben Vorträgen zu neuen Techniken und Strategien auf der Suche nach innovativen Arzneistoffen thematisierten mehrere Referenten den Arzneistoffmetabolismus und dessen Vorhersagbarkeit in silico (durch EDV-Berechnungen). So befasste sich Prof. Dr. Gabriele Cruciani, Perugia, mit den von Cytochrom-P450-Enzymen katalysierten Biotransformationsreaktionen und unterstrich den Nutzen von In-silico-Modellen, um den Metabolismus neuer Wirkstoffe vorherzusagen.

Posterpreise

Im Hauptgebäude des Instituts für Chemie und Biochemie der FU Berlin wurden mehr als 100 Poster präsentiert, auf denen Nachwuchswissenschaftler aus Pharmazie, Biologie, Chemie sowie Vertreter aus verschiedenen Bereichen der pharmazeutischen Industrie die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeiten darstellten. Ein Gremium, bestehend aus Vertretern der Fachgruppenvorstände der DPhG, der GDCh und der SCS, verlieh drei Posterpreise an die Doktoranden Sabine Küttel (AK Scapozza, Genf), Andreas Blum (AK Diederich, Marburg) und Ulrike Wefelscheid (AK Reißig, Berlin). Diese stellten ihre Forschungsergebnisse auch in Kurzvorträgen vor.

Innovationspreis

Im Rahmen der Tagung "Frontiers in Medicinal Chemistry" wird alljährlich ein mit 5000 Euro dotierter Innovationspreis in Pharmazeutischer/Medizinischer Chemie verliehen. Diesjähriger Preisträger ist Prof. Dr. Christoph Sotriffer, Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Würzburg, der über folgende Themen arbeitet: energetische Behandlung von Protein-Ligand-Wechselwirkungen; Beschreibung der Proteinflexibilität durch molekulardynamische Simulationen; In-situ-Cross-Docking und Virtuelles Screening zur Entwicklung neuer Ansätze und Verfahren für die Suche nach innovativen Arzneistoffen. <

Helen Hungeling, Robert Reh, Ulrike Schwering, Kiel

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