Bayerischer Apothekertag

Lasst die Apotheke im Dorf!

AOK-Rabattverträge, der Versandhandel, die Angriffe von DocMorris, Schlecker und Co. sowie von Seiten der EU gegen das bestehende Apothekensystem und die vertrauliche Beratung in Apotheken waren die aktuellen Probleme, mit denen sich Dr. Ulrich Krötsch, Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer, in seiner Ansprache beschäftigte.

Gerhard Reichert, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands, beklagte in seinen Eröffnungsworten die enormen Probleme, die den Apotheken durch die AOK-Rabattverträge entstanden sind. Viele der Arzneimittel, die aufgrund dieser Verträge abgegeben werden müssen, sind am Markt nicht in ausreichender Menge verfügbar. Dies hat zur Folge, dass sich die Apotheker weniger um die Kunden kümmern können, da sie nach Lösungsmöglichkeiten suchen und mit Ärzten Rücksprache halten müssen.

Auch der Kauf von DocMorris durch Celesio bereitet Sorgen und ist in seiner ganzen Dimension noch nicht abzuschätzen. Hinzu kommt, dass die Apotheken in diesem Jahr aufgrund des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes mit Einbrüchen im betriebswirtschaftlichen Ergebnis rechnen müssen. Reichert regte an, verstärkt über neue Vertragsformen wie die Zielpreisvereinbarungen nachzudenken, mit denen das Reformgesetz praktikabler gestaltet werden könnte.

Positiv stellte Wolfgang Zöller, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, in seinem Grußwort auf dem Bayerischen Apothekertag heraus, dass das Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) den Preiswettbewerb bei Arzneimitteln gefördert hat. Heute gibt es fast 10.000 Arzneimittel, deren Preis unter 30% der Festbetragshöhe liegt. Die Versicherten sind bei Verordnung dieser Präparate von der Zuzahlung befreit. Bei den Ärzten habe das AVWG nicht zum prognostizierten Anstieg der Bürokratie geführt und die Ausgabenentwicklung der GKV im Arzneimittelbereich sei erfreulich. Auch die jüngste Gesundheitsreform sei besser als von vielen behauptet.

Zöller hob hervor, dass die Politik Wort gehalten habe: kein Fremd- und Mehrbesitz bei Apotheken. Er sei auch weiterhin dagegen. Es würde sich nichts verbessern, wenn Kapitalgesellschaften die Erlaubnis hätten, Apotheken zu betreiben. Auch eine Ausweitung von Versand-apotheken gefährde die geordnete, verlässliche und sichere Arzneimittelversorgung: "Deshalb lehne ich dies ab", so der Gesundheitspolitiker. Er glaube auch nicht, dass sich daraus mehr Wettbewerb ergäbe – ein Blick in andere Länder zeige, dass mit Versandhandel, Fremd- und Mehrbesitz keine Einsparpotenziale entstehen, im Gegenteil.

Verhindert worden sei auch die diskutierte Umstellung der Arzneipreise auf Höchstpreise. Stattdessen habe man das von der ABDA vorgeschlagene Kompromissangebot angenommen und den Kassenzwangsrabatt auf 2,30 Euro angehoben.

Zöller zeigte Verständnis für die Kritik der Apotheker an den AOK-Rabattverträgen. Es sei unseriös von der AOK, Verträge abzuschließen, ohne dass die Liefersicherheit der Hersteller gewährleistet ist. Zöller: "Ich erwarte von den Krankenkassen, dass sie erst dann Rabattverträge abschließen, wenn eine flächendeckende Versorgung der Patienten gewährleistet ist."

Der CSU-Politiker will sich dafür einsetzen, dass "endlich Planungssicherheit einkehrt". Apotheker und Politik sollten im Dialog bleiben und Fehlentwicklungen korrigieren. Als Ziele, auch für die Union, bleiben eine hohe Arzneimittelsicherheit, die flächendeckende Versorgung und der Erhalt der Freiberuflichkeit.

Mehr Marktwirtschaft und Wettbewerb

Der FDP-Politiker Martin Zeil geht davon aus, das spätestens 2009 eine weitere Reform im Gesundheitswesen ansteht, da die jetzige die Probleme nicht löse. Nach Ansicht der FDP beinhaltet das GKV-WSG zu wenig marktwirtschaftliche und wettbewerbliche Elemente. Außerdem führe die Reform in ein staatsmedizinisches System, bei dem Freiberuflichkeit und Therapiefreiheit auf der Strecke blieben. Statt immer mehr Geld ins System zu pumpen, sollte die Eigenverantwortlichkeit und der Wettbewerb gestärkt werden. Auch die Apotheker sollten sich auf mehr Wettbewerb einstellen, allerdings zu fairen Bedingungen und ohne Gefährdung der flächendeckenden Versorgung. Zeil sieht im Apotheker mehr als einen Arzneimittelverkäufer. Im Fremd- und Mehrbesitz liegt nach seiner Ansicht nicht die Zukunft.

Mehr Selbstbewusstsein

Der SPD-Politiker Joachim Wahnschaffe rief dazu auf, das GKV-WSG zu akzeptieren und nicht schon wieder über eine neue Reform nachzudenken. Die Apotheker erfüllen eine unverzichtbare Aufgabe im Gesundheitswesen. Solange es nichts besseres gebe, solle man der Apotheke in der heutigen Form und an der flächendeckenden Versorgung festhalten. Er setzt sich dafür ein, dass dieses System gestärkt wird. Mit Beifall wurde seine Bemerkung zum DocMorris-Kauf durch Celesio quittiert: Ob diejenigen, die DocMorris gekauft haben, sich nicht verspekuliert haben? fragte er. "Ich würde es mir im Sinne der deutschen Verbraucher wünschen", so Wahnschaffe. Den Apothekern wünschte er "das Selbstbewusstsein, das sie brauchen, um den Berufsstand zu verteidigen".

Gegen mehr Kommerzialisierung

Er ist davon überzeugt, dass das deutsche Gesundheitswesen besser als sein Ruf ist: Günther Beckstein, Bayerischer Staatsminister des Innern, stellte sich in seiner Rede auf dem Bayerischen Apothekertag voll auf die Seite der Apotheker, der inhabergeführten Apotheke und erteilte allen Bestrebungen, dies zu ändern und stärker zu kommerzialisieren, eine deutliche Absage. Eigene Erlebnisse in den USA und Berichte aus Finnland und Großbritannien zeigten die negativen Auswüchse, wenn in einem Gesundheitswesen nur der Markt herrsche.

Dass der Apotheker bei der Bevölkerung höchstes Ansehen und Vertrauen genießt, verdankt er seinem Fachwissen und seinem "großartigen heilberuflichen Engagement".

Der Ausgang der anstehenden Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs über den Fremdbesitz ist offen, so Beckstein. Er jedenfalls stehe auf Seiten der Apotheker: Eine reine Kommerzialisierung ist verheerend. Eine Aldiisierung verbessert nicht die Lebensqualität, wie ein Blick auf den Lebensmittelhandel und auf den Markt der großen Stromkonzerne zeigt.

Als "abenteuerlich rechtswidrig" bezeichnete der gelernte Jurist Beckstein die Erteilung der Betriebserlaubnis für die DocMorris-Apotheke in Saarbrücken. Große Kapitalgesellschaften und Ketten wollen nur ihre Rendite erhöhen – das macht das Leben in Deutschland nicht besser und das Gesundheitswesen nicht wirtschaftlicher. Die soziale Marktwirtschaft lebt von einzelnen Persönlichkeiten und nicht von wenigen Großunternehmen. Die Freiberuflichkeit ist ein wesentliches Element unseres Systems.

Ein weiteres Thema des bayerischen Innenministers waren die Gefahren, die der Internethandel mit Arzneimitteln mit sich bringt. Das Internet habe sich zu einem weltumspannenden Schwarzmarkt für gefälschte Arzneimittel entwickelt. Die Folgen sind finanzielle Schäden und erhebliche Gesundheitsrisiken für den Endverbraucher. Die strafrechtlichen Ermittlungen gestalten sich schwierig. Von den Arzneimittelfälschungen sind vor allem Lifestyle-Präparate betroffen. Trotz erheblicher Anstrengungen auch über Interpol ist keine befriedigende Kontrolle möglich, so Beckstein. Vor diesem Hintergrund sei es ein gesundheitspolitischer Irrweg gewesen, den Internetvertriebsweg als gleichberechtigten Vertriebsweg zuzulassen.

Den Apotheker sieht auch Beckstein als unverzichtbaren Teil unsere Gesundheitswesens an. Nicht jede Reform bringe Verbesserungen im Gesundheitswesen. Als Konservativer vertrete er die Auffassung, vor einer Systemänderung sollte erst der Nachweis erbracht werden, dass ein neues System das bessere sei. Er empfahl sich den Apothekern als verlässlicher Partner, wenn es um den Erhalt der bewährten Strukturen gehe.

Wir bestehen durch Individualität

Die Rabattverträge der Krankenkassen mit Generikaherstellern haben in den Apotheken erhebliches Chaos ausgelöst. Die Versorgung der Patienten läuft daher zurzeit nur suboptimal. Nach Auffassung von Krötsch kann an den relativ geringen Einsparungen, die aus diesen Rabattverträgen resultieren, nicht das System gesunden.

Der Kammerpräsident beklagte, dass die Bundesregierung vor über drei Jahren den Versand von Arzneimitteln ohne vernünftigen Grund gesetzlich verankerte. Der Europäische Gerichtshof hatte sich zudem dafür ausgesprochen, dass unter verschiedenen Gesichtspunkten ein Verbot des Versandes verschreibungspflichtiger Arzneimittel gerechtfertigt ist. Daher, so Krötsch, "sollten wir dies als Auftrag ansehen, die frühere Rechtslage wiederherzustellen". Eine entsprechende Initiative, den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zu verbieten, kommt aus Nordrhein-Westfalen. Weitere Bundesländer, auch Bayern, haben Unterstützung signalisiert.

DocMorris, Schlecker, dm-Supermarkt und andere greifen zurzeit das bestehende Apothekensystem an, sie wollen an einem Markt teilhaben, der ihnen vom Umsatz her interessant erscheint, ohne heilberufliche Verantwortung übernehmen zu wollen. Wenn große Kapitalgesellschaften oder Drogeriemarktketten in diesen Markt eindringen, dann ist die kaufmännische Komponente vorherrschend und der heilberufliche Charakter nachrangig. Das ginge zu Lasten der Patienten und Verbraucher, so Krötsch. Als Chance für den Apotheker sieht er daher die pharmazeutische Kompetenz. Außerdem ist die Apotheke flächendeckend vertreten, was bei Kapitalgesellschaften voraussichtlich kaum der Fall wäre.

Eine Umfrage bestätigte, dass die Bevölkerung den Apotheker zu den vertrauenswürdigsten Berufe zählt. Krötsch: "Unser großes Pech ist die unterschiedliche Wahrnehmung bei den Verbrauchern einerseits und einem Teil der Entscheidungsträger andererseits."

Eine weitere Bedrohung der Apotheker könnte von der EU-Kommission kommen. In einem Vertragsverletzungsverfahren fordert sie unter Berufung auf EU-Recht Österreich, Italien, Spanien und Frankreich auf, das Fremd- und Mehrbesitzverbot aufzuheben. Krötsch erinnerte allerdings daran, dass es kein explizites EU-Recht im Apothekenbereich gebe. So stehe in den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Ministerrats über die Anerkennung von Berufsqualifikationen hinsichtlich der Apothekenpflicht, "dass die Einräumung eines solchen Monopols weiterhin in die alleinige Zuständigkeit der Mitgliedstaaten fällt". Vor diesem Hintergrund sei der europäische Vorstoß verwunderlich, vor allem wenn man wisse, dass die Einwohner der EU das System der inhabergeführten Einzelapotheke schätzen gelernt haben und keine Veränderung wünschen. Vor diesem Hintergrund sei es seiner Meinung nach ein Skandal, so Krötsch, dass die deutsche Bundesregierung es derzeit nicht für sinnvoll hält, das geltende deutsche Recht zu verteidigen.

Eine Chance, den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimittel wieder zu verbieten, sieht der bayerische Kammerpräsident in der Bundesratsinitiative des nordrhein-westfälischen Ministers Laumann. Er wolle dies unter der Bedingung vorantreiben, dass die Apotheker den Verbrauchern und Patienten in kürzester Zeit den Mehrwert einer Apotheke bei der Arzneimittelversorgung vermitteln. Krötsch fordert dazu auf, diesen Mehrwert, zu dem beispielsweise der Notdienst, die Dienstleistungen der Apotheke, die Individualrezepturen, aber auch die vertrauliche Beratung bei der Abgabe gehören, stärker herauszustellen. Er forderte dazu auf, vertrauliche Bereiche in der Apotheke zu schaffen. Die Apotheken sollten hierfür die Offizin etwas umrüsten und Raumteiler, Paravants, getrennte HV-Tische aufstellen. Im Einzelfall könne auch ein roter Strich auf dem Boden Wunder wirken und für mehr Abstand und Diskretion sorgen, so Krötsch.

Gegenüber den Plänen von Kapitalgesellschaften kann die Apotheke nur durch ihre Individualität bestehen, durch Glaubwürdigkeit, durch ihren Mehrwert. Krötsch: " Machen Sie mit!"

Apotheker brauchen Planungssicherheit

Wie wirkt sich die Gesundheitsreform auf die Apotheken aus? Wie sollen die Apotheken darauf reagieren? Welchen Angriffen ist die Apotheke ausgesetzt? Eine Podiumsdiskussion auf dem Bayerischen Apothekertag mit Berufs- und Gesundheitspolitikern befasste sich mit diesen Fragen.

Ursula Hasan-Boehme von der Steuerberatungsgesellschaft Treuhand Hannover rechnete vor, welche Einbußen die Gesundheitsreform für die Apotheken bringt. Insbesondere der auf 2,30 Euro erhöhte Zwangsrabatt schlägt stärker zu Buche als es auf den ersten Blick erscheint. Zusammen mit weiter steigenden Kosten kann am Ende des Jahres durchaus eine Gewinnschmälerung von nahezu 10 Prozent daraus resultieren. Weitere Risiken wie eine mögliche Zulassung des Fremdbesitzes, eine aggressive Preispolitik von Konkurrenten und das Eindringen von Drogeriemärkten und anderen in den Apothekenmarkt üben zusätzlich Druck auf Apotheken aus. Der Apotheker sollte aber nicht resignieren, sondern jetzt handeln und seine Situation analysieren. Wichtig sei, so die Steuerberaterin, mit kompetenten Fachleuten ein Zukunftskonzept zu entwickeln.

Dass Celesio DocMorris kaufte, sollte den Apothekern zu denken geben, so Gerhard Reichert, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands. Man wird nun sehen, ob die Apotheker ihr Einkaufsverhalten ändern. Eine Empfehlung dazu könne und dürfe der Verband nicht geben. Wenn sich Celesio im Sinne der deutschen Apotheker verhielte, dann würde der Konzern die Betriebserlaubnis für die Saarbrücker Apotheke zurückgeben. Der SPD-Landespolitiker Joachim Wahnschaffe nannte die DocMorris-Übernahme durch Celesio "hochspekulativ". Der Apotheker sollte sich aber nicht beeindrucken lassen und glauben, dass dadurch der Fall des Fremdbesitzverbotes vor der Türe stehe. Das jetzige System habe sich bewährt. Der FDP-Politiker Martin Zeil hat die Sorge, dass die EU-Kommission nur bedingt Verständnis für den Stellenwert der freien Berufe hat.

Dr. Maximilian Gaßner vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales geht davon aus, dass in dieser Legislaturperiode nichts mehr zur Regelung im Gesundheitswesen ansteht. Auch sein Haus wolle nicht, dass wenige Kapitalgesellschaften den Gesundheitsmarkt beherrschen. Dennoch sehe man die dunklen Wolken am europäischen Himmel. Vermutlich werden weitere Liberalisierungen kommen. Der bayerische Kammerpräsident Dr. Ulrich Krötsch ließ die Zuhörer wissen, dass man einem ABDA-Beschluss zufolge auf EU-Abgeordnete in Brüssel zugehen wolle, um darüber zu sprechen und auf negative Folgen aufmerksam zu machen.

Zielpreisvereinbarung testen!

Reichert beklagte, dass mit der Abgabe von Arzneimitteln im verschreibungspflichtigen Bereich nichts mehr verdient wird. So könne es nicht mehr weitergehen. Und 2009 droht erneut eine Verhandlung über den Kassenzwangsrabatt. Spätestens dann werde man den Weg ins Wirtschaftsministerium antreten müssen, um auf die Situation bei Apotheken hinzuweisen. Weitere Einsparungen gingen zu Lasten von Kunden, Patienten und zu Lasten der Arzneimittelsicherheit. Die Apotheke müsste Personal entlassen. Reichert forderte, dass für den Erhalt der deutschen Apotheke ausreichend Geld zur Verfügung stehen müsse.

Gaßner sieht die flächendeckende Versorgung in Gefahr. Er hoffe darauf, dass auch die Apotheken am Aufschwung teilnehmen können.

Reichert wiederholte seine Forderung nach Einführung von Zielpreisvereinbarungen. Dies könnte den Apotheker in die Lage versetzen, wirtschaftlich auszuwählen. Der Patient erhielte sein Arzneimittel sofort und die Kasse würde sparen. Er forderte einen Testversuch, damit die Apotheker beweisen können, was sie können. Hierfür müsste nur ein dreiseitiger Vertrag zwischen Kassenärztlicher Vereinigung, Krankenkassen und Apotheker geschlossen werden. Wahnschaffe hofft darauf, dass sich das Einnahmeproblem in der GKV aufgrund der guten konjunkturellen Lage entspannt.

Wunschliste

Reichert wünschte sich, wie Krötsch, mehr Planungssicherheit für die Apotheken. Es wäre auch an der Zeit, so Reichert, die Mitarbeiter besser zu bezahlen, "aber wir können es nicht".

Ein aktueller Streitfall liegt mit den Krankenkassen vor: Kassen dürfen Patienten nicht beeinflussen, wo diese ihre Arzneimittel beziehen. Dieses Nichtbeeinflussungsverbot wollen die Kassen jedoch kippen. Die Gespräche hierzu liegen derzeit auf Eis.

Gaßner forderte die Politik auf, darauf zu achten, dass die Leistungserbringer im Gesundheitswesen angemessen honoriert werden.

Hasan-Boehme appellierte an Politik, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

In Rheinland-Pfalz, so Wahnschaffe, fänden bereits Gespräch zwischen Krankenkassen, Apothekern und Ärzten statt, um die Rabattverträge umsetzbar zu gestalten – solche Gespräche sollten auch in anderen Bundesländern laufen.

Auch Zeil sicherte zu, für Zielpreisvereinbarungen einzutreten. Man müsse außerdem auf allen Ebenen dafür werben, dass es ohne freie Berufe in unserer Gesellschaft nicht gehe. Er forderte die Apotheker auf, den heilberuflichen Teil in den Vordergrund zu stellen. Seine Hoffnung für die Zukunft: "Lassen wir die Apotheke im Dorf!"

Der familiäre Apothekertag Die Bayern haben es auch in diesem Jahr fertig gebracht, rund 500 Apothekerinnen und Apotheker zum Apothekertag (rauchfrei und Kinderbetreuung inklusive) zu locken.
Fotos: DAZ/diz
Ursula Hasan-Boehme
Günther Beckstein
Bewährtes System Die Politik ist auf der Seite des Apothekers. Von links: Moderator Adrian Dunskus, MdL Joachim Wahnschaffe (SPD), MdB Martin Zeil ( FDP).
Nichts mehr verdient Sie wollen für den Erhalt der Apotheke kämpfen. Von links: Gerhard Reichert, Dr. Maximilian Gaßner, Dr. Ulrich Krötsch.
Rauchfrei
Gut gemacht von den Veranstaltern des Bayerischen Apothekertags: Die Veranstaltung wurde als "rauchfreier Apothekertag" beworben. Man wollte mit gutem Beispiel vorangehen. Als Gesundheitsberuf, der sich für die Gesundheit seiner Kunden und Patienten verantwortlich fühlt, müsse man ein Zeichen setzen. Rauchfreier Apothekertag – das sollte ab sofort ein Vorbild für alle weiteren Apothekertage und Apothekerkongresse im Land sein.
Zielpreisvereinbarung
– was ist das?
Als Alternative zu Rabattverträgen zwischen Krankenkassen und Herstellern plädieren die Apotheker für die Einführung von Zielpreisvereinbarungen. Die Idee dahinter: Der Arzt verordnet einen Wirkstoff, auf den kein Patentrecht mehr besteht und für den es ein entsprechendes Nachahmerprodukt (Generikum) gibt. Er bestimmt weiterhin die Therapie, die Art der Arzneimittel, Substanz, Menge und Dosierung. Der Apotheker dagegen wählt ein qualitätsgesichertes Produkt mit günstigem Preis aus, das verfügbar ist, und übernimmt so einen Teil der finanziellen Verantwortung. Voraussetzung ist, dass der Arzt den Apotheker über die Aut-idem-Regelung zu dieser Auswahl autorisiert. Die vom Apotheker ausgewählten Präparate dürfen dabei eine bestimmte mit den Krankenkassen ausgehandelte Gesamtsumme nicht überschreiten.
Fortbildung
Nicht nur Berufspolitik, sondern auch die Fortbildung kam in Bayern nicht zu kurz. Auf dem Programm standen ein Workshop "Notfallversorgung", für PTA Wissenswertes rund um die Rezeptur (Josef Fischer, Augsburg), für PKA das Thema Einkaufserlebnis (Cynthia Milz, Kulmbach), für Apotheker "Homöopathie" (Margit Schlenk, Nürnberg). Außerdem gab es Gelegenheit, sich mit modernem Apothekenmanagement zu befassen (Christian Krüger, VSA) und mit weiteren Vorträgen von Softwarehäusern.
Der Apothekertag klang aus mit einem Öffentlichkeitsvortrag über Giftpflanzen und Hexenkräutern (Siegfried Hagspiel) und einem Vortrag für die Studenten und Praktikanten "Studium – was dann?" (Helmut Schlager, München).
Gala
Kultur & Geselligkeit
Der diesjährige Bayerische Apothekertag setzte sein Erfolgskonzept der letzten Jahre fort. Die gelungene Mischung aus Politik, Fortbildung, Kultur und Geselligkeit kommt bei der bayerischen Apothekerfamilie gut an. Und so sorgten die Veranstalter auch in diesem Jahr für eine Kinderbetreuung, damit man dem Untertitel "der familiäre Apothekertag" auf jeden Fall gerecht werden konnte.
Das mittelfränkische Städtchen Bad Windsheim lockte mit einer Therme. Seit Dezember 2005 besitzt das Heilbad den ersten Salzsee Europas. In dem 750 Quadratmeter großen beheizbaren See kann man baden wie im Toten Meer. Das solegesättigte Wasser lädt zum Relaxen ein. Kommentar vom Verbandsvorsitzenden Reichert: Hier können die Apotheker nicht untergehen.
Der gesellige Teil des Apothekertags begann mit einem Begrüßungsabend im Wirtshaus am Freilandmuseum von Bad Windsheim. Bei fränkischen Spezialitäten, naturtrübem Bier oder Frankenwein erlebten die Teilnehmer ein zauberhaftes Beisammensein – ein Zauberer zeigte, was mit Illusion möglich ist.
Die Eröffnungsveranstaltung des Apothekertags umrahmte in diesem Jahr die Sambagruppe Vincivi: Da wurde getrommelt und getrillert, dass der Saal bebte.
Den Gala-Abend heizte der "moderne Spielmannszug des TSV Lauf" ein, eine "Marchingband mit Cheergruppe" nach amerikanischem Vorbild. Beim Stehempfang mit Sekt konnte die Band im Freien die Teilnehmer des Gala-Abends begeistern.
Besonders bemerkenswert: Auch in diesem Jahr hatte es der Bayerische Apothekertag geschafft, viele Pharmaziestudentinnen und -studenten zur Teilnahme zu bewegen. Elegant gedresst in feinem Abend-Outfit genoss auch der pharmazeutische Nachwuchs den geselligen Abend, den die Band Soultrain musikalisch gestaltete.
Ein reichhaltige Programm bot der Apothekertag für Begleitpersonen: Stadtführung, Kräuterwanderung (Apotheker Hagspiel), Besuch des Freilandmuseums, Kräuterapotheke (siehe Extrakasten) und Hochseilgarten ließen keine Wünsche offen.

Impressionen vom Gala-Abend des Bayerischen Apothekertags

Kultur- und Pharmaziegeschichte

Die "Kräuter-Apotheke"

Die Bevölkerung von Bad Windsheim war in den Bayerischen Apothekertag mit eingebunden: Zum einen hielt Apotheker Siegfried Hagspiel am Sonntagvormittag einen Vortrag über "Giftpflanzen und Hexenkräuter". Zum anderen gab es bereits samstags einen "Apothekentag" in der "Kräuter-Apotheke", die zur "Baugruppe Stadt" des Fränkischen Freilandmuseums gehört. Die "Kräuter-Apotheke" präsentiert eine eindrucksvolle Ausstellung zur Geschichte des Apothekerberufs und der Apotheke. Mit großem Engagement führt Apotheker Friedrich Schmelzer aus dem Nachbarort Diespeck nicht nur Kolleginnen und Kollegen, sondern alle interessierten Laien durch das mit viel Liebe ausgestattete, kleine Apothekenmuseum. Er kann zu jedem Ausstellungsstück eine Geschichte erzählen und voller Stolz verweist er auf besondere Details der historischen Räume, die sich in einem Gebäude aus dem 12./13. Jahrhundert befinden. Man wolle Heidelberg keine Konkurrenz machen, sagt Schmelzer. Doch in einem Freilandmuseum, das eine Zeitreise durch 700 Jahre Alltagsleben bietet, dürfe die Apotheke nicht fehlen. Auf dem Rundgang durch die Ausstellung, die dank großzügiger Unterstützung der Firmen Martin Bauer und Dr. C. Soldan und vieler Spenden von Apothekern aus der Region ermöglicht wurde, sieht man zwei prächtige alte Offizineinrichtungen mit beeindruckendem Mobiliar sowie vielfältigen schönen Standgefäßen. Auch Gegenstände aus Labor und Rezeptur werden gezeigt und für die Museumsbesucher erklärt. Besonders eindrucksvoll ist die Kräuterkammer unter dem Dach des Hauses. Hier lässt sich bestaunen, wie früher pflanzliche Drogen aufbewahrt und weiterverarbeitet wurden. Friedrich Schmelzer betont voller Freude, wie interessiert die Besucher, die er seit der Eröffnung des Museums vor ca. zwei Jahren durch das Museum geführt hat, am Apothekerberuf seien. Wenn man ihn erzählen hört, ist klar: Er versteht es, die Menschen für die Pharmazie zu begeistern.
An diesem speziellen "Apothekentag" wird für die Bevölkerung die Herstellung von Zäpfchen und das Pillendrehen vorgeführt. Für Kinder gibt es Kräuter "zum Schnuppern" und eine kleine Einführung in die Seidenmalerei. Apotheker Martin Brandl aus Regensburg bietet eine individuelle Homöopathie-Beratung an. Er hat eine Weiterbildung auf diesem Gebiet absolviert und freut sich, dass die Nachfrage der Kunden speziell zur Homöo-pathie so groß ist. In Bad Windsheim kommen an diesem Tag leider nicht so viele Interessierte, wie er es sich gewünscht hätte – das Wetter war wohl einfach zu gut.
Über die in der Kräuter-Apotheke präsentierten "Schätze" kann man sich in einem liebevoll gestalteten, fachkundig geschriebenen Buch informieren. Auf den 148 Seiten befinden sich fast auf jeder Seite mehrere Farbabbildungen. Außerdem wird in einem Extrakapitel das historische Haus "Holzmarkt 14", in dem die Kräuter-Apotheke untergebracht ist, ausführlich vorgestellt. Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die an lebendiger und anschaulicher Pharmaziegeschichte interessiert sind! (Die Kräuter-Apotheke des Fränkischen Freilandmuseums, ISBN 3-926834-62-5, Preis: 12,80 Euro.)
Wer sich die Kräuter-Apotheke vor Ort anschauen möchte, muss sich im Fränkischen Freilandmuseum vorher anmelden. Sehr gerne können Führungen vereinbart werden. Informationen unter www.freilandmuseum.de, Telefon (09841) 6680-0.
Mit Begeisterung hütet Apotheker Friedrich Schmelzer das Museum
Im Geiste Hahnemanns Martin Brandl, der Kügelchen-Experte.
Kräuter-Apotheke Da geht‘s rein ins kleine feine Museum.
Sehenswerte Exponate Die alte Zeit wird wach.
Gerhard Reichert
die Eröffnung Von links: Bürgermeister Wolfgang Eckardt, Frau Krötsch, Dr. Ulrich Krötsch, Dr. Günther Beckstein, Gerhard Reichert.
Joachim Wahnschaffe
Flächendeckende Versorgung erhalten Dafür sprachen sich alle Gesundheitspolitiker in Bad Windsheim aus. Im Bild: das Rathaus.
Martin Zeil
Wolfgang Zöller
Dr. Ulrich Krötsch

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